Mentorpreis by A&W 1999 Radi (Designergruppe)

An dem umtriebigen Franzosen, Phillipe Starck, mögen sich die Geister scheiden, aber ein Stück vom Superstar Philippe Starck findet sich in nahezu jedem Haushalt. Er stieß auf die Gruppe Radi, als er ihren innovativen Lichtschalter entdeckte. Der Stardesigner engagierte die jungen Talente und nominierte sie bald darauf für den A&W-Mentorpreis.

Hundebank

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Kann man ein Aquarium so gestalten, dass Fische lächeln? Die Frage ist kein Witz: Für ein neues Projekt arbeitet sich Radi in die Psychologie der Fische ein. Kann man eine Aktentasche entwerfen, die den ganzen Menschen verändert? In einer Ausstellung zeigte Radi die Antwort: Wie in einem Schlund verschwindet die Hand in einer röhrenartigen Lederform, die den Griff ins Innere verlegt. Der Taschenträger sieht unwillkürlich aus, als sei er aus einem absurden Theaterstück entwichen. Und kann man weltweite Alltagsgewohnheiten durchbrechen? Etwa das Klingeln – Finger auf den Knopf, und schon läutet es. Geht das nicht anders? Radi baute eine Hupe: Vor der Tür kneift der Besucher in einen Gummibalg, durch einen haardünnen Kanal wird der Luftzug hinter die Tür geleitet, von einem kleinen Trompetenhorn aufgefangen und amplifiziert – auch bei Stromausfall.

Ersten Erfolg hatte Radi mit einem noch kleineren, noch alltäglicheren Objekt. 1995 ersetzten sie die übliche Lichtschalterbuchse im Kabel einer Lampe durch ein Gelenk: Ist es geknickt, wird der Stromkreis unterbrochen; ist es gestreckt, kann der Strom fließen. Als Philippe Starck diesen Schalter sah, suchte er begeistert den Designer und fand schließlich fünf junge Leute, und jeder sagte von sich, er sei „ein Radi“. Radi zu sein, bedeutet mehr, als einem Zusammenschluss von Industriedesignern anzugehören. Das Buchstabensiegel steht für „Recherche – Autoproduction – Design Industriel“, lässt sich international leicht aussprechen und eignet sich auch als Internet-Adresse. Zugleich stehen die Lettern für eine Überzeugung, eine Weltsicht.

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Fotograf:
Florence Doleac, Grégoire Kalt, Marc Domage, Patrick Gries