Friedrichs Glanz und Gloria Das Fürstenquartier im Neuen Palais

Alle Welt soll den Preußenkönig bewundern. Deshalb hat er Krieg gegen halb Europa geführt – und gesiegt. Doch in der Brust des Monarchen schlägt ein Künstlerherz, und das will mit einem Bauwerk glänzen. Zu Friedrichs 300. Geburtstag setzten Historiker und Restauratoren das Untere Fürstenquartier im Neuen Palais instand, die Luxusherberge, in der der König seine Gäste logierte.

Einen Tag dauert es, um aus Goldfäden 15 Zentimeter der Litzen für das Tressenzimmer zu rekonstruieren. Ein knappes Jahr ist nötig, um hundert Quadratmeter Steinintarsien des Fußbodens im Marmorsaal zu dublieren, mit neuem Unterbau zu versehen und zu reinigen. Fünf Jahre braucht das Puzzlewerk aus Kreidegrund, Goldbolus und Lack, bis die Wände im Ovalen Kabinett wieder so aussehen, wie Friedrich sie sah: als eine Gartenlaube aus Palmgestänge und Blüten. Das Neue Palais putzt sich – mit Millionen gefördert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und dem World Monuments Fund – seit Langem zum 300. Geburtstag seines Erbauers heraus. Es ist das große Friedrich-Jahr. Es wird uns, so sagen die Veranstalter der großen Ausstellung „Friederisko“ in dem preußischen Vorzeigeschloss, ein neues und revolutionäres Bild des Monarchen zeigen.

Jeder von uns weiß irgendetwas über den Alten Fritz. Wir schaudern über die brutale Geschichte seiner Jugend; auf Befehl des Vaters wird der Freund vor Friedrichs Augen enthauptet. Wir bewundern den Ehrgeiz, Voltaire einen Freund nennen zu wollen, und vermeiden, ein Urteil über die räuberische Aneignung Schlesiens zu fällen. Schließlich machte das Preußen und damit später Deutschland groß. Wir applaudieren dem Landesvater, der seine Bauern zwingt, Kartoffeln zu pflanzen, dem Verteidiger der Religionsfreiheit, hören dem Flötenspieler zu, der täglich, sogar im Feld, mindestens eine Stunde übt, staunen über den Vielleser, den Vielschreiber, den Weiberfeind und Windhundfreund, den Mäzen und Kunstsammler, dem kein Geld zu schade war, um seine Galerie zu füllen: „(…) habe fast 100 Gemälde zusammengebracht (…) brauche noch fünfzig Bilder“, schreibt er 1755 seiner Lieblingsschwester Wilhelmine, Markgräfin in Bayreuth.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Kai-Uwe Gundlach