Biennale Architettura 2012 Venedig im Herbst

Der englische Architekt David Chipperfield, Leiter der 13.ten Internationalen Architekturbiennale Venedig, wählte das Thema "Common Ground" und suchte dabei nach gemeinsamen Werten und Sprachen, um den Dialog zwischen unterschiedlichen Ansichten zu fördern. Interessant ist festzustellen das die meisten eingeladenen Architekten – plus ein paar Fotografen, Künstler- und Designer - in der Tat, Geschichte und Formen analysieren, wobei sich einige auf öffentliche Bauten konzentrieren, und somit das Thema eher wortwörtlich auffassen.

Die Hauptausstellung von Chipperfield ist in dem langgestreckten Bau des Arsenale zu sehen. Man wandert in dem fensterlosen dunklen Corderie, wo einst Seile hergestellt wurden, und es entstehen spontan Fragen im Kopf: Sind Star-Architekten noch notwendig? Hat heute das Copyright noch Sinn? Gibt es wirklich Architekturen, die frei an Einflüsse sind?

Kopien entstehen meistens in China - auch wenn es um Architektur geht. Man wird durch mehrere Projekte aufgefordert eine Art eigenen Architektur-Baukasten herzustellen, der aus bekannten Elementen besteht.  Sogar die Pritzker gekrönte Zaha Hadid zeigt anhand von Modellen, woher ihre Formen stammen. Peter Zumthor erklärt in einem Video von Wim Wenders sein Vorgehen und den Dialog mit dem Kontext. Der Preis für den interessantestes Beitrag ging umstrittenerweise an Urban-Think Tank (Alfredo Brillembourg, Hubert Klumpner und Justin McGuirk) die mit Torre David / Gran Horizonte, 2012 die spontane Verwendung eines 45 Meter hohen unvollendeten Turms zeigen. In den Giardini, im zentralen Bau, befindet sich der zweite Teil der Chipperfield Ausstellung.

Doch die wahre Überraschung in den Giardini bilden die Landesbeiträge, die zwar zu dem Thema Stellung nehmen, jedoch unabhängig und frei davon entstehen. Der Preis ging in diesem Fall an Japan mit Architecture possible here? Home-for-All, der Entwurf eines Hauses, für das 2011 vom Tsunami betroffene Gebiet. Es entstand in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und ist ein anonymer Gruppenentwurf von Bürgern und Architekten, welche die Katastrophe überlebt haben. Koordiniert wurde das Projekt von Toyo Ito. Sehenswert sind auch die Beiträge von Deutschland, Frankreich, Russland, Holland, Israel, Österreich und den Skandinavischen Ländern. Das Niveau ist im Durchschnitt sehr hoch. Die Interpretationen spiegeln die Auffassung und den Charakter des jeweiligen Landes.

Die Holländer, Querdenker, mit einem Beitrag von Petra Blaisse und Ole Bouman, gestalten den Raum mit einem Gleis und Vorhänge-System, der neue Raumaufteilungen und Situationen bietet, ohne etwas Konkretes auszustellen. Der deutsche Beitrag ist dagegen sehr ernst: Reduce Reuse Recycle, meint Muck Petzet. Er wählte 16 Projekte, die beispielhaft für Umbaustrategien und den Umgang mit bestehender Bausubstanz sind. Dargestellt werden sie durch Bilder der Fotografin Erica Overmeer und dank des Ausstellungsdesigns von Konstantin Grcic: Man läuft im Deutschen Pavillion auf Hochwasser-Stegen der Stadt und sitzt im Außenraum auf den Parkbänken Venedigs.