Die Inhalte des aktuellen Hefts in der Übersicht

Alle Infos aus dem aktuellen Heft der A&W finden Sie hier im Überblick. Freuen Sie sich auf viele spannende Artikel und Reportagen rund um Architektur und Wohnen!

A&W Architektur & Wohnen 5/2017

Wenn Sie 60 Zeilen hätten, auf denen Sie der Welt Ihr Bild von Deutschland mitteilen könnten, was würden Sie schreiben? Und ich meine nicht daheim, sondern an prominenter Stelle gedruckt wie hier. Ich denke dabei auch nicht an soziale Medien wie Facebook, wo alles so herrlich vergänglich und nur wie Randnotizen zur großen Geschichte scheint, an der jeder so ein bisschen mit herumdoktert. Wenn Sie auf den Punkt kommen müssten, ohne groß daherzureden, das meine ich.

Was hat das mit Architektur & Wohnen zu tun? Wir haben uns mit dieser Ausgabe dem Thema Deutschland gewidmet und internationale Gestalter um ihr Bild von unserem Land und unserer Kultur gebeten. Denn die Sprache des Architekten sind seine Gebäude, die des Designers seine Möbel oder Räume. Und jedes Gebäude, jeder Entwurf, der umgesetzt wurde, ist wie diese 60 Zeilen, eine klare Aussage zu einem Thema. Manches ist vielleicht beliebig, anderes großartig, aber alle Kreativen müssen sich am Ende an realen Projekten messen lassen. Das macht Designer und Architekten offen für Kritik, und insofern ist diese Ausgabe ein Spiegelbild unserer Gesellschaft – wir sind kritikfähig. Schaue ich mir diese Heftproduktion dahin gehend genauer an, stelle ich fest, dass ich gerührt bin. Überlegen wir doch ein paar Sekunden lang: 60 Jahre gibt es dieses Magazin nun, wer hätte 1957 zu träumen gewagt, wie Deutschland heute dasteht? Wie charmant, wie inspirierend Deutsche in aller Welt und daheim die Kultur des Bauens beflügeln. Wie weit sind wir gekommen! Mein Großvater zog als Ingenieur mit dem Westwall in Frankreich – anteilig – wahnwitzige Bunkeranlagen hoch, mein Kollege Jan van Rossem traf in einem zum Museum umgebauten deutschen Bunker in Dänemark den Architekten Bjarke Ingels und sprach mit ihm über Sinnlichkeit. Als stamme die geplante Riesenkanone, die dort 1945 errichtet werden sollte, aus einem anderen Erdzeitalter. Noch kurz vor der Wende 1989 fuhr ich mit der Straßenbahn durch das graue Ostberlin, nach stundenlangem Warten am Grenzposten. Unsere Autorin Franziska Klün reiste nun – selbstverständlich – quer durch die Republik und hat in 60 Stationen viel über das Land und seine Manufakturen und Handwerker in unserem Sonderheft für Sie festgehalten. Mitte der Neunzigerjahre stand ich im tiefsten Winter als junger Architekturstudent in den Fundamenten des Berliner Stadtschlosses und hielt alles noch Ersichtliche mit einem Bleistift für die Nachwelt fest. Zurzeit werden die letzten Fassadenelemente für den Wiederaufbau angebracht, der bald ein Museum beherbergen wird.

Ich spüre tiefe Dankbarkeit, aus einer Gesellschaft hervorgegangen zu sein, die aus einer der größten Niederlagen von Moral und Anstand sich daran gemacht hat, Menschlichkeit zu schaffen. Diesen Geist atmet für mich jede Seite dieses Magazins. Diesen Geist zu bewahren, ist aber auch Verpflichtung. Was wären Ihre 60 Zeilen? Ich wünsche angenehme Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS

Unser Sonderheft „Deutschlandreise“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Aus den 60 Themen ergeben sich vier Reiserouten, aufgeteilt nach den vier Himmelsrichtungen, natürlich inklusive spannender Design-Hotels und passender Restaurants. Wir wünschen viel Spaß beim Neu-Entdecken des eigenen Landes!