Kirche mit Durchblick

Ist, was wir sehen, auch immer real? Das junge belgische Architektenduo Gijs Van Vaerenbergh, das stets listig mit den Sehgewohnheiten spielt, hat eine Kirche geschaffen – und zwar fast so, wie der Architekt in Christian Morgensterns beliebtem Gedicht vom Lattenzaun, der ein ganzes Haus nur aus Zwischenraum baut.

Kirche Vaerenbergh

Ihr zehn Meter hohes Werk in Haspengouw, das in seiner Kontur den (immer seltener werdenden) dörflichen Kirchen der Gegend ähnelt, besteht aus Stahlsäulen und mit viel Abstand aufgeschichteten Stahlplatten, die so raffiniert montiert sind, dass der Betrachter ein ständiges Wechselbad von Eindrücken erlebt: Je nach Perspektive wirken die Wände mal massiv, mal halb durchsichtig, mal scheinen sie sich ganz aufzulösen. Von drinnen gewahrt der Besucher durch die horizontalen Zwischenräume die Aussicht in Streifen – was dem Bau, der zu einem Fünfjahresprojekt für Kunstinstallationen in der Region Limburg gehört, auch seinen Namen gab.

Der lautet sinnigerweise: „Zwischen den Zeilen lesen“.

gijsvanvaerenbergh.com