Mentorpreis by A&W 2006 Masayo Ave

Gaetano Pesce nominierte Masayo Ave für den A&W-Mentorpreis 2006. Haptik und Persönlichkeit sind für den in New York lebenden Italiener die tragenden Säulen des Designs – wie für die japanische Mentorpreisträgerin Masayo Ave, die hauptsächlich in Berlin lebt.

Wer sich mit Masayo Ave unterhalten will, sollte erst Vokabeln lernen. Nicht unbedingt japanische, weil sie in Tokio aufgewachsen ist. Auch nicht italienische, worauf man kommen könnte, weil sie die letzten 16 Jahre in Mailand gelebt und gearbeitet hat. Man kann sich mit Masayo Ave gut auf Englisch verständigen. Erlernen sollte man allerdings ihre selbst erfundene Sprache mit ganz neuen Wörtern. Die benutzt sie, wenn sie von ihrer Arbeit spricht. Zum Beispiel von ihren neuen Notizbüchern. Die Oberfläche des Einbandes sei „poco poco“, erklärt sie. Es handelt sich dabei um weiße Pünktchen, kleine Erhebungen, die den Umschlag schmücken. Ein neues Verfahren erlaubt es, Blindenschrift auf unterschiedliche Materialien aufzutragen. Masayo Ave hat es als Möglichkeit zur Dekoration entdeckt. Erhebungen sind „poco poco“. Oberflächen mit konkaven Unebenheiten sind das Gegenteil: „coppo coppo“.

Vierzig solcher Begriffe hat sie bei einem ihrer ersten Workshops an der Universität der Künste (UdK) in Berlin gemeinsam mit ihren Studenten entwickelt und als „Haptic Dictionary“ veröffentlicht. „Das Wörterbuch besteht aus grundlegenden Vokabeln, die haptische Empfindungen ausdrücken“, erklärt Masayo Ave. Am Aufgang zum fünften Stock der Hausnummer 118 in der Straße des 17. Juni, wo sie seit Anfang 2006 als Gastprofessorin für erst mal ein Jahr ein eigenes Büro bezogen hat, hängen die Wortschöpfungen in Lautschrift neben Bildern zur Visualisierung. Saugnäpfe von Krakenarmen sind zu sehen (die heißen „puk“), Fischschuppen („kota kota“), Baumrinde („pela pela“) und gebrochene Steinplatten („crak“). Für Masayo Ave hat Design mit Sinnlichkeit zu tun, mit Tasten, Spüren, Gefühl. Ihr Ziel ist es, ihre Studenten und die Öffentlichkeit für die noch weitgehend unerforschte Disziplin „Haptik“ zu sensibilisieren.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Angela Bergling, PR-Bilder