Kultbauten im Ausverkauf Moderne Architektur zu Dumpingpreisen

Ein Haus von Frank Lloyd Wright gefällig? Von John Lautner oder Craig Ellwood? Seit der Krise suchen in Kalifornien Dutzende Baudenkmäler der Moderne neue Besitzer – zu Dumpingpreisen.

Schaeffer Residence

Schaeffer Residence

Die luftige Schaeffer Residence platzierte John Lautner 1949 mitten in einen Eichenwald bei Glendale.

Ein Kultbau reiht sich an den anderen im Portfolio „The Value of Architecture“ des Maklers Brian Linder. Der Preisverfall amerikanischer Immobilien seit dem Finanzcrash im September 2009 trifft derzeit besonders in Kalifornien Dutzende Bauwerke namhafter Architekten. „Die Zeiten, in denen Käufer astronomische Summen für Architekturikonen hinblätterten, sind vorbei“, sagt er. Eines der bedeutendsten Objekte ist das „Ennis House“. Wie die Festung eines Maya-Königs thront es auf einem Hügel in Los Feliz bei Los Angeles. Frank Lloyd Wright konstruierte den Monumentalbau 1924 für den Herrenausstatter Charles Ennis und seine Frau Mabel. Es ist das imposanteste Exemplar von vier sogenannten „textile block houses“, die er aus Betonquadern mit grafischen Reliefs errichtete. Wright verstand es, den schroffen Stein als Dekorationselement einzusetzen.

Er stapelte ihn zu Säulen, rahmte die in Blei gefassten Fenster der Loggia, den Pool und den mächtigen Kamin. Den herrschaftlichen Charakter des Hauses betonte er mit Holzdecken und Marmortreppen – eine düster-exotische Szenerie, ideal für den Science-Fiction „Blade Runner“, der hier 1981 gedreht wurde. Als bei einem schweren Erdbeben 1994 Teile der Südfassade abbröckelten, überwachte Eric Lloyd Wright, Mitbegründer der Ennis-House- Stiftung und Enkel des Baumeisters, die Restaurierung. Dennoch entschied die Stiftung 2009 das mittlerweile denkmalgeschützte Anwesen über den Makler Hilton & Hyland und Christie’s Great Estates für 15 Millionen Dollar zu verkaufen. Die Nonprofit- Organisation konnte die Instandhaltungskosten nicht mehr tragen.

Seite 1 : Moderne Architektur zu Dumpingpreisen
Autor:
Camilla Péus