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Holen Sie sich hier einen Vorgeschmack der Themen der aktuellen A&W Printausgabe oder werfen Sie einen Blick in ältere Ausgaben. Als zusätzlichen Service zum Magazin haben wir für Sie zusätzliche Infos und Links zu den Storys gesammelt. Verpassen Sie zudem auch nicht den exklusiven Ausblick auf das kommende Heft.

 

 

A&W Architektur & Wohnen 5/2017

Wenn Sie 60 Zeilen hätten, auf denen Sie der Welt Ihr Bild von Deutschland mitteilen könnten, was würden Sie schreiben? Und ich meine nicht daheim, sondern an prominenter Stelle gedruckt wie hier. Ich denke dabei auch nicht an soziale Medien wie Facebook, wo alles so herrlich vergänglich und nur wie Randnotizen zur großen Geschichte scheint, an der jeder so ein bisschen mit herumdoktert. Wenn Sie auf den Punkt kommen müssten, ohne groß daherzureden, das meine ich.

Was hat das mit Architektur & Wohnen zu tun? Wir haben uns mit dieser Ausgabe dem Thema Deutschland gewidmet und internationale Gestalter um ihr Bild von unserem Land und unserer Kultur gebeten. Denn die Sprache des Architekten sind seine Gebäude, die des Designers seine Möbel oder Räume. Und jedes Gebäude, jeder Entwurf, der umgesetzt wurde, ist wie diese 60 Zeilen, eine klare Aussage zu einem Thema. Manches ist vielleicht beliebig, anderes großartig, aber alle Kreativen müssen sich am Ende an realen Projekten messen lassen. Das macht Designer und Architekten offen für Kritik, und insofern ist diese Ausgabe ein Spiegelbild unserer Gesellschaft – wir sind kritikfähig. Schaue ich mir diese Heftproduktion dahin gehend genauer an, stelle ich fest, dass ich gerührt bin. Überlegen wir doch ein paar Sekunden lang: 60 Jahre gibt es dieses Magazin nun, wer hätte 1957 zu träumen gewagt, wie Deutschland heute dasteht? Wie charmant, wie inspirierend Deutsche in aller Welt und daheim die Kultur des Bauens beflügeln. Wie weit sind wir gekommen! Mein Großvater zog als Ingenieur mit dem Westwall in Frankreich – anteilig – wahnwitzige Bunkeranlagen hoch, mein Kollege Jan van Rossem traf in einem zum Museum umgebauten deutschen Bunker in Dänemark den Architekten Bjarke Ingels und sprach mit ihm über Sinnlichkeit. Als stamme die geplante Riesenkanone, die dort 1945 errichtet werden sollte, aus einem anderen Erdzeitalter. Noch kurz vor der Wende 1989 fuhr ich mit der Straßenbahn durch das graue Ostberlin, nach stundenlangem Warten am Grenzposten. Unsere Autorin Franziska Klün reiste nun – selbstverständlich – quer durch die Republik und hat in 60 Stationen viel über das Land und seine Manufakturen und Handwerker in unserem Sonderheft für Sie festgehalten. Mitte der Neunzigerjahre stand ich im tiefsten Winter als junger Architekturstudent in den Fundamenten des Berliner Stadtschlosses und hielt alles noch Ersichtliche mit einem Bleistift für die Nachwelt fest. Zurzeit werden die letzten Fassadenelemente für den Wiederaufbau angebracht, der bald ein Museum beherbergen wird.

Ich spüre tiefe Dankbarkeit, aus einer Gesellschaft hervorgegangen zu sein, die aus einer der größten Niederlagen von Moral und Anstand sich daran gemacht hat, Menschlichkeit zu schaffen. Diesen Geist atmet für mich jede Seite dieses Magazins. Diesen Geist zu bewahren, ist aber auch Verpflichtung. Was wären Ihre 60 Zeilen? Ich wünsche angenehme Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS

Unser Sonderheft „Deutschlandreise“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Aus den 60 Themen ergeben sich vier Reiserouten, aufgeteilt nach den vier Himmelsrichtungen, natürlich inklusive spannender Design-Hotels und passender Restaurants. Wir wünschen viel Spaß beim Neu-Entdecken des eigenen Landes!

