Sprungschanzen, Seilbahnstationen und Aussichtsstürme in den Alpen Neue Architektur auf den Alpen

Jodel-Look Ade. Sprungschanzen, Seilbahnstationen und Aussichtsstürme in den Alpen erinnern nicht mehr an Heidi, sondern an Schlangen und Vögel, einen Spaceshuttle oder gar ein Fernrohr: Alpenromantik mit den Techniken und der Formensprache des 21. Jahrhunderts.

Bergfans, die bei strahlendem Sonnenschein zur Spitze des Karwendels hinaufblinzeln, werden ihren Augen kaum trauen. Neben der Seilbahnstation in 2244 Meter Höhe schiebt ein riesiges Teleskop seine Megalinse über den Abgrund. Ist das Kunst? Nein, nein! Es ist eins der spektakulären neuen Architektur-Highlights im Dienste des Bergtourismus, die sich anschicken, den niedlichen Hütten-Charme mit Schrägdach und geschnitzten Läden von den Gipfeln zu verjagen.

Das 17 Meter lange Unikum auf dem Karwendel, das, bis auf die Glasfront, ganz mit Lärchenbrettern verkleidet ist und auf einem zart bemessenen Treppenturm von gut drei Meter Durchmesser ruht, ist Naturschutzhütte, Berginformationszentrum und Ausguck zugleich. Der Partenkirchener Architekt Eberhard Steinert brachte seine Idee einer teleskopartigen Röhre spontan zu Papier. „Bei ihm ist’s halt explodiert“, kommentiert sein Kollege, der Ingenieur Wolfgang Schwind, „in Sekunden hat er das Haus entworfen. Bei mir war es nachhaltiger, mein Büro musste dann jedes Eisen einzeln rechnen.“ Die Ausführung 2007 wurde zum Hochseilakt. Der Transport des Betons erfolgte durch die Bergbahn, größere Teile wurden mit dem Hubschrauber hinaufgehievt. Ingenieure und Handwerker wurden zu Artisten.

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Autor:
Dirk Meyhöfer
Fotograf:
Franz Rindlisbacher, Pino Musi, Rudolf Pohmann, Stefan Dauth, Stefan Müller-Naumann, TVB, Valentin Jeck