Daniel Libeskind Das Militärhistorische Museum in Dresden

Der Amerikanische Architekt Daniel Libeskind hat den Dresdnern ein neues Militärmuseum gebaut. Wie es seine Art ist: Mit schiefen Ebenen und kippenden Wänden stellt er Gewissheiten infrage und regt zu bewusster Betrachtung an.

Auf die Spitze getrieben

Stauffenbergstraße, Ecke Olbrichtplatz: Hier, ganz im Norden Dresdens, steht das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) mit allem, was dazu gehört: Panzern, Starfightern und Zinnsoldaten. Nach einer fünfjährigen Umbauphase ist das historische Arsenalgebäude im Oktober eingeweiht worden. Davor entsprach das Museum weder architektonisch noch ausstellungsdidaktisch heutigen Standards. Der Bund investierte 58 Millionen Euro in die Erweiterung und Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, des ersten Militärmuseums im vereinigten Deutschland.

Den militärisch strengen Altbaukörper hat der amerikanische Museumsspezialist Daniel Libeskind neu gestaltet. Für den spätklassizistischen Altbau hat der Stararchitekt einen vierstöckigen, asymmetrischen Keil aus Stahl und Glas entworfen: ein gläsernes V, 140 Tonnen schwer, mit geschossübergreifenden Innenräumen, das den Altbau rammt, ihn von oben bis unten durchdringt und bis zu sieben Meter überragt. Ein Drittel der alten Bausubstanz wurde abgetragen. Die Triumphgeste des deutschen Kaiserreichs hat Libeskind mit seinem kompromisslosen Stil durchbrochen.

Für den in New York lebenden Libeskind ist das Gebäude „ein bedeutendes militärisches Symbol“. Es diente zunächst der Königlich Sächsischen Armee als Waffendepot. Unter den Nationalsozialisten und Kommunisten in der DDR wurde es als Museum genutzt. „Deutschland ist ein modernes demokratisches Land“, sagt Libeskind, „die Deutschen müssen ihre Geschichte annehmen und das Museum als etwas Positives verstehen!“ „Kühn“ hatte der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck das Projekt genannt, das er 2003 in Auftrag gab.

Das MHM wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Mittelpunkt der Dresdner Albertstadt errichtet, einer der größten noch erhaltenen Militärstädte Europas. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr das Museum und beauftragte Daniel Libeskind mit der Neugestaltung. Nicht zufällig, denn 2002 wurde vom Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille in Manchester sein erstes, international viel beachtetes Militärmuseum eröffnet: das „Imperial War Museum North“. Dort hatte der heute 65-Jährige einen ungewöhnlichen und zugleich symbolischen Gebäudekörper entworfen: eine zer bors - te ne Erdkugel, aus deren Scherben er drei riesige Einzelteile auswählte und neu verzahnt zusammenfügte. Als Anspielung auf die Kriege zur See, zu Land und in der Luft. Innerhalb des Museums schuf Libeskind ganze zwei labyrinthische, bunkerähnliche Räume. Den britischen Ausstellungsmachern ging es darum, die Besucher mit einem optisch-klanglichen Sperrfeuer aus Tönen, Bildern und Geräuschen zu konfrontieren, sozusagen multimedial am Schrecken des Kriegs teilhaben zu lassen. Und das mithilfe einer 360 Grad umfassenden audiovisuellen Filmprojektion: The Big Picture Show.

Ganz anders musste Libeskind für das MHM in Dresden planen und gestalten. Dort stehen auf 20000 Quadratmeter Ausstellungsfläche Analyse und Einordnung geschichtlicher Ereignisse im Zentrum. Von den rund eine Million Exponaten im Museumsdepot werden 9000 zu sehen sein. Zusammen mit 180 großformatigen Vitrinen soll das Museum vor allem zu einem Ort des Lernens werden.

 

Seite 1 : Das Militärhistorische Museum in Dresden
Autor:
Michael Marek
Fotograf:
Wolfgang Zlodej