Architektur und Design Das St. Catherine’s College

In Oxford sollte der dänische Star-Architekt Arne Jacobsen vor fünfzig Jahren ein neues College entwerfen. Die Aufgabe war recht diffizil: Es sollten die traditionellen Strukturen bewahrt, die Architektur aber von Ballast und großen Gesten befreit werden. Jacobsen verband das scheinbar Unvereinbare mit Bravour.

Dass die Engländer im Ruf stehen, einen kleinen Spleen zu haben, oder, sagen wir mal, zumindest ein recht eigenwilliges Verhalten zu kultivieren, gehört zu den Vorurteilen, die die Bewohner der Insel gern eindrucksvoll bestätigen. Vor allem außerhalb der Weltmetropole London. In Oxford begegnet man zum Beispiel Menschen, die auf dem Gehweg scheinbar unmotiviert in einer langen geraden Reihe stehen. Mit sehr gehörigem Abstand. Das ist dann keine Performance. Sie warten nur auf den Bus. Auch wenn die Oxforder bei frühsommerlichen Hitzewellen um die 20 Grad ins Freie strömen, neigen sie zu Extremen. Die Angst vor einem spontanen Verdursten ist so groß, dass in den Supermärkten rund um die Grünanlagen schon gegen Mittag kein kühles Getränk mehr in den Regalen steht. Kein einziges. Und dass sie ihren fleißigen Studenten ein College bauen ließen, dessen Speisesaal wie das Mittelschiff einer gigantischen Kathedrale aussieht, gilt hier als völlig normal – und ist doch bemerkenswert.

Überhaupt, die Colleges. Auch sie sind etwas Eigentümliches, eine Spezialität des englischen Bildungssystems. Ein College ist so etwas wie ein Internat für Studenten, ein akademisches Dorf, eine Insel des Lernens. Die Studenten leben hier in kleinen Apartments, sie haben Aufenthaltsräume, Bibliotheken, Vortragssäle, eine Mensa und sogenannte „Fellows“, das sind Tutoren, die sie durch die Prüfungen begleiten.

 

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Ben Harries