USM-Mentorpreis für Architektur by A&W Der stille Star: Anouk Vogel

Das Rotterdamer Büro MVRDV, „A&W-Architekt des Jahres 2012“, hat die Landschaftsarchitektin Anouk Vogel für den „USM-Mentorpreis für Architektur by A&W“ nominiert. Die gebürtige Genferin entwirft in ihrem Amsterdamer Büro poetische und dabei grafisch klar gegliederte Gartenlandschaften. Gern mit einer kleinen rebellischen Note.
Mirror Tree

Anouk Vogel und Bo

Anouk Vogel und Bo

Mit ihrem achtjährigen Windhund gönnt sich die Amsterdamer Landschaftsarchitektin eine Kaffee- und Lesepause im Viertel Jordaan. Besonders oft kommt das nicht vor. Meist jettet sie für ihre Projekte quer durch Europa.

Mit Anouk Vogel zu sprechen erfordert höchste Konzentration beim Zuhören. Knapp oberhalb der Flüstergrenze entweichen die Worte ihrem Mund, oft scheinen sie nicht sicher zu sein, ob sie es wirklich wagen sollen, sich auf den Weg zum Ohr des Zuhörers zu machen. Nachdenklich, fast zaghaft formuliert die 34-jährige Niederländerin, was sie zu sagen hat. Und das ist einiges. Zum Beispiel über ihre Stationen bei Branchengrößen wie West 8, Petra Blaisse und dem Amsterdamer Büro B+B. Vor der Gründung ihres eigenen Studios 2007. „Was heißt eigenes Studio?“, lächelt Anouk Vogel. „Zuerst habe ich von zu Hause aus gearbeitet.“

Sie erzählt von dem Jahr 2009, als ihre Karriere als Landschaftsarchitektin so richtig Fahrt aufnahm. Sie hatte an drei Wettbewerben teilgenommen, einem für ein Gartenfestival in Lausanne, einem für ein Festival in Chaumont-sur-Loire und einem für das Gartenfestival „Bilbao Jardin“. Sie hatte alle drei gewonnen. Das war natürlich eine Mammutaufgabe, da war außer einem richtigen Büro eine Menge Phantasie und vor allem auch Organisationstalent gefragt. „Die Events lagen ja kurz hintereinander.“ In Lausanne konnte sie sich einen Platz aussuchen entlang der Metrolinie, die den See mit den Bergen verbindet. Anouk Vogel, die nicht weit von hier 1977 in Genf geboren wurde und die trotz ihrer Jugend in Columbus/Ohio und ihrem Studium an der Metropolitan University of Manchester immer noch einen leichten französischen Akzent hat, wählte den Platz vor der Burg mitten in der Stadt. Sie ist ein hermetischer Monolith, unzugänglich für die Öffentlichkeit, weitgehend genutzt als Bürohaus von der Stadtverwaltung. Anouk Vogel war geschockt beim Anblick dieses über Jahrhunderte gewachsenen Platzes – missbraucht als temporäre Stellfläche für lauffaule Kunden, die ihr Auto so nah wie möglich an den Geschäftsstraßen der Innenstadt parken wollten.

Table Garden

Table Garden

In das Atrium eines Bürohauses setzte sie einen Tisch, der unterschiedliche Blumentöpfe verbindet und den Mitarbeitern Ausblick auf eine interessante Vegetation ermöglicht.

Aber nicht mit Fräulein Vogel! So sanft sie redet, so sehr ist in vielen ihrer Arbeiten eine leicht rebellische Ader zu erkennen. Inspiriert von den vierblättrigen Blütenmustern, die im Inneren der Burg überall auftauchen, schuf sie 21 ebenso geformte Beete, die sie aus jeweils acht biegsamen Latten bauen ließ. Mit Geranien bepflanzt, verteilte sie die Beete über den gesamten Platz, sodass kein Auto mehr dort parken konnte. „Ich wollte den Bürgern ihren Platz zurückgeben“, erklärt sie mit betont unschuldigem Augenaufschlag. „Wenigstens für einen Sommer.“ Die Ladenbesitzer schäumten, sie befürchteten, was Ladenbesitzer immer befürchten – massive Umsatzeinbußen. So schlimm können die allerdings nicht gewesen sein. Als am Ende des Sommers die Beete wieder abgebaut werden sollten, waren die selben Ladenbesitzer Teil einer Initiative, die sich vehement dafür einsetzte, dass der Platz blumig und autofrei bliebe. Vorerst allerdings vergeblich.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Jan Kopetzky