A&W Designer des Jahres 2007 Konstantin Grcic

Gestalter der neuen Einfachheit: Er bekam 1997 den ersten A&W-Mentor-Preis von Italiens Designlegende Achille Castiglioni. Heute ist der 41 Jahre alte Münchner selbst ein international gefragter Gestalter. Seine Entwürfe stehen in Museen. Er hat es lieber, wenn sie benutzt werden. Denn er schafft Alltagsprodukte, denen er Wesentliches abverlangt: Schlicht, aber schön sollen sie sein. Konstantin Grcic ist A&W-Designer des Jahres 2007.

Konstruktion beginnt bei Konstantin Grcic mit „Bildern im Kopf“, ist wesentlich für seine Entwürfe. „Mein Denken funktioniert strukturell. Würde ich einen Baum gestalten, würde ich ihn nicht wie ein Bildhauer aus einem Volumen herausarbeiten, sondern Ast für Ast aufbauen“, erklärt der 41-jährige Münchner. Schon als Kind baute er mit Lego- und Fischer-Spielzeug, zerlegte, setzte neu zusammen; erforschte, was geht.

Organisation ist elementar. „Was mich auf die Palme bringen kann, ist, wenn mein Konstrukt der Zeitplanung durcheinanderkommt.“ Nicht aus Pedanterie – aus Ärger über sich selbst. Der viel gefragte deutsche Designer ist Vielflieger und hat oft das Gefühl, Zeit zu vergeuden. Schon deshalb lebt er bescheiden in einem 60er-Jahre-Haus am Stachus. „Ich mag keine kaputtsanierten Altbauwohnungen in den Szenevierteln.“ Er „wohnt“ auch nicht wirklich. Wenn er nicht unterwegs ist, weilt er am liebsten in seinem Büro-Atelier in der Schillerstraße: Hinterhofatmosphäre, Ordnung im kreativen Chaos, fünf Mitarbeiter, alle an „Pallas“-Tischen, überall Modelle, Prototypen und Materialien zum Experimentieren. „Ich komme um acht, eine Stunde vor dem Team.“ Das besteht nur aus langfristigen Mitgliedern. Grcic will und kann nur mit vertrauten Menschen arbeiten.

Nützlichkeit ist notwendiges Prinzip für ein Grcic-Produkt. Von „One offs“, von Unikatstücken für Galerien, hält er nichts. Zumindest nicht für seine eigene Arbeit. „Als Industriedesigner darf es einem nicht um Kunst gehen!“ Schließlich hat er sich für diesen Weg entschieden. Nach der Schule und einer Schreinerlehre – „Studium war nicht so mein Ding“ – entdeckte er am Royal College of Art in London das Design als Berufsbild für sich. Nicht zuletzt, weil Jasper Morrison, der englische Verfechter des Minimalismus im Design, sowie Vico Magistretti, einer der berühmtesten Gestalter Italiens, seine Lehrer waren „und mich in meiner Art, die Dinge zu vereinfachen, bestärkten“. Die Mentoren wurden ein Meilenstein seiner Karriere – wie Italiens Altmeister des industriellen Designs Achille Castiglioni. Aber dazu mehr unter C.

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Fotograf:
Robert Fischer