A&W Architektur & Wohnen 4/2017
Was macht gutes Wohnen heute aus? Die Frage stellte sich mir dieses Frühjahr, während die Redaktion mit mir über den Salone del Mobile in Mailand hastete. Zum Sinnieren bleibt auf der wichtigsten Möbelmesse der Welt eigentlich wenig Zeit, es gilt der Treppenwitz, dass es auf dem von Massimiliano und Doriana Fuksas entworfenen Gelände zwar alles gebe, was Designfans begeistere, nur eben keine Sitzmöbel für eine Pause zum Nachdenken. Dennoch kam mir dieser Gedanke, da ich zeitweise gar nicht mehr das Gefühl hatte, auf einer Messe für Wohnen zu sein, sondern eher auf einer für Objekteinrichter. Also all jener, die Hotels, Apartment- und Bürokomplexe planen und einrichten. Ich war einigermaßen überrascht. Ist gutes Wohnen heute ein fix und fertig möbliertes Hotelzimmer? Auf der Suche nach Antworten entdeckte ich nur sehr wenige klassische Einzelmöbel, dafür viele „Lösungen“, wie es so mancher Pressesprecher umschrieb. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Zeiten des Objektes, das den Raum definiert und alle Blicke auf sich zieht, irgendwie schon lange untergegangen waren. Das Möbel selbst scheint heute nur noch ein Nebendarsteller auf einer größeren Bühne zu sein. Aber wer ist der Hauptdarsteller? Im Gegensatz zu früher scheint irgendwie jedes Objekt heute alles können zu müssen. Da sah man gläserne Kleiderschränke, die zugleich als Vitrinen oder selbst leuchtender Raumteiler dienen, oder mit Sitzkissen beladene Sofas, die funktional irgendwo zwischen Lümmelecke, beweglicher Lounge und Daybed mäandrieren. Umgeben von hohen Zimmerpflanzen hatte ich das Gefühl, in einen riesigen Wohnzoo geraten zu sein. Die schönen Tiere, die waren allerdings verreist (bis auf das Eisbärensofa „Pack und Chiara“ von Francesco Binfarè für Edra).

Eine konkrete Antwort auf die eingangs gestellte Frage erhielt ich dann vor zwei Wochen bei einer Stippvisite in dem von Patricia Urquiola eingerichteten Fünfsternehotel „il Sereno“ am Comer See, eine Art ge stapelter Barcelona-Pavillon. Neben dem phänomenalen Ausblick überraschte mich die sehr gelungene Gesamtkomposition der Zimmer. Ich fühlte mich wirklich zu Hause. Mir wurde klar: Es geht gar nicht so sehr um ein Leben wie im Hotel, sondern es muss das ausgewogene Raumkonzept sein, das diesen Eindruck hervorrief. Einzelmöbel fügten sich hier eher wie Schmuckstücke in eine gute Garderobe ein. Daher widmen wir diese Ausgabe und unser Magazin in Zukunft verstärkt solchen Konzepten und wollen aufzeigen, wie guter Wohnstil im Detail wirklich geht. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS In unserem Special finden Sie trotzdem noch Designikonen: 60 Möbelklassiker aus 60 Jahren Architektur & Wohnen. Neu gesehen hat sie die in Mailand lebende Illustratorin Karin Kellner, die – ausgerüstet mit einem Filzstift – wie eine japanische Kalligrafin versucht hat, diese Objekte auf ihr Wesen zu reduzieren. Was macht einen Klassiker zum Klassiker? Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise.
A&W Architektur & Wohnen 3/2017
In letzter Zeit wurde ich tatsächlich häufiger gefragt, warum ich mir das antue. Ja, Sie haben richtig gelesen. Warum ich mir die Chefredaktion von Architektur & Wohnen auch noch antue. Jetzt nicht gleich lachen. Das ist eine ernst gemeinte Frage. Dazu sollte ich allen, die es nicht wissen, erklären: Ich betreue in derselben Funktion bereits den Titel Robb Report, ein multithematisches Luxusmagazin, das es seit 40 Jahren in den USA gibt und nun auch in Deutschland. Normalerweise gilt man in der Medienbranche mit einer Chefredakteursstelle als ausgelastet, ich darf nun zwei spannende Titel betreuen. Was auch die eingangs gestellte Frage beantwortet: Denn ich empfinde es als großes Privileg, für die älteste deutsche Zeitschrift zum Thema Bau- und Wohnkultur arbeiten zu dürfen. In den vergangenen sechzig Jahren haben vier Generationen von Chefredakteuren diesen Titel mit einer hierzulande einzigartigen Mischung von Architektur-, Wohn- und Gartenthemen geprägt. Zuletzt Barbara Friedrich mit Gabriele Thiels, denen ich hier dafür einmal ganz besonders danken möchte. Sie haben aus diesem Titel gemacht, was er heute ist: das große deutsche Magazin für Baukultur und Wohninspiration.

