A&W-Architekt des Jahres 2013 BIG - Bjarke Ingels Group

Wenn die Bjarke Ingels Group, kurz BIG, ein Projekt angeht, muss man mit dem Äussersten rechnen: Häuser, die sich demonstrativ vom Verkehrslärm abwenden, und Skipisten auf einer Müllverbrennungsanlage. Für das Bauen mit Witz und Hintersinn wählten unsere Leser das Kopenhagener Büro als A&W-Architekt des Jahres 2013 aus.

Humor hat es schwer in der Architektur. Wer viele Millionen in ein Gebäude investiert, will nicht, dass es hinterher wie ein Witz aussieht. Aber kann das eine Ausrede dafür sein, dass „99 Prozent der Architektur aus investorengesteuerter Mittelmäßigkeit“ bestehen, wie Bjarke Ingels meint – und das verbleibende eine Prozent vielleicht schön aussieht, aber immer noch keine gute Laune macht? Für Ingels ist das natürlich eine rhetorische Frage. Der Chef und kreative Kopf des dänischen Büros BIG (für Bjarke Ingels Group) beantwortet sie dreifach mit Nein: durch seine Entwürfe, durch eine optimistische Architekturtheorie unter dem Slogan „Yes is more“ und durch seine Persönlichkeit. Allein das schelmische Grinsen, das der größte Spaßmacher der Weltarchitektur zu seinem Markenzeichen gemacht hat, drückt unmissverständlich aus, warum BIG nicht bierernst bauen kann.

Aber was ist nun lustige Architektur, für die Investoren in New York oder die Stadt Kopenhagen eine halbe Milliarde Euro auszugeben bereit sind? Was kann an einem Wohnhochhaus an der 57th Street oder einer Müllverbrennungsanlage in der dänischen Hauptstadt so komisch sein? Etwa, dass jeder Tourist, der in Zukunft Kopenhagens Wahrzeichen, die Kleine Meerjungfrau, fotografiert, im Hintergrund einen rauchenden Schlot auf dem Bild hat? Wohl schon eher, dass dieser Schornstein große weiße Kringel bläst wie ein genussvoller Raucher. Aber die wirklich fröhliche Überraschung stellt sich erst ein, wenn unser Tourist das Gebäude mal heranzoomt. Denn dann wird er feststellen, dass auf dieser Industrieanlage Ski gefahren wird.

„Amagerforbraending“, Dänemarks größtes Müllheizkraftwerk, ist tatsächlich eine so absurd erscheinende Idee, dass ihre Umsetzung wie ein Wunder wirkt. 1,5 Kilometer Skipisten für jeden Schwierigkeitsgrad werden ab 2016 vom Schornstein hinabführen, vorbei an einem 100 Meter hohen Kübelgitter mit Grünpflanzen. „Auf Dänemarks Ski-Team wird man in Zukunft achten müssen“, scherzt der passionierte Snowboarder Ingels. Aber natürlich hat die Gaudi wie immer bei BIG einen pädagogischen Hintergedanken, denn die zukünftigen dänischen Goldmedaillengewinner sollen nicht vergessen, was sich unter ihren Brettern für eine Anlage befindet – obwohl auch diese Form der Belehrung streng spaßgeleitet ist.

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Autor:
Till Briegleb
Fotograf:
Enok Holsegård