Die modernsten Konzepte im ökologischen Bauen Bau-Trend: Nachhaltigkeit

Der Trend in der Baubranche heißt Nachhaltigkeit. Kaum ein Architekt, Konzernlenker oder Bürgermeister bringt mehr ein Projekt ohne Öko-Konzept auf die Schiene.

Kann ein Parkhaus ökologisch korrekt sein? Oder sind „grüne Parkhäuser“ eine Absurdität wie Zigaretten mit Bio-Tabak: krebserregend, aber politisch korrekt? Wie auch immer: In Santa Monica, Kalifornien, steht seit letztem Jahr tatsächlich ein Parkhaus mit Öko-Siegel. Einerseits ist es ein Funktionsbau für die individuelle Motorisierung, also ökologisch fragwürdig. Andererseits stellt es neben 900 Pkw-Stellplätzen auch Ladestationen für Elektroautos und kostenlose Fahrradboxen zur Verfügung – ein Pluspunkt in der Öko-Bilanz. Die Energie für den täglichen Betrieb stammt aus Solarzellen, und das aufgefangene Regenwasser wird von Ölresten gereinigt, bevor es ins öffentliche Siel entlassen wird. Für all das wurde das Parkhaus nach dem amerikanischen LEED-System für nachhaltiges Bauen mit dem Gold-Standard zertifiziert: das weltweit erste Öko-Parkhaus. Mögen Graswurzel-Fundamentalisten angesichts solcher Beispiele auch aufschreien, das Civic Center Parking ist exemplarisch für die Architektur des beginnenden Jahrtausends: Es setzt auf Machbarkeit statt auf Utopien, zieht die kleine Einsparung heute der großen Lösung irgendwann vor und sieht dabei eher nach iPod als nach Wollstrumpf aus.

So ähnlich wie in Santa Monica versuchen es viele. Kaum ein Architekt, Konzernlenker oder Bürgermeister bringt mehr ein Projekt ohne Öko-Konzept auf die Schiene. Das Ziel: werthaltigere Immobilien zu schaffen und die eigenen Betriebskosten radikal zu senken. Die Flaggschiffe dieser Bewegung sind Bauten, die schon durch ihre Funktion dem Thema verpflichtet sind. So erreicht etwa Renzo Pianos Academy of Sciences in San Francisco, eröffnet 2008, durch ihr begrüntes Dach einen besonders hohen Grad an Nachhaltigkeit. Auf der 41 000 Quadratmeter großen Fläche sollen einmal 1,7 Millionen einheimische Pflanzen wachsen und die Räume darunter vor Hitze und Kälte schützen. Schon heute werden sie durch einen natürlichen Luftstrom klimatisiert, und bis zu zehn Prozent der Energie im Haus stammen aus Photovoltaik. Auch in Deutschland bestimmt die Ökologie längst Form und Funktion von Gebäuden mit. So wählten Sauerbruch Hutton Architekten für das Umweltbundesamt in Dessau eine besonders kompakte Form, minimierten so die Fassadenfläche und bestückten das Gebäude zusätzlich mit Öko-Hightech vom Luft-Erdwärme-Tauscher über eine Photovoltaikanlage bis zu thermischen Solarkollektoren.

 

Autor:
Christian Tröster