Entwicklung Bauen für eine bessere Welt

Architektur in Entwicklungsländern soll die Lebensqualität verbessern und ein Hoffnungssignal für die Zukunft sein. Diesen ethischen Auftrag nehmen immer mehr junge Architekten ernst. Sie bauen in Ruanda, Bangladesch und Südafrika Schulen, Häuser, Museen, die auch Identität stiften.

Berufsbildungszentrum in Nyanza

Berufsbildungszentrum in Nyanza

Lokale Ressourcen und die Reduktion auf das Nötigste geben dem Bau-Ensemble den Charakter.

Wie kommt ein junger Architekt dazu, in einem der ärmsten Länder Afrikas zu bauen? Ein Verein aus Ruanda, bis nach Deutschland vernetzt, hatte Dominikus Stark um die Planung eines Berufsbildungszentrums gebeten. Als der Münchner das Grundstück im Land der tausend Hügel 2004 erstmals sah, ahnte er nicht, auf welches Abenteuer er sich einließ. „Entwicklungshilfe interessierte mich weniger. Es ging mir darum, mit den vorhandenen Möglichkeiten etwas Gutes zu bauen“, erzählt Stark im Rückblick.

Lange Ziegelmauern grenzen das Education Center zur Straße ab und breiten ihr durchgängiges Muster wie ein abstraktes Bild auf einer großen Leinwand aus. Im Inneren des quadratisch angeordneten Areals am Stadtrand von Nyanza, etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali, öffnen sich die einzelnen Gebäude mit Stützenreihen auf einen zentralen Platz. Türen aus Flechtwerk lassen den Wind durch den Speisesaal, die Bibliothek und die Kursräume streichen, in denen junge Ruander zu IT-Fachleuten ausgebildet werden. Stark hat die Architektur seines Afrika-Projekts auf das Notwendigste reduziert. Er hat sich auf die Bedingungen eingelassen und mit begrenzten Mitteln eine überzeugende Ästhetik entwickelt – archaisch, geradlinig und auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet.

Berufsbildungszentrum in Nyanza

Die roten Ziegelsteine sind handgefertigt und wurden in einer lokalen Kooperative gebrannt.

Lokale Materialien und Handwerkstraditionen geben dem Gebäude einen ausdrucksstarken Charakter. Handgemachte Lehmquader wurden in einer Kooperative der Umgebung zu Ziegelsteinen gebrannt, das Flechtwerk der Türen und die Papyrusdecken der Innenräume von Familien aus der Region gefertigt. Waren die Bewohner von Nyanza anfangs skeptisch, so kam schon während der Bauzeit breite Akzeptanz für das Projekt auf, das nicht nur Raum für Bildung schafft, sondern auch Identität stiftet. Mit wenig Budget und in viel Handarbeit entstand ein Gebäude, das seinen sozialen Auftrag mit einem stolzen ästhetischen Anspruch verbindet.

Autor:
Sandra Hofmeister
Fotograf:
David Southwood, Dominikus Stark Architekten GmbH, Rob Duker