Architekturbüro Snøhetta

Das neue Opernhaus von Oslo, das im Jahr 2008 eröffnet wurde, ist programmatisch für den Stil des norwegischen Architurbüros Snøhetta.

An einer der schönsten Wasserlagen Europas ist kein – so wie heute üblich – architektonischer Leuchtturm entstanden, sondern eine anschmiegsame Schönheit, die sich sanft aus dem Hafenbecken erhebt. Tausende individuell geschnittene Marmorblöcke aus schneeweißem Carrara-Marmor und Granit formen mal sanft geneigte, mal steile, aber immer begehbare Dächer. Mittendrin ragt ein gläserner Kubus heraus wie ein Eisberg im Nordmeer. Das passt auch zum Namen des Büros: Snøhetta heißt Norwegens höchster Berg, das bedeutet übersetzt etwa Schneekoppe.

Das Büro wurde 1989 von dem heute 53-jährigen Norweger Kjetil Thorsen zusammen mit dem in Frankfurt am Main geborenen Amerikaner Craig Dykers, 50, gegründet. Schnell machen sich Snøhetta einen Namen als Querdenker zum allgemeinen Diskurs. Vielleicht weil „wir hier in der norwegischen Ruhe vieles andenken können, was anderswo schwierig ist“, vermutet Kjetil Thorsen. Vielleicht aber gibt es in Norwegen auch einfach andere Möglichkeiten. In Deutschland wären die begehbaren Dächer des Opernhauses wohl schon in der ersten Bauvorprüfung gestrichen worden.

Snøhetta haben einen ganz eigenen Stil entwickelt – das zeigt sich auch in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Kreativen anderer Professionen. Das bezieht sich nicht nur auf Ingenieure und Landschaftsplaner, sondern vor allem auf ihre Kooperationen mit Künstlern. Kjetil Thorsen ist mit dem isländischen Eventkünstler Olafur Eliasson befreundet und hat mit ihm zusammen 2007 den Pavillon für die Londoner Serpentine Gallery entworfen. Ihr erstes Projekt, das weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat, war die Bibliotheca Alexandrina, die sie 2002 nahe der Stätte der berühmten historischen Bibliothek in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria errichtet haben. Das allgemein hochgelobte Bauwerk war weit mehr als ein Ausrufezeichen, nicht nur, weil das bis dahin unbekannte Büro sensationellerweise den internationalen Wettbewerb unter 526 Teilnehmern gewonnen hatte.

Weitere Meilensteine der Norweger sind das Olympic Art Museum Lillehammer als offizieller Kunstbeitrag zu den XVII. Olympischen Winterspielen 1994 und die Norwegische Botschaft in Berlin mit einem mittig eingestellten haushohen Granitblock. Zum zehnjährigen Gedenken der Terroranschläge vom 11. September 2001 wurde gerade das WTC Cultural Center mit einem Besucherzentrum eröffnet. Diese und zahlreiche Projekte in den USA wie die James B. Hunt Jr. Bibliothek in Raleigh (North Carolina) haben Snøhetta weltweit Ansehen gebracht. Sie werden nominiert wegen ihres komplexen Denkens, das sie zu Pionieren einer situativen, also landschaftsorientierten Architektur gemacht hat.

Autor:
Dirk Meyhöfer
Fotograf:
Florian Bolk, Jens Passoth, John Offenbach, Snøhetta