Symbol des Aufbruchs Architektur-Ikone Vattenfall

Das "Vierscheibenhaus", das der Däne Arne Jacobsen in den 60er-Jahren für einen Energiekonzern in der Hamburger City Nord erbaute, ist längst eine Architektur-Ikone - und ein Zeitdokument aus der Ära, als Atomstrom im bürgerlichen Lager als sauber und sicher galt. Jetzt stellt der Super-GAU in Japan diese Energiegewinnung ins Abseits. Jacobsens Gebäude bleibt auch im fünften Jahrzehnt eine Ehrung wert.

Vattenfall

Alles begann mit dem deutschen Wirtschaftswunder. Die Verwaltungen der schnell wachsenden Großunternehmen drohten Ende der 50er-Jahre aus allen Nähten zu platzen und auch die Hamburger Innenstadt zu sprengen. Bis der Oberbaudirektor auf die rettende, zeittypisch schöne Idee kam - ein weites separates Areal nur für Firmensitze, verkehrsgünstig und richtig im Grünen, gleich hinter dem Stadtpark: die "City Nord". Vor 50 Jahren, im Januar 1961, startete das damals größte Bauvorhaben Europas. Arne Jacobsen in Kopenhagen war knapp 59 und längst ein berühmter Mann.

Die Hamburgischen Elektrizitäts-Werke HEW gehörten zu den Ersten, die sich an die Planung machten. Der vorgeschriebene Wettbewerb erbrachte ein Kuriosum: Es gab keinen Sieger, nur vier zweite Plätze. Der Entwurf von Arne Jacobsen und Otto Weitling setzte sich schließlich im Stechen gegen die deutschen Konkurrenten durch; er war unübersehbar inspiriert vom drei Jahre älteren Thyssen-Haus in Düsseldorf, bei dem Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg das. Volumen in drei schmale Scheiben aufgelöst hatten und damit eine leichte, elegante Wirkung erzielten. Allerdings im Hochformat mit fast 100 Metern Länge. Auf dem Bauplatz in der City Nord durfte wegen des nahen Flughafens nur gut 40 Meter hoch gebaut werden - also hielt Jacobsen die Scheiben flach. Und machte aus dreien vier.

Vattefall 2

Eleganz in schlichter Form: Die Auflösung in schmale Scheiben nimmt dem Gebäude das Voluminöse. Eine schnurgerade Pergola leitet Besucher zum Eingang.

Tiefgeschoss

Vitrinen führen Tageslicht ins Tiefgeschoss.

 

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Autor:
Heiner Scharfenorth
Fotograf:
Till Melchior