Meister der Bescheidenheit Pritzker-Preisträger: Eduardo Souto de Moura

Überraschungscoup des Komitees für den Pritzker-Preis: Der Portugiese Eduardo Souto de Moura ist der diesjährige Gewinner, ein ganz untypischer Preisträger. Wie er selbst sind seine Bauten unprätentiös, aber originell und Detailverliebt.

Paula Rêgo Museum

Eigentlich erhalten den Pritzker-Preis stets Architekten, die jeder kennt: Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster, Jean Nouvel, Peter Zumthor, die sogenannten Starchitekten eben. Bei Eduardo Souto de Moura (59) liegt der Fall ein wenig anders. Die Nachricht, dass der portugiesische Architekt dieses Jahr den bedeutendsten Architekturpreis der Welt gewonnen hat, überforderte selbst kulturkundige Medien: In den meisten Berichten wurde vor allem die Pressemeldung des Auslobers, der Hyatt Foundation, umformuliert. Denn Souto de Moura hat in seiner Karriere nur zwei spektakuläre Projekte gebaut, und entsprechend wenig steht über ihn in den Archiven.

Diese Ferne zum architektonischen Laufsteg ist weniger ein Mangel als eine Haltung – und als solche von der Pritzker-Jury auch gewürdigt worden. Denn Eduardo Souto de Moura ist ein Meister der Diskretion. Er beherrscht Stille, Bescheidenheit und Ernst mit den Mitteln des Steins. Und das wichtigste Element dieses architektonischen Taktgefühls ist die Wand. Die meisten seiner Bauten – nahezu alle in Portugal errichtet – wirken verschlossen, für einen mitteleuropäischen Geschmack geradezu abweisend. Aber diese Insichgekehrtheit entwickelt eine ganz außergewöhnliche Ausstrahlung, wenn man sich darin vertieft.

Eduardo Souto de Mouras Häuser blicken nicht nur auf eine lange Tradition südeuropäischer Baukunst zurück, die große Hitze und Helligkeit mit natürlichen Mitteln bändigen kann. Das maurische Prinzip von indirektem Licht, kühlenden Materialien und abgeschlossenen Höfen, das so viele zeitgenössische iberische Architekten zuletzt wieder für sich entdeckt haben, hat Souto de Moura seit 30 Jahren vor allem in seinen vielen Villenbauten in kunstvoller Manier weiterentwickelt. Diese regionale Baukultur verbindet Souto de Moura aber mit Einflüssen aus 3000 Jahren Architekturgeschichte. Das chinesische Hofhaus diente ihm ebenso als Referenz wie die Architektur Le Corbusiers in Chandigarh, eine Inka-Brücke wird bei ihm zu einem Stadiondach, ein Kamin aus einem gotischen Kloster zu dem Turm eines Museums. Gefasst werden diese ganz unterschiedlichen und weitreichenden kulturgeschichtlichen Inspirationen von den strengen Gestaltungsprinzipien der klassischen Moderne zu einer eigenen Grammatik des Schönen.

Seite 1 : Pritzker-Preisträger: Eduardo Souto de Moura
Autor:
Till Briegleb
Fotograf:
Courtesy of Eduardo Souto de Moura