Interview mit Samand Setareh Das Flair nobler Teppiche

Jedes Stück erzählt eine Geschichte: von Tradition und Begegnung, vom Glauben, von Zeit und Natur. Der Düsseldorfer Kunsthändler Samand Setareh sieht im Teppich die Grundlage kultivierten Wohnens. 

Teppich aus der Manufaktur in Aubusson

A&W: Wenn ein Teppich 200 Jahre alt ist, Herr Setareh, wenn er aus einer wichtigen Sammlung stammt oder in einem Palast im Orient gelegen hat – darf ich dann einfach drauftreten? Samand Setareh: Selbstverständlich! Ein Teppich ist dafür gemacht, dass man ihn betritt. Ein Teppich definiert immer einen symbolischen Raum. Er ist seit den Anfängen der Kultur eine Fläche, auf der Identität und Geschichte ihren Ausdruck finden, und auf der man sich begegnet. Also bitte, betreten Sie ihn gerne!

A&W: Ein Ort der Begegnung, ein Ort, der mit symbolischer Bedeutung aufgeladen ist, und immer auch ein sehr exklusiver Ort der Rang und Wohlstand seines Besitzers bezeugt … Setareh: Das ist richtig. Ein Teppich hat, wenn Sie so wollen, die Funktion eines Mittlers. Die erfüllt er auch in der Einrichtung: Ein Teppich ist ein Diplomat.

A&W: Das müssen Sie bitte erklären. Setareh: Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Raum mit Design und Objekten verschiedener Epochen: Ein geschickt gewählter Teppich vermittelt zwischen den Elementen. Er sorgt für den Zusammenhalt, optisch, aber auch von seiner historischen Funktion – selbst wenn er auf nichts direkt Bezug nimmt. Sie können Bauhaus-Möbel wunderbar mit einem Teppich aus China kombinieren. Durch seine weiche und sinnliche Haptik wird er ganz neue Aspekte hinein - bringen, ohne irgendetwas zur Seite zu drängen. Oder denken Sie an das in Hagen gegründete, heute in Essen befindliche Folkwang-Museum: Das hat in seiner Entstehungszeit die Werke der Impressionisten und der Moderne mit antiken Teppichen aus Indien kombiniert. Wunderbar! Das hat den Bildern einen Fond gegeben, vor dem sie sehr eigenständig wirken konnten.

A&W: Ein Teppich aus dem Orient oder aus China ist im Westen in jedem Fall das Zeugnis einer fremden Kultur. Der Kontrast zur Einrichtung ist vorgegeben. Aber was ist mit europäischen Teppichen? Ein Aubusson zum Beispiel kommt aus Frankreich, also aus unserem eigenen Kulturkreis. Schränkt Sie das bei der Beratung Ihrer Kunden ein? Setareh: Im Gegenteil: Der Spaß meiner Arbeit liegt darin, starre Vorstellungen zu lockern und zu zeigen, wie sich auch hier der Reiz aus der Gegenüberstellung ergibt. Sicher können Sie einen Aubusson in einen Raum legen, der im Stil der Epoche eingerichtet ist, also Empire, Klassizismus. Aber stellen Sie sich eine moderne Umgebung vor, ein geradliniges Sofa von Minotti, Holzobjekte von Nakashima, dazu ein Teppich aus der Zeit Napoleons. Da zeigt sich Den ken in globalen Zusammenhängen.

Seite 1 : Das Flair nobler Teppiche
Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Albrecht Fuchs