Interview mit Christina Haubs Wohnen mit Antiquitäten

Eine Wohnung ist kein Museum, sagt Christina Haubs. In ihrem Münchner Geschäft verkauft sie Antiquitäten und Accessoires – und berät ihre Kunden, wie sich aus Alt und Neu ein angenehmes Ambiente komponieren lässt. 

Raritäten neben Alltagsstücken

A&W: Sie haben Ihr Geschäft mit außerordentlicher Sorgfalt restauriert, Frau Haubs – wie lässt sich mit einem Raum und seiner Einrichtung so etwas wie eine eigene Atmosphäre erzeugen? Christina Haubs: Der ganze Raum ist ja unheimlich alt, die bemalte Decke, die Eisensäulen, der Boden. Das ist schon mal sehr gemütlich. Der Eindruck wird durch die raumhohe Fensterfront gebrochen, und das spiegelt auch schon die Idee hinter der Galerie wider: Man kann zum Beispiel einen Wiener Tisch von 1820 in eine moderne Halle stellen, vielleicht noch weiße Ledersofas dazu.

A&W: Sie verstehen sich also mehr als Einrichterin denn als klassische Kunst- und Antiquitätenhändlerin? Haubs: Mein Ziel ist es, mit Dingen, die man kombinieren kann, Atmosphäre in die Einrichtung zu bringen. Dem Trend zur Coolness mit etwas Wohnlichem entgegenzuwirken. Die Zeiten sind passé, als man sich komplett in Biedermeier oder Barock einrichtete. Ich bin auch keine Anlaufstelle für typische Sammler. Aber ich habe viele Kunden, die etwa bauen, und bei der Möblierung, Beleuchtung und Stoffwahl Rat suchen.

A&W: Verträgt sich ein minimalistischer Wohnstil mit Antiquitäten? Haubs: Auf alle Fälle! Ein gar zu kühles Ambiente erzeugt keine Spannung. Das ist wie bei einem allzu perfekten Gesicht oder perfekter Kleidung – langweilig. Gegensätze sind wichtig: Wenn ich eine puristische Wohnung habe und dann taucht eine reich verzierte, abgefahrene Kommode darin auf oder ein Objekt, von dem jeder sagt, das passt doch gar nicht rein: Da wird es spannend.

A&W: Am Anfang war ein Showroom in der Werkstatt Ihres Mannes, Ende 2010 eröffneten Sie nebenan Ihre Galerie – Sie sind also Quereinsteigerin… Haubs: Inneneinrichtung und Kunstgeschichte waren immer mein Traum, aber meinen Eltern zuliebe habe ich eine Banklehre absolviert, Volkswirtschaft studiert und in einer Bank gearbeitet. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt, die Kinder kamen, und ich bin peu à peu in das Metier eingestiegen. Seit fünf Jahren betreibe ich es intensiv. Wenn man eine Leidenschaft hat, muss man irgendwann etwas daraus machen!

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Autor:
Eva Peters
Fotograf:
Bärbel Miebach