Mentorpreis by A&W 2001: Tokujin Yoshioka Tokujin Yoshioka

Der Waliser  Ross Lovegrove wählte den Japaner Tokujin Yoshioka für den Audi Mentorpreis by A&W 2001, wegen seiner Neugierde auf neue Materialien und Produktionsmethoden und seiner Liebe zu Natur und Umwelt – Eigenschaften, die auch den Mentor auszeichnen.

Tokujin Yoshiokas Geschäft heißt Überraschung. Für eine berühmt gewordene Show mit Issey-Miyake-Mode in der Pariser Fondation Cartier ließ er elegante Plisseekleider wie wild gewordene Springbälle auf- und niederhopsen, dehnte sie mit Federn bis zum Bersten und verwandelte die Schleppe einer schwarzen Galarobe zum endlosen, auf eine Kabeltonne gerollten Schlauch. In den Schaufenstern anderer Kunden lässt Yoshioka es schneien, regnen oder beamt optische Spiegelungen von Edelkarossen in die Luft. Und damit der ausgebuffte Kenner ebenso verblüfft vor seinen Inszenierungen stehen bleibt wie der Dreikäsehoch und seine Oma, ist ihm kein Kunststreich zu abenteuerlich. Spiegeltricks, Lichtnebel, technische Folien, Reflektoren, optische Leiter, Kunststoffe von nie gesehener Konsistenz: Seine Trickkiste ist übervoll mit technischen Finessen – was hätten wir auch sonst von einem typischen Japaner erwartet.

Als Spezialist für raffiniertes Space-Design und als jemand, der stets ungewöhnliche neue Materialien benutzt, hat sich Yoshioka einen Namen gemacht. Trotzdem blieb er außerhalb Japans bisher ein Unbekannter. Vielleicht deshalb, weil seine Karriere bis heute eng mit Issey Miyake verbunden ist. Mit neunzehn Jahren absolvierte Tokujin Yoshioka 1986 das Kuwasawa Design Institut, arbeitete anschließend ein Jahr bei dem Möbeldesigner Shiro Kuramata und wurde von ihm an den Modemacher weiterempfohlen. Vier Jahre lang blieb er angestellter Designer, entwarf für Miyake sogar Hüte, wechselte dreimal im Jahr die Schaufensterdekorationen aus und machte sich schließlich 1992 selbstständig.

Seither gehören die Kosmetikfirma Shiseido, BMW, Nissan, Apple, ITT-X, eine Tochter des Mobilfunkkonzerns ITT, und nach wie vor besonders Issey Miyake zu seinen Kunden. Auch für dessen neuestes Mode-Label entwarf Yoshioka die richtige Bühne. A Piece Of Cloth, kurz A-POC, heißt die Marke, auf die sich Miyake zurzeit konzentriert und die im Juli auch im Berliner Vitra Design Museum vorgestellt wird. In endlos hergestellte Stoffschläuche lässt Miyake Schnittmuster einweben, die dann nach Kundenwunsch zurechtgeschneidert werden. Eine Geschäftsidee, die individuelle Designermode und Massenproduktion zur Deckung bringt.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Alessandro Paderni, Hermés Japon, Kartell spa, Masayuki Hayashi, Nacasa & Partners Inc., Robert Fischer, Ryota Atarashi, Shinkenchiku-Sha, Tom Vack