Mentorpreis by A&W 2000 Projekt "Waschtag"

Paola Navone sammelt und sucht weltweit nach uralten Handwerkstraditionen, die sie in ihren eigenen Entwürfen interpretiert. Besonders faszinierend ist für die Italienerin die Begegnung zwischen fernöstlicher und europäischer Kultur. Den Teilnehmern des Projekts Waschtag legte Paola Navone jene Maxime ans Herz, die auch für ihre Gestaltung gilt: „Knüpfe die Verbindung zwischen Ost und West, Nord und Süd, Vergangenheit und Gegenwart“.

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Wenn eine richtig gute Idee auf richtig große Schwierigkeiten stößt, endet das meist mit Variante A (katastrophaler Flop) und selten mit Variante B (grandioser Erfolg). Wenn also sechs junge Designgruppen aus England, Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und Holland versuchen, fast ohne Geld ein paneuropäisches Projekt auf die Beine zu stellen, müsste das eigentlich mit einem kollektiven Nervenzusammenbruch enden. Stattdessen wurden die Entwerfer mit einem Preis belohnt: Sie sind „Nachwuchsdesigner des Jahres“, nominiert von der Architektur & Wohnen-„Designerin des Jahres“, Paola Navone. In ihrer Dankesrede bei der „A&W“- Preisverleihung formulierte sie, was das Manifest des Unternehmens sein könnte: „Knüpfe die Verbindung zwischen Ost und West, Nord und Süd, Vergangenheit und Gegenwart. Sei nicht zu ernst. Fühle dich überall zu Hause. Sei neugierig.“ Genau so geht das.

Mit nonchalanter Missachtung aller Grenzen ist auch das Projekt „Waschtag“ entstanden: im quietschlebendigen Hort des Nachwuchsdesigns, dem Salone Satellite der Mailänder Möbelmesse. Zwei der dort ausstellenden Gruppen, „Kombinat“ aus Köln und „N2“ aus der Schweiz, beschlossen, die geknüpften Kontakte zu einem Gemeinschaftsprojekt auszubauen. „Das Netzwerk ist die Arbeitsform der Zukunft“, sagt Mark Gutjahr von „Kombinat“. Das Thema „Waschtag“, das sich die sechs Gruppen für ihre erste Zusammenarbeit gesetzt hatten, war mit Bedacht gewählt: Um Kommunikation wie einst am Brunnen sollte es gehen, um den Austausch von Ideen, Materialien und Techniken.

Das Unternehmen begann schleppend, Sponsoren waren nicht in Sicht, zwei Gruppen sprangen wieder ab. Trotzdem standen nach einem organisatorischen Kraftakt sechs Entwürfe zum Thema „Waschen“ friedlich in einer Halle am Kölner Rheinauhafen nebeneinander. Doch damit fing es erst an: Die Zusammenarbeit war auf drei Jahre angelegt. „Entweder könnten sich aus verschiedenen Gruppen zeitlich begrenzt neue Teams zusammenfinden. Oder eine Gruppe beginnt einen Entwurf und reicht ihn an eine andere weiter“, sagt Jörg Zimmermann von „Kombinat“. Design à la „stille Post“ – wie der ganze „Waschtag“ ein kreatives Abenteuer mit ungewissem Ausgang und manchmal schnellem Ende.

 

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Autor:
Franziska Löwenhaupt