Audi-Mentorpreis by A&W 2012 Benjamin Hubert auf Erfolgskurve

Der Londoner Benjamin Hubert wurde von Patricia Urquila, A&W-Designerin des Jahres 2012, für den „Audi-Mentorpreis by A&W“ nominiert. Internationale Möbelproduzenten bestätigen die Wahl. Sie reissen sich um seine Entwürfe.

Das Skizzenbuch ist randvoll. Benjamin Hubert zeichnet trotzdem weiter. Er sitzt in seinem Studio in einem nicht besonders wirtlichen Teil im Norden Londons unweit des Stadions des Traditionsclubs FC Arsenal. Neben ihm liegt ein Stapel Kopierpapier. Immer wieder greift er nach einem neuen Blatt. Dicht an dicht entstehen Kurven, kleine Kreise, manchmal Ovale, Kreise mit Ornamenten, zwei verbundene Kreise, die eine Acht ergeben. Der Auftrag: Eine ganze Schmuckserie soll entstehen. Aber alles ist noch ganz geheim. Benjamin Hubert blickt ernst. Benjamin Hubert guckt meistens ernst. Aber in diesem Fall mit Nachdruck. Kein Wort über Auftraggeber und Erscheinungstermin. Fotos machen ist okay. Es sind ja nur erste Skizzen. Sehr, sehr viele erste Skizzen.

Dass Benjamin Hubert so viel zeichnet, ist andererseits auch erstaunlich. Bei einem Gedankenaustausch des Trägers des Audi-Mentorpreises by A&W mit Audi-Chefdesigner Wolfgang Egger während eines Spaziergangs durch das schicke Chelsea sind sich beide schnell einig. „Vor dem Zeichnen“, postuliert Egger, „kommt das Denken!“ Benjamin Hubert setzt noch einen drauf: „Ich habe festgestellt, wenn ich anfange zu zeichnen, höre ich auf zu designen.“

Das hört sich für jemanden, dessen Haupttätigkeit eigentlich das Designen sein sollte, nach einer Diskrepanz an, die noch größer scheint als die zwischen dem rauen Norden Londons und dem feinen Südwesten der Stadt. Offensichtlich macht Benjamin Hubert einen Unterschied zwischen „gestalten“ und „designen“. Gestalten bedeutet bei ihm Formfindung, dem äußeren Schein eine Gestalt geben. Also zeichnen. Design geht für ihn tiefer. Viel tiefer.

Wieder blickt er sehr ernst: „Design bedeutet, sich intensiv mit Auftraggebern und Experten auseinanderzusetzen, den Kern der Aufgabe und der Problemstellung zu erfassen. Am Anfang kommt die Analyse.“ Also denken. Seine Analysen gehen nicht selten von dem Material aus, das er für das nächste Produkt einsetzen will oder soll. Wie bei dem Wettbewerb für das italienische Unternehmen Poltrona Frau, das zu seinem 100-jährigen Jubiläum zwölf Designer aus aller Welt eingeladen hat, einen Sessel zu entwerfen. Die Aufgabe: Die Tradition respektieren, aber in der Moderne ankommen. Der Preis: Der Siegerentwurf wird in die Kollektion aufgenommen.

 

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Neil Gavin