Die Initiative Living Architecture Ferienhäuser von Stararchitekten

Zu einem Studentenheimtarif kann jeder Ferienhäuser internationaler Stararchitekten mieten. Der englische Philosoph Alain de Botton will seinen Zeitgenossen mit der Initiative Geschmack beim Wohnen anerziehen.

Balancing Barn

Shingle House

Shingle House von NORD Architecture am Strand von Dungeness bietet acht Personen Betten.

Vier Jahre ist es her, seit der englische Philosoph und Essayist Alain de Botton den Bestseller „Glück und Architektur“ veröffentlichte. Ein Traktat darüber, was die Räume, in denen wir leben, über uns verraten, wie Baukunst unser Wohlbefinden stimuliert und wie rar solche Glücksmomente sind. Es ist ein Aufruf zur Besserung.

Doch weil „Bücher schreiben und Reden nichts ändern“, hat der Philosoph mit „Living Architecture“ einen Verein ins Leben gerufen, der die Probe aufs Exempel macht: Avantgarde-Baumeister errichten ungewöhnliche Ferienhäuser. In ihnen kann jedermann auf Zeit testen, wie ein Haus das Befinden ändert. Seit Oktober sind die ersten Gebäude von dem holländischen Büro MVRDV, der britischen NORD Architecture und dem Norweger Hakon Vigsnaes online zu mieten. Tarif: 625 bis 760 Pfund ab vier Tage. Das macht bei sieben bis neun Betten pro Haus einen Tagespreis von 20 bis 23 Euro pro Person. Die Preise decken die Kosten, erzielen keinen Gewinn. 2011 werden jeweils ein Haus von dem Schweizer Peter Zumthor und von Hopkins Architects folgen.

Shingle House2

Holz und Beton sind die simplen Materialien für den Innenausbau.

Das spektakuläre Aushängeschild des Bau-Vereins ist die von MVRDV gebaute „Balancing Barn“: ein verspiegelter, 30 Meter langer Gebäuderiegel, der auf einem Grundstück an der See in Suffolk zur Hälfte über einem Abhang schwebt. Zu allen Seiten, auch im Boden des Wohnzimmers, sind Fenster eingebaut, die den Blick auf die Natur freigeben. Der schwebende Teil des Gebäudes beginnt zu schwingen, sobald sich Menschen darin bewegen. „Das kitzelt im Bauch“, sagt der Architekt Winy Maas, „und bringt Leichtigkeit in die Realität.“ Ist das das Glück, das Alain de Botton beim Wohnen sucht? Wir trafen ihn in London und fragten nach.

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Autor:
Dorothea Sundergeld