Architektur Biennale Venedig 2012 Common Ground

David Chipperfield, Kurator der Architektur Biennale Venedig, konzentriert sich mal nicht auf Stars oder ikonische Bauten. Sein Konzept will zeigen, dass Baukunst eine kollektive Aufgabe aller Gesellschaften ist.

An Werktagen tummeln sich rund um die Hongkong and Shanghai Bank emsige Geschäftsleute, die in die Büroetagen des glitzernden Hochhauses strömen. Sonntags jedoch ergibt sich ein anderes Bild: Dann verwandelt sich der Bankenturm aus Glas und Stahl zum Treffpunkt philippinischer Gastarbeiterinnen. Zu Hunderten versammeln sie sich im schattigen Durchgang unter dem Finanzgebäude. Sie spielen Karten, breiten ihre Picknickdecken aus und feiern Feste – als ob der Ort genau zu diesem Zweck geschaffen worden wäre.

Norman Fosters Beitrag zur Architektur-Biennale dokumentiert diese unerwartete Nutzung des Gebäudes, das Foster Associates in den 1980er-Jahren in Hongkong errichteten, und bezieht sich so wortwörtlich auf das Thema der diesjährigen internationalen Ausstellung in Venedig. „Common Ground“ bezeichnet den gemeinsamen Grund und Boden einer Architektur, die von unterschiedlichen Menschen genutzt und vereinnahmt wird. Ebendiesen Bezug zum Leben, die Gemeinsamkeiten und die gesellschaftliche Bedeutung von Architektur macht David Chipperfield als Direktor und Kurator der Biennale zum Leitthema der Hauptausstellung. „Viele Menschen begreifen Architektur derzeit als etwas, das ihnen zustößt“, kritisiert der britische Architekt in gewohnter Zurückhaltung. In seinen Augen gibt es deutlichen Nachholbedarf, die Baukunst endlich wieder zu einer gemeinsamen Sache zu machen, die nicht nur Architekten, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft und als kollektive Aufgabe verstanden wird. „Don’t promote yourself, but open yourself!“, riet Chipperfield den 65 Teilnehmern, die er nach Venedig einlud, um im Arsenale, im Hauptpavillon in den Giardini und über die Stadt verteilt auszustellen. Viele verschiedene Positionen und Generationen kommen zusammen – und viele Interpretationen dessen, was den „Common Ground“ der Architektur ausmacht.