Autor: Jan van Rossem
Fotos: Manuel Krug
Die Straße Dekoracyjna führt durch ein gesichtsloses Gewerbe- und Industriegebiet am Rande der polnischen Stadt Zielona Góra, dem ehemaligen Grünberg, nicht weit entfernt zur Grenze nach Sachsen. An der rechten Seite, gleich hinter den Wäldern, die die Stadt umgeben, befindet sich ein großes Fabrikgelände. Auffällig ruhig geht es hier zu. Früher waren in der Faserstofffabrik 10 000 Arbeiter beschäftigt, heute vielleicht noch ein Zehntel, wenn es hoch kommt. Die meisten Hallen stehen leer. Nur in einigen Gebäuden am Rande des Komplexes herrscht emsiges Treiben. Vor vier Jahren hat der damals 32-jährige Oskar Zieta die ersten Räume angemietet und mit ein paar hochmodernen Maschinen bestückt.
Der junge Architekt und Designer ist zum Fabrikanten geworden, um seine Idee vom Prozessdesign unter Eigenregie in die Tat umzusetzen. Er hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man Blech aufblasen und damit stabilisieren kann. Dafür hat ihn der „A&W-Designer des Jahres 2011“, Tokujin Yoshioka, für den „Audi Mentorpreis by A&W“ nominiert. Im Moment praktiziert er die Technologie an eigenen Entwürfen, die er gemeinsam mit etwa 20 Mitarbeitern hier produziert. Vor allem seinen Hocker „Plopp“, der aus zwei dünnen, an den Rändern zusammengeschweißten Blechen und einem Ventil besteht, durch das Luft gepumpt wird, bis sich die Bleche zur gewünschten Gestalt deformiert haben. Die Hocker sehen aus wie metallisierte Schwimmringe mit abgeknickten Flügelchen. „FIDU“ nennt Zieta dieses Verfahren: für „Freie Innen Druck Umformung“. Und zwar auf deutsch, weil er es an der ETH Zürich zusammen mit Philipp Dohmen entwickelt hat.
Vater Jan Zieta managt die Produktionsstätte, Schwester Maja organisiert den Vertrieb, Oskars Frau Agata, Juristin, leitet eigentlich eine andere Firma, hilft aber Oskar bei seinen Vertragsangelegenheiten. Bald tritt sie kürzer. Denn im Oktober erwarten die beiden das erste Kind. „Ich bin halt auf allen Gebieten produktiv“, erklärt Oskar mit verschmitztem Lachen. Er pendelt zwischen Zielona Gora (Fabrik), Breslau (Studio) und Zürich (Promotion an der ETH) hin und her.
Quelle: Architektur & Wohnen, Ausgabe 04/2011