Venedigs Palast für Schreibmaschinen Showroom für Olivetti

Architekt Carlo Scarpa hat 1957 für Olivetti einen Showroom auf dem Markusplatz gestaltet – sehenswert!

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Herzstück: die Treppe aus Marmor, Magnet für Architektur- und Kunstkenner.

Sparen war nicht Scarpas Sache. Nicht auf dem Markusplatz, schräg gegenüber der Basilika mit den funkelnden Mosaikböden und edelsteinverzierten Wänden und Säulen. Und schon gar nicht für seinen Auftraggeber, den legendären Fabrikanten Adriano Olivetti, der an Venedigs feinster Adresse, flankiert von Kunstwerken der Jahrhunderte, ein Schaufenster für seine Schreibmaschinen wünschte. 1957 war das eine Sensation – und Herausforderung für Italiens Künstler-Architekten Carlo Scarpa (1906–1978). Denn der Raum war unvorteilhaft, lang und schmal, 21 mal fünf Meter, zudem dunkel und hoch.

Eine Situation, die er mit einer Treppe meisterte. Er entwarf und platzierte sie wie eine große Skulptur und ließ sie aus makellosen Marmorblöcken herstellen, die Olivetti ein Vermögen kosteten. Scarpas Kommentar: „Für einen König kann man auch einen königlichen Palast gestalten.“ Materialverliebt wählte er für jegliches Rahmenwerk Bronze und Edelhölzer, ließ auf den Böden Glasmosaik verlegen, teilweise so fein abschattiert, dass es spiegelndes Wasser vorgaukelt. Fast 40 Jahre lang paradierten auf leichten, an Stahlstäben hängenden oder stehenden Palisanderborden Olivettis Schreib- und Rechenmaschinen. Dann zog in die Räume ein Souvenirladen ein.

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Tradition verpflichtet: Bronze, Mosaik, Edelholz – Materialien, von Scarpa modern eingesetzt.

Trotz zunehmendem Verfall mehrte sich der Ruhm des original erhaltenen Ladens – so lange bis der Eigentümer der Immobilie, die Assicurazioni Generali, ihn grundlegend restaurieren ließ. Seit Ende April ist das Kunstwerk zu besichtigen. Bis Oktober: jeweils 10–19 Uhr. November bis Januar: 10–17 Uhr. Montag ist Ruhetag.

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Autor:
Cecilia Fabiani