London Die Wunderkammer des Sir John Soane

Wie ein Besessener kaufte der Baumeister John Soane um 1815 Kunst und Architekturfragmente und pflasterte damit die Wände seiner Häuser im Zentrum Londons. Dort kann man die Sammlung des Exzentrikers noch heute bewundern: im aufwendig restaurierten Sir John Soane’s Museum.

Hinter der Fassade des Townhauses in der Londoner Straße Lincoln’s Inn Fields Nummer 13, nahe Covent Garden, drängelt sich die Architekturgeschichte auf engstem Raum: Antike Wandreliefs quetschen sich zwischen römische Säulen, Skulpturengruppen lassen nur schmale Gänge frei, goldene Medusenhäupter blicken aus Schönwetterwolken- Fresken, gotische Baldachine filtern das Tageslicht – ein Haus wie ein Architektur- Wimmelbuch, das man nicht nur anschauen, sondern auch betreten kann.

Im Regency-Stil gebaut und ausgestattet hat es ab 1792 der seinerzeit bekannteste britische Architekt, Sir John Soane (1753–1837). Soane war ein Getriebener. Er kaufte Marmorbüsten, griechische Vasen und Gemälde wie andere Kleidung. Rastlos studierte er nach der Arbeit die neuesten Kataloge von Christie’s, rieb sich die lange Nase und plante seine Käufe. Wenn er bis spätnachts über Bauplänen brütete und mit strenger Miene über seine jungen Mitarbeiter wachte, die er bis zu zwölf Stunden an ihren Zeichenbrettern arbeiten ließ, saß seine Frau Eliza, die er liebevoll „my dearest friend“ nannte, für ihn im Auktionssaal und sichtete das Angebot. Sie ersteigerten Wertvolles wie Gemälde von Reynolds, Hogarth und Canaletto, Stuckfragmente, Gipsornamente, Architekturzeichnungen, aber auch mal einen Mumienkopf. Andere Preziosen schenkten ihm sein Freund William Turner, mit dem er sich oft und gern auf dessen Landsitz zum Fischen traf, und Giovanni Battista Piranesi, den er kurz vor dessen Tod in Rom kennenlernte.

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Schlagworte:
Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Giovanni Castell