A&W Designer des Jahres 2001 Ross Lovegrove

Der Waliser Ross Lovegrove wurde zum A&W-Designer des Jahres 2001 gewählt, weil seine Projekte Natur und Technik vermählen, weil er Produkte mit haptischem Lustgewinn entwickelt, weil seine Träume und Visionen liebenswert – und ein Zeichen für das 21. Jahrhundert sind.

Der Name rollt auf der Zunge und hört sich an wie ein PR-cleveres Pseudonym – Ross Lovegrove. Klingt sexy. Wer so heißt, hat das Zeug zum Star in der Tasche. Lovegrove (auf Deutsch: Liebeswäldchen) hat es im Blut. Für ihn gilt wirklich „nomen est omen“, denn Lovegrove ist einer, der den Wald liebt – und neben ihm die Natur per se, die er mit seiner Arbeit thematisiert. Der britische Designer, 47, ist Absolvent des Royal College of Art und seit ein paar Jahren schillernde Persönlichkeit der internationalen Designerszene. Optisch unverwechselbar, markant wie ein gutes Markenzeichen, ist sein Erscheinungsbild: weißes, schütteres Haar, von wenigen schwarzen Streifen durchzogener Graubart – mal voll und akkurat getrimmt, mal nur Kinn und Oberlippe schmückend. Die verblichene Haarfarbe täuscht, Augen und Hände verraten es: Lovegrove ist ein großer Junge, einer der vor Energie brennt, der Kunden, Kollegen und Journalisten mit seiner Liebe und Leidenschaft für „organische Formen“, „menschliches Design“, für eine „bessere Welt durch die Schönheit von Dingen, die sinnlich sind“ beeindruckt.

Was Ross Lovegrove gestaltet, ist nie eckig, kantig, kalt, rational-funktional. Er fügt der Zweckdienlichkeit seiner Entwürfe stets Formen zu, die Gefühle freisetzen, die Lust auf Anfassen machen – und eine Augenweide sind. Der in den 90er-Jahren viel gepriesene „Minimalismus“ ist ihm suspekt. Er sieht ihn als modische Attitüde von Puristen, die nichts mit der menschlichen Natur zu tun hat (auch wenn sein Kollege Jasper Morrison als Minimalist Karriere gemacht hat). „Die Natur kennt doch keine geraden Linien, sie definiert sich nicht durch coole Ästhetik und Ausschluss von emotionaler Wärme.“ Lovegrove denkt bei „Weniger ist mehr“ eher an „Dematerialismus“: noch weniger Material, noch leichter, noch bio-logischer. Eigentlich sehnt er sich nach der Möglichkeit, Produkte quasi organisch wachsen zu lassen. „Und was der menschliche Geist sich vorstellen kann, wird irgendwann möglich sein“, weiß er.

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Autor:
Barbara Friedrich, Rolf Mecke
Fotograf:
Uli Weber