Und ich empfinde es auch als Verpflichtung. Wozu sonst hätte ich, vor meiner Zeit als Redakteur, mal ein komplettes Architekturstudium absolviert und mich dafür nächtelang über Entwürfe gebeugt, um diese (mit Bleistift) auf Papier zu bannen? Für mich schließt sich hier ein Kreis.

Die Redaktion und ich sind daher sehr gespannt, wie Ihnen das Magazin in Zukunft gefallen wird. Wenn Sie sich jetzt fragen, was wir ändern wollen, kann ich Sie beruhigen: zunächst einmal wenig. Denn was es seit 60 Jahren gibt, kann so schlecht nicht sein. Es gibt nicht viele Titel, die schon verlegt wurden, als Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe persönlich am Zeichenbrett standen. Wir werden daher sehr behutsam an die Arbeit gehen und versuchen, uns noch besser auf Ihre Wünsche einzustellen. Das Bedürfnis, individuell und kultiviert zu wohnen, ist in Zeiten von explodierenden Wohnkosten, Megacitys und zunehmender Alltagsmobilität jedenfalls drängender denn je.

Dazu freue ich mich über Ihr Feedback, gerne an mich persönlich unter joern.kengelbach@awmagazin.de. Keine Scheu, ohne Kritik kann keiner besser werden. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Joern Kengelbach

PS: Sie wollen Ihr Bad umbauen? Im Special zu dieser Ausgabe finden Sie die 150 besten Badstudios in Deutschland und die wichtigsten Neuigkeiten von der Frankfurter Messe ISH – seien es Duschen mit Soundsystem, sensorgesteuerte Wasserhähne oder Washlets mit Sitzheizung.
A&W Architektur & Wohnen 2/2017

Ob man auf 2000 Quadratmetern wohnt oder auf 30: Stil ist keine Frage von Größe, sondern von Persönlichkeit.

Falls Sie, wie ich, in Ihrer Schulzeit lausig in Mathe waren und überhaupt ein natürliches Misstrauen gegen die Macht der Zahlen haben, der sich so viele unterwerfen, dann kann ich Sie trösten. Zahlen sind nicht alles. Zumindest nicht beim Wohnen. Dass sie in dieser Ausgabe dennoch so gehäuft auftreten, ist dazu kein Widerspruch, sondern hat Methode. Weil gerade sie zeigen: Stil ist keine Frage von Größe. Ein elegantes Ambiente kann man genauso gut auf 2000 Quadratmetern schaffen (das macht Interiordesigner Jean-Philippe Demeyer in seinem Wasserschloss bei Brügge) wie auf 30 (so lebt der Vintage-Händler Hugues Magen in New York). Demeyer wohnt in einem tollen Rausch aus Farben, Mustern, Materialien; in Magens winzigem Apartment dagegen wirkt jedes Möbel wie in einer weitläufigen Galerie. Stil ist eine Frage von Persönlichkeit – der Menschen wie der Räume. Es kommt darauf an, beides in Einklang zu bringen. Wie das gelingen kann, zeigen die Häuser und Wohnungen, die wir hier vorstellen.

