A&W Designer des Jahres 2006 Gaetano Pesce

Der Italiener entwirft Sessel, die sich selbst entfalten, Regale in Menschengestalt, Möbel aus Filz und Sofas wie einen Sonnenuntergang über New York, wo er lebt. Für fast vierzig Jahre Materialforschung und seine phantasievolle Formensprache erhält er den Ehrenpreis A&W-Designer des Jahres 2006. Eine Inszenierung seines Werkes und ein Porträt - in 21 Akten.

EIN FISCH AM WASSER

Pesce heißt Fisch. Das passt zu seiner Herkunft. Gaetano Pesce wurde in der ligurischen Hafenstadt La Spezia geboren, studiert hat er in Venedig. 1980 geht er nach New York. Dort wohnt er die ersten Jahre im gerade aufblühenden SoHo, in der Greene Street unweit seines Studios am Broadway. 1990 zieht er in die East End Avenue in der schicken Upper East Side – in der Straße residiert normalerweise der New Yorker Bürgermeister. Pesce fühlt sich hier wohl. Er hat einen wunderbaren Blick auf den East River. Ein Pesce braucht WASSER.

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NEW YORK, NEW YORK

Wenn man nachts um drei mitten in Manhattan einen etwas an gegrauten Mann mit einer Tüte voller Kleider über die Straße gehen sieht, dann könnte es durchaus Gaetano Pesce sein, der dabei ist, häuslichen Pflichten nachzugehen. Nicht, dass er nachts nichts Besseres zu tun hätte oder sonst keine Zeit. Es wäre so etwas wie ein Liebesbeweis. Denn er schätzt an New York vor allem den Service. „Oder können Sie in Ihrer Stadt nachts um drei Ihre Hemden zur Reinigung bringen?“, fragt er seine Besucher. In New York ist alles möglich. Auch das. Der beste Ort für Gaetano Pesce.

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NÜTZLICHE KUNST

„Früher war Kunst immer ein nützliches Produkt.“

Immer?

„Ja. Es gab Kunst für Repräsentationszwecke. Und Akte zum Beispiel sollten sexy sein. Sie dienten der Erregung.“ Nützlich ist Kunst nicht mehr? „Nein. Der Nachfolger der Kunst ist Design.“

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SAG ES IN BILDERN

„Die Zeit der Abstraktion ist vorbei.“ Aha …?! „Sehen Sie nur die Sprache der Computer. Symbole, Bilder. Nichts Abstraktes mehr.“ Heißt das, die Menschen denken heute mehr in Bildern? „Ja. Bilder versteht man besser. Und mehr Leute verstehen sie. Das ist demokratisch.“

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Christian Grund