Spektakuläre Bauten Neue Architektur in Barcelonas Viertel Poblenou

Barcelona erfindet sich immer wieder neu. In dem heruntergekommenen Viertel Poblenou (Neues Dorf) durften Stararchitekten spektakuläre Bauten realisieren. Jetzt beleben Universitäten, Museen und Luxushotels das ehemalige Industrieviertel.

Marcelino Sierra hat einen neuen Job an der Universität Pompeu Fabra bekommen. Er bewacht jetzt den Eingang der modernsten Fakultät in Barcelonas aufstrebendem Neubauviertel Poblenou. Und er ist mächtig stolz, für eine Einrichtung arbeiten zu dürfen, deren Name wie eine Verheißung klingt: „Networking Technology and Strategies Research Group“. Solch ein Gebäude muss natürlich mit Argusaugen kontrolliert werden. Er weiß sehr wohl, dass die Technikstudenten, die hier ein und aus gehen, keine Fotoausrüstung mit sich führen. Andererseits will er der deutschen Presse auch nicht im Weg stehen, wenn sie über Barcelonas neueste Hightech-Fakultät berichten will. Das gefällt Marcelino und er gibt den Weg frei in das Foyer mit der stützenlosen, filigranen Wendeltreppe.

Allerdings nicht, ohne eine kleine Einführung zu geben über das neue Stadtviertel nördlich der Innenstadt zwischen Avenida Diagonal und dem Meer. Wie schnell dieses Viertel Poblenou, trotz anhaltender Krise, für viele zum Eldorado geworden ist. Allerdings, schränkt er sogleich ein, konnten zumeist Kollegen aus der Sicherheitsbranche davon profitieren. „Die zahlreichen Kommunikationseinrichtungen, Technologiefirmen und Hotels brauchen alle Wachdienste.“

Marcelino Sierra deutet auf das Media-TIC, ein neungeschossiges Kommunikations- und Technologiezentrum, auf das in den letzten Monaten die Scheinwerfer der Medien gerichtet waren. Der alte, ausrangierte Industriestandort Poblenou brauchte ein spektakuläres Image, das ihn als neuen Standort für Zukunftstechnologien international salonfähig machen würde. Unter dem trendigen Namen „22@Barcelona“ wollte man Poblenou neu erfinden, und das Media-TIC erwies sich als treffendes architektonisches Aushängeschild: Es zieht unweigerlich die Blicke auf sich und hat das Zeug, zum Zentrum des neuen Architektur-Mekkas zu werden.

Der Architekt Enric Ruiz-Geli vom Avantgarde-Büro Cloud 9 gilt als begnadeter Experimentator für Innenräume, die er monochromen Farborgien aussetzt, und für energieeffiziente Fassadenkonstruktionen. Das nach außen sichtbare Stahlskelett erinnert noch an die robusten Industriekonstruktionen aus alten Tagen. Doch die silbrig schimmernde Plastikhaut, die in Teilen übers Tragwerk gespannt ist und das Sonnenlicht absorbiert, setzt ganz auf visionäre Bildhaftigkeit. Weil das Media- TIC gekonnt das Industrie-Ambiente heraufbeschwört, ohne dabei den Hightech-Anspruch zu kaschieren, wurde es das Aushängeschild des florierenden Medienstandortes.

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Autor:
Klaus Englert
Fotograf:
Kai-Uwe Gundlach