A&W Mentorpreis 2005 Stefan Diez

An Stefan Diez gefiel dem Altmeister Richard Sapper mehr als nur eine sehr ähnliche Art, Dinge zu entwerfen: Sapper arbeitet heute noch mit Papier und Schere, Diez an der Werkbank mit Alu und Holz. Beide sehen sich vor allem als Erfinder, so dass er ihn für den A&W-Mentorpreis nominierte.

Seine Stirn legt sich in Falten. Der Blick geht Hilfe suchend in die Ferne. Ein tiefer Seufzer. Also, Interviews sind seine Sache nicht. „Es ist leichter, einen Löffel zu entwickeln als darüber zu reden“, entschuldigt sich Stefan Diez. Gut, dass er Designer geworden ist und nicht Anwalt oder Pressesprecher. Andererseits: Vielleicht liegt es nur daran, dass er es nicht gewohnt ist, über sich und sein Werk zu reden. Das wird sich bald ändern. Die Interviewanfragen werden sich häufen. Denn der 33-jährige Münchner kann als Shootingstar der jungen deutschen Designerszene bezeichnet werden. Zurzeit ist er auf mehreren Baustellen gleichzeitig tätig. Und einige sind ziemliche Großbaustellen. Für Rosenthal entwirft er ein komplettes Sortiment Koch- und Essutensilien, Töpfe, Pfannen, Bestecke, Vorratsbehälter, Orangenpressen, Pfeffermühlen – alles eben.

Viel zu tun. Gut so. Etwas schaffen. Mit seinen Händen. Das ist sein Element. Auch wenn er erzählen soll, hat er gern etwas in der Hand. Stefan Diez befühlt einen Verschluss für eine der Vorratsdosen der Rosenthal-Serie. Nicht irgendein Deckel, eine Erfindung von ihm. Das Gummi umschließt eine Plastikscheibe, die unter Spannung steht. Drückt man den Deckel auf die Dose, schnappt er zu und verschließt den Inhalt luftdicht. Über 200 Objekte umfasst die Kollektion. „Schon erstaunlich, dass Rosenthal einem Anfänger so einen Auftrag gibt“, freut sich der Jungdesigner.

Wenn er redet, rrrollt das R, dass die Luft vibriert. Stefan Diez, Typ moderner Errol Flynn, ist ein echter Bayer, 1971 geboren in Freising, nördlich von München. Vater, Großväter, Urgroßväter, alle waren Schreiner und Kunsttischler. Auch Stefan Diez macht eine Schreinerlehre. Er will Architekt werden. Aber bei einem Besuch in der Kunstakademie in Stuttgart sieht der Lehrling eine Gruppe angehender Gestalter, die gerade einen Föhn entwirft. Begeistert beobachtet Diez, wie 3-D-Computeranimationen des Haartrockners erstellt werden, wie Modelle in Originalgröße entstehen. „So etwas wollte ich auch machen.“ Mit weichen Knien übersteht er wenig später die Aufnahmeprüfung unter dem Vorsitz von keinem Geringeren als Richard Sapper, dem A&W-Designer des Jahres 2005.

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Robert Fischer