Jung und Selbstbewußt Architekturbüro BIG - Bjarke Ingels Group

Seit einiger Zeit macht in Kopenhagen ein Akronym die Runde, das sich ein selbstbewusstes, junges Architekturbüro zugelegt hat. Mit gehöriger Chuzpe nennt man sich BIG. Das ist zwar einerseits lediglich ein Kürzel für Bjarke Ingels Group, soll andererseits aber selbstverständlich wörtlich verstanden werden.

Das ständig wachsende Team des mittlerweile 38-jährigen Ingels surft derzeit von Erfolgswelle zu Erfolgswelle. Selbst renommierte Stars staunen, denn niemand außer ihm kann gleichzeitig Großprojekte in Manhattan, Schanghai, Astana, Vilnius und Grönland vorweisen. Nicht zu vergessen Moscheen, die BIG im islamischen Tirana wie im protestantischen Kopenhagen errichtet.

Sein neuestes Projekt entstand nicht auf einem fernen Kontinent, sondern im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro: „Mitten in der dicht bebauten Stadt konnten wir auf einem ehemaligen Güterbahnhofsgelände den Park ‚Superkilen‘ errichten, ein Projekt für die 60 hier lebenden ethnischen Gemeinschaften. Für uns war das eine richtige Herausforderung, ihn so lebendig wie möglich zu gestalten.“ Doch Ingels ist mit seinen Gedanken auch in Manhattan, wo er Anfang letzten Jahres ein weiteres Büro eröffnet hat. Dort erhielt er einen höchst lukrativen Auftrag für ein Apartment-Hochhaus. „In das Projekt investiere ich jede mögliche Energie. Wir nennen es ‚Courtscraper‘. Es ist eine Mischung aus einem typischen Kopenhagener Hofgebäude und einem Wolkenkratzer.“ Entstehen wird ein bewohntes Gebirgsmassiv, das von jeder Seite andere Ansichten gewährt – mal eingeschossig, mal aufragender Skyscraper

„Courtscraper“ ist das neueste Wohnexperiment aus dem BIGLabor. „Mountain Dwelling“, Ingels erstes Wohngebirge, wurde unter Experten schon als Revolution der traditionellen Blockstruktur bewertet. Ingels bezwingende Idee: elf Geschosse großzügiger Eigentumswohnungen wie hängende Gärten über die Parkgeschosse zu schichten. So erblickt man im Süden die terrassierte, begrünte Dachlandschaft, während im Norden eine geschlossene Blockfassade überrascht – mit perforierten Aluplatten.

Der wahre Vorläufer von „Courtscraper“ ist das Kopenhagener 8 House, auf das Ingels bereits die gleichen Konstruktionsprinzipien anwendete: große Dichte, öffentlich begehbarer Innenhof, an- und absteigende Fassaden. Ein nachhaltiges Gebäude in der Green City Kopenhagen? „Auf jeden Fall“, meint Bjarke Ingels, „aber wir möchten Ökologie nicht als staubtrockene Angelegenheit verkaufen. Ich bin für hedonistische Nachhaltigkeit. Deswegen haben wir einen öffentlichen Parcours quer durchs 8 House gelegt.“

Für viele Architekten ist es bereits eine Herausforderung, ökonomisch rentable Projekte mit ökologischen Maßstäben zu versöhnen. Bjarke Ingels geht noch einen Schritt weiter: Ökologie soll auch noch Spaß machen.

Schlagworte:
Autor:
Klaus Englert