Die Inhalte des aktuellen Hefts in der Übersicht

Alle Infos aus dem aktuellen Heft der A&W finden Sie hier im Überblick. Freuen Sie sich auf viele spannende Artikel und Reportagen rund um Architektur und Wohnen!

A&W Architektur & Wohnen 4/2017
Was macht gutes Wohnen heute aus? Die Frage stellte sich mir dieses Frühjahr, während die Redaktion mit mir über den Salone del Mobile in Mailand hastete. Zum Sinnieren bleibt auf der wichtigsten Möbelmesse der Welt eigentlich wenig Zeit, es gilt der Treppenwitz, dass es auf dem von Massimiliano und Doriana Fuksas entworfenen Gelände zwar alles gebe, was Designfans begeistere, nur eben keine Sitzmöbel für eine Pause zum Nachdenken. Dennoch kam mir dieser Gedanke, da ich zeitweise gar nicht mehr das Gefühl hatte, auf einer Messe für Wohnen zu sein, sondern eher auf einer für Objekteinrichter. Also all jener, die Hotels, Apartment- und Bürokomplexe planen und einrichten. Ich war einigermaßen überrascht. Ist gutes Wohnen heute ein fix und fertig möbliertes Hotelzimmer? Auf der Suche nach Antworten entdeckte ich nur sehr wenige klassische Einzelmöbel, dafür viele „Lösungen“, wie es so mancher Pressesprecher umschrieb. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Zeiten des Objektes, das den Raum definiert und alle Blicke auf sich zieht, irgendwie schon lange untergegangen waren. Das Möbel selbst scheint heute nur noch ein Nebendarsteller auf einer größeren Bühne zu sein. Aber wer ist der Hauptdarsteller? Im Gegensatz zu früher scheint irgendwie jedes Objekt heute alles können zu müssen. Da sah man gläserne Kleiderschränke, die zugleich als Vitrinen oder selbst leuchtender Raumteiler dienen, oder mit Sitzkissen beladene Sofas, die funktional irgendwo zwischen Lümmelecke, beweglicher Lounge und Daybed mäandrieren. Umgeben von hohen Zimmerpflanzen hatte ich das Gefühl, in einen riesigen Wohnzoo geraten zu sein. Die schönen Tiere, die waren allerdings verreist (bis auf das Eisbärensofa „Pack und Chiara“ von Francesco Binfarè für Edra).

Eine konkrete Antwort auf die eingangs gestellte Frage erhielt ich dann vor zwei Wochen bei einer Stippvisite in dem von Patricia Urquiola eingerichteten Fünfsternehotel „il Sereno“ am Comer See, eine Art ge stapelter Barcelona-Pavillon. Neben dem phänomenalen Ausblick überraschte mich die sehr gelungene Gesamtkomposition der Zimmer. Ich fühlte mich wirklich zu Hause. Mir wurde klar: Es geht gar nicht so sehr um ein Leben wie im Hotel, sondern es muss das ausgewogene Raumkonzept sein, das diesen Eindruck hervorrief. Einzelmöbel fügten sich hier eher wie Schmuckstücke in eine gute Garderobe ein. Daher widmen wir diese Ausgabe und unser Magazin in Zukunft verstärkt solchen Konzepten und wollen aufzeigen, wie guter Wohnstil im Detail wirklich geht. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS In unserem Special finden Sie trotzdem noch Designikonen: 60 Möbelklassiker aus 60 Jahren Architektur & Wohnen. Neu gesehen hat sie die in Mailand lebende Illustratorin Karin Kellner, die – ausgerüstet mit einem Filzstift – wie eine japanische Kalligrafin versucht hat, diese Objekte auf ihr Wesen zu reduzieren. Was macht einen Klassiker zum Klassiker? Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise.