Autor: Elke Trappschuh
Fotos: James Merrell
Vier Mann, ein Wort: Snowcrash. So haben sie im April vor einem Jahr in der Design-Metropole Mailand debütiert. Mit diesem Namen sind die Newcomer als internationale Shooting Stars ins heimische Helsinki zurückgefahren. Doch in Helsinki steht das Wort auf keinem Türschild. Wer vor Ort erkunden will, was Snowcrash zum medienumschwärmten Versprechen auf die Zukunft des Designs in Finnland und anderswo macht, findet kein Quartett, sondern vier Individualisten vor, die in der Arbeit ihre eigenen Wege gehen: Timo Salli (34) ganz allein; Ilkka Suppanen (29) solo, aber Schreibtisch an Schreibtisch mit zwei alten Studienfreunden; und Teppo Asikainen und Ilkka Terho (beide 29) gemeinsam mit sechs ehemaligen Architektur-Kommilitonen in dem Designstudio „Valvomo“, das Terho gleich nach dem Studium 1993 gegründet hat.
Bis auf Weiteres definiert Terho Snowcrash als „Network“: „ein sehr lebendiges Projekt, wir haben noch nicht entschieden, wie wir weiter mit dem Namen umgehen wollen“. In Mailand jedenfalls wird es heuer keine Fortsetzung der konzertierten Aktion geben, aber, sofern die Entwicklung zur Serienreife pünktlich gelingt, das eine oder andere Möbel finnisch-italienischer Provenienz. Sallis nylonbespannter „Tramp“-Sessel etwa, der in der Kontur unwillkürlich an die Schaumstoffelemente der 60er-Jahre erinnert, soll bei Cappellini herauskommen. Allgegenwärtige Sixties. Dazu gehören auch die wie ein Kamin illuminierte Bartheke im Restaurant „Soup“ (Design: Asikainen und seine Valvomo-Kollegen Vierros und Nevalainen), der Airbag-Sessel oder die Globlow-Lampe. Fehlen nur noch die jungen Leute in Schlaghosen. Solch ein Vergleich von Avantgarde-Design und Mode rührt bei Kreativen meist empfindlich an dem Egonerv. Nicht bei Snowcrash.
Quelle: Architektur & Wohnen, Ausgabe 01/2011