Klare Strukturen Architekturbüro Sauerbruch Hutton

Wie eine bunte Stola legen sich die Glaselemente um die Fassade der Polizei- und Feuerwache für das Berliner Regierungsviertel. Und ihre Farben aus abgestimmten Grün- und Rottönen verraten, wer hier residiert. Der ungewöhnlich heitere Bau der Architekten Sauerbruch Hutton erweitert einen ehemaligen Frachthof an der Spree und macht die neue Nutzung des Geländes sichtbar – durch die Symbolfarben von Polizei und Feuerwehr.

Für Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton ist Farbe kein überflüssiges Ornament, vielmehr ein struktureller Gestaltungsfaktor, der Orten und Räumen eine Identität gibt. Die Gebäude des deutsch-englischen Duos sprechen die Sinne an und zeigen, dass sich Ästhetik und Ökologie nicht ausschließen müssen, sondern gut zusammenpassen.

Vor 23 Jahren haben die beiden Architekten ihr Atelier für Gestaltung und Architektur gegründet, zunächst in London und kurze Zeit später in Berlin. Mit internationalen Aufträgen haben sie und ihr Team aus mittlerweile 90 Mitarbeitern sich längst einen Namen als kluge Strategen einer Architektur gemacht, deren optisches Markenzeichen die Farbe ist. Von dekorativer Rhetorik halten Sauerbruch Hutton trotzdem wenig. Projekte wie das Umweltbundesamt in Dessau oder das KfW-Bankenhochhaus im Frankfurter Westend reagieren sensibel auf Stadtplanungsfragen und behaupten sich gleichzeitig als eigenständige Farbtupfer. Auch ihre Lösungen für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind kein Selbstzweck. „Architektur muss die Menschen ansprechen und eine Art Beziehung zwischen den Nutzern und dem Objekt herstellen“, sagt Matthias Sauerbruch. Leidenschaft und Emotion entfalten an den Gebäuden von Sauerbruch Hutton ihre Wirkung.

Wie diese ausfallen kann, zeigt sich beim Museum Brandhorst in München. Insgesamt 36 000 Keramikstäbe in 23 Farben verwandeln den Neubau in eine bunte Schmuckschatulle, deren klares Volumen sich wie ein abstraktes Kunstwerk in den urbanen Raum fügt. Das Farbkonzept der Architekten beachtet auch funktionale Aspekte. So gibt die Lochblechverkleidung, auf der die glasierten Stäbe montiert sind, in ihren Farben nicht nur den Grundton für das flimmernde Muster an, sondern sie absorbiert auch den Lärm der Straße. Die Innenräume des Museums werden über Schläuche in den Betonwänden temperiert. Die Ausstellungsflächen kommen mit nüchternen weißen Wänden aus, die der Kunst den Vorrang geben, und schaffen mit Eichenböden eine private Atmosphäre. Das Bedürfnis nach Schönheit sei das mehr oder weniger offensichtliche Motiv aller Gestaltung, meinen seine Architekten. Ihre Entwürfe machen diese Schönheit zu einer Qualität, die die Nominierung „A&W-Architekt des Jahres 2013“ verdient.

 

Schlagworte:
Autor:
Sandra Hofmeister