Architekturbüro MVRDV

Die Initialen der Gründerfamiliennamen bilden das Akronym MVRDV. Die Niederländer Winy Maas, 52, Jacob van Rijs, 46, und Nathalie de Vries, 46, arbeiten seit 1993 zusammen. Der rasante Aufstieg dieses Rotterdamer Büros in den 1990er-Jahren war sicher auch begünstigt durch die allgemein anerkannte Führungsrolle der niederländischen Architektur und ihres Lehrers und Vorbilds, des Architekten und Urbanisten Rem Koolhaas.

MVRDV

Die Arbeiten von MVRDV reichen von kleinen Häusern bis zu umfangreichen Stadtentwicklungsprojekten. Architekten, Designer, Stadt- und Freiraumplaner stellen sich bei MVRDV den komplexen Bauaufgaben des 21. Jahrhunderts, wobei immer der Humor und die Risikobereitschaft der Niederländer spürbar bleibt.

Populär wurden MVRDV mit ihrem WoZoCo-Haus in Amsterdam- Osdorp. Ein hoher schlanker Wohnriegel, der vor allem für ältere Leute gebaut wurde. Er verbraucht im eng bebauten Holland wenig Platz, dafür entstehen Gärten und Freiräume. Die Wohnräume wurden einfach an die Fassade gehängt – das Bild vom „Haus als Balkon“ wurde geboren. In Deutschland sind Nathalie de Vries, Winy Maas und Jacob van Rijs schlagartig durch ihren niederländischen Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover bekannt geworden: Dabei handelte es sich um ein Laborhaus mit Windrädern auf dem Dach und auf verschiedenen Ebenen gestapelten Landschaften und Nutzgärten, in denen auch Tomaten gezüchtet wurden.

Auch wenn es mit einer vernünftigen Nachnutzung des Pavillons nie geklappt hat und er mittlerweile die „schönste moderne Ruine Deutschlands“ ist – MVRDV gehören seitdem zu den Vordenkern einer nachhaltigen Architektur: „Radikale Methoden in der Recherche, besonders bei der Erforschung des urbanen dichten Zusammenlebens“ – so umschrieben sie einmal ihre Botschaft. Entsprechend viel haben sie geforscht und dicke Bücher produziert. Das bekannteste heißt „Excursions on Density: Farmax!“ (1997).

Von einem einheitlichen Stil kann man bei den Projekten von MVRDV nicht sprechen. Sie bauen schlicht und sachlich, wie bei ihrem an Container erinnernden Silodam an der Ij in Amsterdam (2003), aber auch ein komplexes und geheimnisvolles Raumwunder mit schiefen Ebenen und Rampen wie das Funkhaus VPRO in Hilversum (1997) oder die phantastische Xinjin Water City in China (seit 2007 im Bau). In den aktuellen Arbeiten von MVRDV findet man Hightech gekoppelt mit Nachhaltigkeit. Ein Beispiel hierzu ist der Shenzhen Guosen Office Tower in China (Wettbewerb 2010).

Natürlich haben MVRDV viele Auszeichnungen gewonnen (mehrfache Spitzenränge beim renommierten europäischen Miesvan- der Rohe-Preis); was ihnen noch fehlt, ist ein wichtiger Publikums- Award. Der Preis „A&W-Architekt des Jahres 2012“ wäre ein weiterer Beweis für die Talente aus Rotterdam.

Erfahren Sie im A&W Designerlexikon mehr über Rem Koolhaas

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Autor:
Dirk Meyhöfer
Fotograf:
Allard van der Hoek, MVRDV, Rob’t Hart