Und, wo ich schon dabei bin: In Vaux-le-Vicomte, dem Inbegriff des französischen Barockgartens und Vorbild für Versailles, hebelt der subjektive Eindruck die Macht der Zahlen aus. Kurz und rasch zurückzulegen scheint dort der zentrale Weg zwischen Schloss und Wassergrotte. Eine optische Täuschung. Tatsächlich ist der Weg einen guten Kilometer lang – wie ich, neben vielem anderen, aus dem Beitrag meiner Kollegin Elke von Radziewsky gelernt habe. Er liest sich wie ein guter Roman.

Die neue Bleibe des Design Museums London hat Jan van Rossem besucht, Ressortleiter für Architektur und Design. Dass das einstige Ausstellungshaus des „Commonwealth Institute“ von dem Minimalisten John Pawson umgebaut wurde, sei eine „Triple-win-Situation“ für Gebäude, Museum und Besucher, wie er schreibt. Zugegeben: Manchmal sagen Zahlen auch alles. Ich wünsche Ihnen einen schönen Frühling.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Im Special zu dieser Ausgabe kochen wir ganz groß auf und servieren Ihnen die neuen Küchen in ihrer ganzen Materialvielfalt, dazu die aktuellen Geräte, Design- und Planungstipps vom Experten – und eine Ode an den Kühlschrank. Lassen Sie es sich schmecken!

A&W Architektur & Wohnen 1/2017

A&W wird 60 – und ist zeitlos und zeitgemäß zugleich: ein Klassiker, der in die Zukunft weist.

Was machen Sie so beruflich?“ – „Ich arbeite bei A&W Architektur und Wohnen.“ – Breites Lächeln: „Oh. Was für eine schöne Aufgabe!“ – Noch breiteres Lächeln: „Ja. Sehr schön sogar!“ Diese Situation, sie passiert mir regelmäßig, gebe ich hier auch stellvertretend für meine Kollegen, unsere Vorgänger und Vorvorgänger in der Redaktion wieder. Denn in ihr steckt die Essenz dessen, was den Erfolg des Magazins seit 60 Jahren ausmacht. Ja, A&W feiert Jubiläum in diesem Jahr! Darauf sind wir stolz, denn es zeigt, dass diese Zeitschrift zeitlos und zeitgemäß zugleich ist, ein Klassiker, der in die Zukunft weist. Woran das liegt? An der Kompetenz und Erfahrung, die die ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter mit großer Kontinuität aufgebaut haben – auch, weil der Verlag dazu stets den Rahmen geboten hat. Es liegt auch an einem untrüglichen Stilgefühl, das man nicht erlernen, aber in das man hineinwachsen kann. Am Ende aber ist A&W, wie so viele Qualitätsprodukte, ein Werk der Liebe. Wir lieben einfach, was wir tun. Dem Magazin – und offenbar auch unseren Gesichtern – ist die Freude anzusehen, mit der wir dabei sind. Umso mehr wollen wir sie in diesem Jahr mit Ihnen teilen. Mit unserer Jubiläumsserie, die in jedem Heft mit einem Essay in die Zukunft blickt, sei es die des Wohnens, der Architektur, der Gärten. Mit der Geburtstagsausgabe im Herbst und natürlich auch schon in diesem Heft: Wir zeigen an Häusern in Utrecht, London und Italien, welche Interiortrends uns erwarten und feiern die Elbphilharmonie, die in diesen Tagen eröffnet und Hamburg prägen wird wie kein Bau seit Fritz Högers Chilehaus. Übrigens: Der A&W-Designer des Jahres 2017 ist auch ein Klassiker, der in die Zukunft blickt: Alessandro Mendini, Grandseigneur der postmodernen Gestaltung, ist noch mal 25 Jahre älter als A&W – und kann sich vor Arbeit kaum retten. Ich freue mich auf ein wunderbares Jahr mit Ihnen.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Das Special, das dieser Ausgabe beiliegt, hat schon jetzt das Zeug zum Sammlerstück. Es wurde vom A&W-Designer des Jahres 2017 Alessandro Mendini persönlich gestaltet. Überraschend und erfrischend präsentiert er darin sich selbst und die Arbeiten, die in seiner langen Laufbahn als Designer und Architekt entstanden sind: eine Ausstellung zum Blättern
 

