Unreal Realities Das Büro Bloomimages

In einem Büro am Hamburger Schlachthof entsteht die Zukunft. Jedenfalls die ersten Bilder davon. Das Büro Bloomimages visualisiert für nahezu alle großen internationalen Architekten deren Entwürfe in ihrer tatsächlichen Umgebung. In einem frühen Projektstadium so realistisch, als stünden sie schon da.

Wer weiß, ob die Hamburger Bürger und interessierten Touristen je in den Genuss kommen werden, die Elbphilharmonie in Vollendung bewundern zu können. Schön wäre es. Dass einem das halb fertige, wegen unendlicher juristischer Scharmützel zwischen Stadt, Baufirma und dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron ins Stocken geratene Prestige-Objekt an der Kehrwiederspitze im Hafen lange vor seiner Fertigstellung sehr vertraut erscheint, ist zwei jungen Hamburger Architekten zu verdanken: Christian Zöllner und André Feldewert vom Büro Bloomimages haben sich auf die Visualisierung des (noch) nicht Existierenden spezialisiert. Sie zeigen ungebaute Bauwerke, so realistisch, als stünden sie bereits an Ort und Stelle.

„Drei Wochen vor der Pressekonferenz zum Startschuss der Elbphilharmonie“, erinnert sich der 33-jährige Christian Zöllner, „kam der Anruf aus dem Büro Herzog & de Meuron. Der Auftrag: zehn Bilder von der fertigen Elbphilharmonie.“ Die Architekten steckten noch mitten im Entwurfsprozess, ständig wurden maßgebliche Elemente, Formen, Materialien geändert. Und trotzdem sollte ein möglichst realistisches Bild des neuen Wahrzeichens der Hansestadt entstehen, an dem der tatsächliche Bau sich auch würde messen lassen können. Was die beiden gemeinsam mit ihrem zirka 20-köpfigen Team („das schwankt von Auftragslage zu Auftragslage“, entschuldigt der gleichaltrige André Feldewert die unpräzise Angabe) und sehr vielen Gigabyte Rechnerleistung zustande gebracht haben, hat sich bei Hansestädtern und Architekturexperten tief in der Vorstellung vom Stadtbild eingebrannt.

Es ist nicht das einzige Projekt, für das Bloomimages vom Büro Herzog & de Meuron beauftragt wurde. Auch einen 56-stöckigen Wohnturm in Manhattan (A&W 3/09) illustrierten sie fotorealistisch lange vor Baubeginn inmitten seiner neuen Nachbarschaft. „Wir haben für die ersten Renderings einen Blickwinkel gewählt, der das Gebäude kleiner erscheinen ließ“, erzählt Christian Zöllner. „In der ersten Runde muss man aus politischen Gründen oft dafür sorgen, dass neue Projekte nicht zu dominant erscheinen.“ „In der zweiten Runde zählen dann eher Marketinggesichtspunkte“, ergänzt André Feldewert. „Dann sollen die Bauwerke möglichst charismatisch dargestellt werden.“ Das klingt ein bisschen nach Inszenierung, nach Manipulation. „Ja“, geben beide unumwunden zu, „unsere Arbeit ist der von Set-Designern verwandt, wir schaffen eine Bühne für die Architektur. Und ja, sie ist auch manipulativ. Wir suchen die besten Blickwinkel, Brennweiten – wie ein Fotograf.

Schlagworte:
Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Giovanni Castell