Opern und Theater Architekten-Duo Fellner und Helmer

Zwischen dem Wiener Börsenkrach 1873 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs baute das Architekten-Duo Fellner und Helmer in den Metropolen Mittel- und Osteuropas Opern und Theater. Zwischen Hamburg und Odessa errichteten sie Prachtpaläste für die Kunst, zusammengefügt aus Stilen der Vergangenheit, aus Renaissance, Barock und Rokoko.  

Odessa, Sofia, Wien und Hamburg sind glänzende, in den letzten Jahren der europäischen Kaiserreiche mächtig gewachsene Städte. Immer enger verknüpft von Eisenbahnlinien und Kaufleuten, die hin und her jagen und Geschäfte machen. Zu den Reisenden gehören ein Österreicher und ein Norddeutscher: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, ein Architekten-Duo. Ihre erfolgreichste Unternehmenssparte ist der Theaterbau. Ein gigantisches Arbeitsfeld. Die kleinen und großen, reich gewordenen Metropolen wollen repräsentieren und brauchen Veranstaltungsorte für ein neues Massenpublikum. 1500 Theater werden in den Jahren zwischen 1889 und 1926 in Europa gebaut. Im k.u.k. Reich und in den angrenzenden Ländern haben sich Fellner und Helmer den Ruf der besten, der schnellsten, der preiswertesten Könner auf diesem Gebiet erarbeitet. Die Baumeister sind keine Stilbrecher und Erneuerer. Sie sind Erfüller, studieren Zeitschriften und Kataloge, beobachten, was Kollegen tun – Semper in Dresden zum Beispiel – und kombinieren. Ähnlich Modisten, die Abendtoiletten mit Rüschen und Schleifen schmücken, schneidern Fellner und Helmer aus Architekturteilen des Barock und Rokoko festliche Überzüge für Gebäude, die im Inneren präzise funktionieren, Brandschutz und Fluchtwege für Tausende garantieren.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Christian Grund