A&W Designer des Jahres 2005 Richard Sapper

Er hat wie kaum ein anderer Produkte für den Alltag entworfen, die millionenfach benutzt werden. Der Mann hinter den Designklassikern ist gebürtiger Münchner und der A&W-Designer des Jahres 2005.

November 2003, Hamburg: Feierlich wird das Designhotel 25 Hours eröffnet, eine durchgestylte Herberge für vorwiegend junge Leute. Bei der Besichtigung der Räume begeistern sich die Premierengäste vor allem für ein Detail: den Fernseher. Das legendäre Modell „Algol“ von Brionvega ist der heimliche Star des Abends, technisch zwar auf den neuesten Stand gebracht, aber bis auf wenige Änderungen ein Original aus den 60er-Jahren. Verantwortlich für diesen Dauerbrenner des Designs ist Richard Sapper, und unter anderem deshalb ist er der A&W-Designer des Jahres 2005. Der „Algol“ mit seinem abgeknickten, dem Betrachter entgegenblickenden Bildschirm ist nur einer von vielen Entwürfen Richard Sappers, die zu Ikonen der modernen Gestaltung avanciert sind. In der Designabteilung des Museum of Modern Art in New York ist außer dem Designerpaar Ray und Charles Eames niemand auch nur mit annähernd so vielen Objekten vertreten wie Richard Sapper. Und das, obwohl selbst viele Kenner immer wieder überrascht fragen: Ach, das ist auch von Sapper? Die Produkte kennt jeder, deren Gestalter aber kaum jemand. Einige sagen „Ritschet Säpper“; den gebürtigen Münchner scheinen sie für einen Amerikaner zu halten.

Oktober 2004, Mailand, Via Beretta: Richard Sapper, heute 72, sitzt in seinem Studio im Stadtzentrum nahe dem Castello Sforzesco an einem quadratischen Arbeitstisch, dessen Beine auf Verkehrshütchen stehen. Fragt man ihn nach dem Geheimnis seiner Entwürfe, wird Richard Sapper einsilbig. Seine wenig hilfreiche Antwort: „Ein Designer darf seine Arbeit nicht erklären.“ Aber seine Produkte dürfen – und können. Äußerlich gibt es so gut wie keine Gemeinsamkeiten, keine Handschrift, keinen typischen Sapper-Stil. Es sind ihre inneren Werte, die sich als intelligente Problemlösung definieren lassen. Bei allen seinen Arbeiten geht es um Antworten auf die entscheidenen Fragen: Was ist das Problem? Was muss das Produkt können? Wie macht es sich am besten nützlich? Und fast immer ist der Ausgangspunkt eine technische Herausforderung, die es zu meistern gilt. Richard Sapper duckt sich hinter dem Monitor seines Laptops. Seine Art, Fragen zu ignorieren.

Er ist kein Mann für Interviews. Außerdem ist er beschäftigt. Er sucht nach Beispielen, die das Prinzip seiner Arbeit verständlich machen. Wenn er das Richtige gefunden zu haben glaubt, schaut er triumphierend auf, lehnt sich zurück und fixiert mit fröhlichen blauen Augen unter buschigen, weißen Brauen seinen Geprächspartner: „Die Uhr hier habe ich 1959 für die Firma Lorenz gemacht. Sie wird immer noch hergestellt.“ Die Tischuhr „Static“, eine Röhre, die sich in waghalsiger Schieflage auf eigentlich viel zu kleiner Grundfläche hält und sich, wenn sie doch mal umfällt, in Stehaufmännchenmanier allein wieder aufrichtet. Richard Sapper zieht einen Mundwinkel zu einem listigen Lächeln hoch. Die Erinnerung an die Entstehung und Entstehungszeit des Objekts scheint ihm Spaß zu machen.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Giovanni Castell