A&W Architektur & Wohnen 6/2016
Allen Sammlern gemeinsam ist, dass sie sich mit ihren Schätzen umgeben wollen. Nur wie, das ist verschieden.

Es gibt vieles, was einen Sammler zum Sammler macht. Die Leidenschaft für schöne Dinge etwa, sie besitzen, anfassen, benutzen zu können und alles über sie in Erfahrung zu bringen. Auch Jagdlust gehört dazu, die Freude am Herzeigen oder Systematisieren. Und egal, ob eine Kollektion nun eher von einer ausgeprägten Anlage zum Spezialistentum oder von Verrücktheit im besten Sinne getragen wird – gemeinsam ist allen Sammlern, dass sie sich mit ihren Schätzen umgeben wollen. Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigen die „Schatzhäuser“ und ihre Bewohner, die wir Ihnen in dieser Ausgabe vorstellen. Unsere Beispiele aus Mainz, Mailand, Brüssel oder Krems öffnen jedes einen anderen privaten Kosmos, und jeder ist auf seine Weise inspirierend. Gerade jetzt, wo die Tage länger werden.

Als Rückzugsangebot verstehen wir die ganze Ausgabe – sei es durch die neuen weichen Samt- und Wollstoffe in warmen Farben, die wir inszeniert haben, sei es durch den Beitrag über die modernen, radikalen Villen, die Rückzugsort und Architekturlabor gleichermaßen sind. Selbst den Herbstspaziergang können Sie sich sparen – dank der malerischen Novemberstimmung, die in der Geschichte über den Privatgarten des großen Staudenzüchters Karl Foerster nahe Berlin herrscht.

Und ich bin überzeugt: Unter den Geschenkvorschlägen, die wir für Sie zusammengestellt haben, könnte bestimmt das eine oder andere Stück eine neue Sammelleidenschaft auslösen …

Mit Leidenschaft gelebt und gearbeitet hat Christa von Hantelmann, die 24 Jahre, von 1969 bis 1993, Chefredakteurin von A&W Architektur & Wohnen war und danach noch einmal fast genauso lange die Herausgeberin. Die gelernte Tischlerin und studierte Innenarchitektin war schon eine Powerfrau, als es den Begriff noch gar nicht gab. Mit Stilsicherheit und einem untrüglichen Gespür für Opulenz und „Schmelz“, wie sie es nannte, gab sie dem Magazin A&W ein Profil, das noch heute gültig ist. Zugleich zog sie ihre vier Kinder groß, die Familie ging ihr über alles. Ihre Energie war bisweilen beängstigend, ihre Begeisterung ansteckend, und noch bis vor wenigen Jahren nahm sie regelmäßig an unseren Redaktionskonferenzen teil. Die bereicherte sie mit ihrem großen Wissen und würzte sie mit wunderbar trockenen Bemerkungen. Am 22. September ist Christa von Hantelmann im Alter von 88 Jahren gestorben. Wir werden an sie denken.

HERZLICHST IHRE GABRIELE THIELS

A&W Architektur & Wohnen 5/2016
Ein altes Haus ringt seine Geschichte mit. Das macht es interessant – und seine Renovierung unberechenbar.

