Landmarks

Moderne Follies: Architekten haben die Natur entdeckt und verschönern sie nach den Regeln historischer Gartenkunst – mit Miniatur-Architekturen, inszenierten Spazierwegen und Aussichtsposten.

Moses Bridge von RO&AD Architekten

Künstleratelier von Todd Saunders

Fogo Island liegt vor Neufundland. Todd Saunders entwarf dort sechs Künstlerateliers, jedes ist selbst Skulptur, 2011.

Darf man Naturschönheit beeinträchtigen? Etwas in scheinbar wilde und unberührte Landschaft bauen? Die Frage führt zu einem ewigen Missverständnis. Wer immer etwas in Dünen, an Küsten, auf Berghöhen oder an Fjorde setzt, macht das Objekt zum Teil der Landschaft. Denn sie ist nicht etwas vom Menschen Unberührtes, sondern die Summe des Gebauten und Nichtgebauten. Auch wenn wir kein tiefes Verständnis für das Wesen einer Landschaft entwickeln, so spüren wir viel vom Reiz gelungener Interventionen.  

Wenn es einen Trend zu beobachten gibt, dann die Abkehr vom romantisierenden Blick auf die Landschaft bei gleichzeitiger emotionaler Betroffenheit. Anders lässt sich zum Beispiel der Erfolg des norwegischen „Landschaftsrouten“-Programms (A&W 3/11) nicht verstehen, das sowohl künstlerisch gestaltete Zweckbauten wie Toiletten als auch gewagte Aussichtspunkte an den schönsten Straßen errichtet. Die Architektur inszeniert ausgewählte Orte, verändert die Landschaft und überrascht den Reisenden. Sie fügt der natürlichen Attraktivität des Gebirges oder der Meeresküste ein Glanzlicht hinzu. Das ist nicht neu.