Geschichten von Renovierungen und Instandsetzungen handeln ja oft von Problemen: verrotteten Fundamenten, nicht zu rettenden Originalfenstern, Pilzbefall der Wände und den Wünschen des Denkmalschutzes. Lassen Sie sich davon nicht täuschen. In Wirklichkeit sind es Liebesgeschichten, und sie sind um so inniger, je größer die Schwierigkeiten waren. Wer sich nämlich darauf einlässt, ein Haus zu sanieren, es moderner, größer, heller zu machen, der hatte am Anfang die reflexhafte Gewissheit „Das ist es“ oder „Das wird was“ – sonst hätte er gar nicht angefangen. Und idealerweise trägt ihn dieses Gefühl durch das gesamte Projekt, durch Euphorie, Frust, Anspannung und Verzagtheit ebenso wie durch viele schöne Momente. Denn im Grunde ist ein Altbau nichts anderes als ein geliebter Mensch: Er bringt seine Geschichte mit in die Beziehung – das macht ihn interessant und unberechenbar zugleich.

Die Häuser, die wir Ihnen hier vorstellen, zeigen, wie unterschiedlich das Happy End solcher Romanzen aussehen kann: bei einem heruntergekommenen Stadthaus in Porto etwa, einer Villa am Hamburger Elbhang oder einer historischen Pilgerherberge in der Provence.

Diese Ausgabe, Sie ahnen es, steckt voll solcher Liebesgeschichten. Die über das Hirschberger Tal in Schlesien ist eine, wo preußische Adelige einst um die schönsten Schlösser und Parks wetteiferten. Lange verfallen, wird diese einzigartige Kulturlandschaft peu à peu wieder instand gesetzt, vielerorts von engagierten Privatleuten. Auch das ein klarer Fall von „Das wird was“. Und Rotterdam, die niederländische Hafenstadt, die auf die Krisen ihrer jüngeren Geschichte immer wieder mit architektonischen Visionen reagiert und sich so stets neu erfindet. Besonders freue ich mich über unser Dossier über das Comeback des Handwerks im Design. Im Zeitalter des Digitalen setzen die Gestalter wieder auf die individuellen Handgriffe, die das handwerkliche Objekt vom Industrieprodukt unterscheiden, und auf die sinnliche Erfahrbarkeit der Materialien. So entstehen sorgfältig gefertigte Möbel und Accessoires, die mit uns alt werden. Jedes ist eine Liebe fürs Leben.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS Gleich zwei Specials liegen dieser A&W-Ausgabe bei: eines – im XL-Format – über die neuen Leuchten und Trends bei der Lichtgestaltung sowie ein Heft über Car Design, das die Redaktion des Kultmagazins „ramp“ für A&W produziert hat. Falls Sie A&W nicht finden: Werden Sie doch Abonnent, schon wegen der vielen Vorteile! Einfach anrufen: 040/21 03 13 71 oder über leserservice-jalag@dpv.de. Vielen Dank im Voraus!
A&W Architektur & Wohnen 4/2016

Landhäuser sind zur Erholung ideal, weil sie den Szenenwechsel und zugleich Vertrautheit bieten.

Vermissen Sie manchmal auch dieses Gefühl, das man früher zu Beginn der Sommerferien hatte? Wenn sechs Wochen vor einem lagen, scheinbar unaufbrauchbar und ganz zur freien Verfügung? Man konnte die Tage genau verplanen, aber es gab genug davon, um manche auch nur dahinplätschern zu lassen und sich an anderen sogar gründlich zu langweilen. Als Kind sagt einem ein Wort wie „Erholung“ wenig, doch in der Rückschau war diese Mischung genau das – eine Art Parallelroutine zum Alltag, die sich Sommer für Sommer verlässlich aufs Neue einstellte.

Wo und wie aber findet man heute, wo Kurztrips en vogue sind und selbst der Sommerurlaub meist nur zwei Wochen dauert, eine solche Stimmung wieder? Wir meinen: In den Landhäusern, die wir Ihnen hier vorstellen. Ob alte Gemäuer oder moderne Bauten aus Beton und Glas, ob in den sanften Hügeln des Piemont gelegen oder mit Blick aufs Meer – stets bieten sie den Szenenwechsel und sind zugleich vertraut. Die Bewohner wissen, wo der Supermarkt ist und das nächste Café – mit den Ritualen beginnt der Urlaub auf der Stelle.

Wie Urlaub soll auch diese Ausgabe für Sie sein. Wir feiern den Hochsommer mit tropisch-bunten Stoffen, mit Möbeln und Accessoires fürs Feiern und Entspannen unter freiem Himmel und mit einer Geschichte über das Revival der Flussbäder, die, architektonisch anspruchsvoll und ökologisch verträglich, mitten in der Stadt zum Schwimmen einladen – in Berlin, Kopenhagen, London oder New York. Manche sind bisher nur Visionen, doch schon die Bilder erfrischen wie ein Sprung ins Wasser. Wer es sich bei Hitze nicht nur kühl, sondern auch ruhig wünscht, dem empfehle ich unsere neue letzte Seite: Dort stellen bekannte Kreative einen Raum vor, der sie besonders inspiriert hat. Den Anfang macht die Künstlerin Candida Höfer – mit dem Innenraum einer Universitätsbibliothek in Zürich. Ein Ort der Stille. Auch das kann erholsam sein. Genießen Sie den Sommer!

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Im Special zu dieser Ausgabe finden Sie die 200 besten Küchenstudios in Deutschland, die wir nun bereits zum vierten Mal ermittelt haben. Und falls Sie A&W mal wieder nicht finden: Werden Sie doch Abonnent, das hat viele Vorteile! Einfach anrufen: 040/21 03 13 71, oder über: leserservice-jalag@dpv.de. Vielen Dank!

A&W Architektur & Wohnen 3/2016

Mittendrin und doch im Grünen wohnen: Das schließt sich aus. Es sei denn, man lebt in einer Stadtoase.

Als gebürtige Rheinländerin halte ich es mit dem Satz „M’r moss och jönne könne“, wenn ich manche der Häuser und Wohnungen sehe, die wir in A&W vorstellen: Man muss auch gönnen können. Die Stadtoasen dieser Ausgabe stellen mich allerdings auf eine harte Probe. Denn sie erfüllen zwei Sehnsüchte, die eigentlich unvereinbar sind. Nämlich einerseits, mitten in einer lebendigen, inspirierenden Metropole zu wohnen. Und anderseits, sich jederzeit ins Grüne zurückziehen und Atem holen zu können. Normalerweise läuft das auf die Entscheidung zwischen einer Stadtwohnung und einem Haus mit Garten an der Peripherie hinaus, und sie fällt je nach Alter, Budget, familiärer und beruflicher Situation so oder so aus. Aber entscheiden muss man sich.

Nicht so Designerin Patricia Urquiola. Sie hat sich eine üppig begrünte Dachterrasse als Refugium auf dem Mailänder Hinterhaus anlegen lassen, in dem auch ihre Wohnung und das Atelier liegen. Der Kreativberater Joel Bernstein entdeckte ein Cottage in einem wildromantischen Garten, das, man hält es kaum für möglich, verborgen an einer belebten Londoner Geschäftsstraße liegt. Und im Berliner Hansaviertel fand Innenarchitekt Manfred Daxenberger nicht nur einen citynahen Bungalow mit Garten, er bekam damit zugleich eine kleine Architekturikone – verstehen Sie, warum ich eine leichte, ganz und gar unrheinische Eifersucht in mir spüre?

Viel konstruktiver sind da die Inspirationen für Terrasse und Balkon, die meine Kollegin Elke von Radziewsky aus den Projekten renommierter Gartengestalter zusammengestellt hat: unkonventionelle, überraschende Ideen, die – wie auch Patricia Urquiolas Dachgarten – Anstoß geben, sich eine eigene Stadtoase zu schaffen.

Jan van Rossem, Ressortleiter für Design und Architektur, stellt Ihnen das ehemalige TWA-Terminal von Eero Saarinen am New Yorker Flughafen vor. Unzählige E-Mails und Telefonate mit der zuständigen Behörde waren nötig, um den Foto- und Besichtigungstermin abzustimmen, doch seine Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Der Bau thematisiert mit seinen geschwungenen Formen das Fliegen selbst und scheint dabei fast abzuheben – wie auch sein Architekt. Saarinen bestand darauf, dass die Bars im ersten Stock – immerhin gestaltet von niemand Geringerem als Raymond Loewy – zurückgesetzt geplant wurden, damit sie den Gesamteindruck nicht störten. Wie würde man im Rheinland dazu sagen? Man muss doch auch mal gönnen können.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Falls Sie sich ein paar neue Möbel gönnen möchten: In unserem aktuellen Special „Die 175 besten Einrichtungshäuser in Deutschland“ finden Sie Adressen in Ihrer Nähe. Und außerdem die passenden Neuheiten für Ihren liebsten Platz zu Hause.

A&W Architektur & Wohnen 2/2016

Wie lässt sich die Euphorie sichtbar machen, die das Wort Frühling auslöst? Mit Farbe und Licht!

Es gibt Worte, die wirken wie ein Rausch ohne Kater. Frühling ist so eins. Das erste Grün, das Gezwitscher der Vögel in der Dämmerung, die helleren Tage, die Ahnung von Wärme – und vor allem: dieser Duft in der Luft! Merken Sie’s? Kaum gehört, gedacht, gesagt oder gelesen, stellen sich die Assoziationen ein und mit ihnen eine Ahnung jener Euphorie, die einen Jahr für Jahr aufs Neue überkommt. Jeder kennt diesen Zustand, aber kann man ihn sichtbar machen? Ja, finden wir, mit Farbe und Licht. Und wir meinen damit nicht nur zart Pastelliges, sondern vor allem richtig satte Töne, deren Leuchtkraft direkt durchs Rückenmark geht und im Kopf zerplatzt: Knallgelb, Giftgrün, ein schillerndes Blau und strahlendes Rot. In den Wohnungen, die wir hier vorstellen, bedecken sie ganze Wände und Decken, wie in dem Künstlerapartment, das die Galerie Kornfeld in Berlin unterhält. Sie machen Möbel oder Teppiche zu Blickfängern, und dabei ist es egal, ob die einzelnen Stücke um die Wette strahlen, wie im Townhouse einer New Yorker Kunstexpertin, oder sich diskret ergänzen wie in dem weitläufigen Dachgeschoss, das sich zwei Modeexperten in München einrichteten. Und überall lassen großflächige Fenster das Licht herein, tauchen die Räume in Sonne und schaffen ein bewohnbares Glücks-, oder sollte man besser sagen: Frühlingsgefühl?

Wo wir schon dabei sind: Fahrräder, Gartenmöbel und die früh blühende Anemone finden Sie auch in dieser Ausgabe. Meine Lieblingsgeschichte berührt mich als Architektenkind und Enkelin eines Pfarrers gleichermaßen. Sie handelt vom Kirchenbauboom im Nachkriegsdeutschland. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden hierzulande mehr Sakralbauten als in den 400 Jahren zuvor, ihre Formenvielfalt ist überwältigend, die Raumwirkung atemberaubend. Viele stehen heute geradezu inkognito in Wohngebieten oder an Ausfallstraßen. Einige der schönsten haben wir für Sie wiederentdeckt – nehmen Sie es gern als Ostergruß. Einen schönen Frühling wünsche ich Ihnen sowieso.

HERZLICHST, IHRE GABRIELE THIELS

PS: Frühling ist die beste Zeit, die eigenen vier Wände zu erfrischen. Inspiration, Expertenrat und Adressen bietet unser Special „Neuer Look für Ihre Räume“ mit den schönsten Tapeten, Böden, Fliesen, Teppichen und Stoffen. Falls Sie A&W mal wieder nicht finden: Werden Sie doch Abonnent, einfach anrufen: 040/21 03 13 71 oder über: leserservice-jalag@dpv.de. Vielen Dank im Voraus!

 

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