A&W-Designer des Jahres 2011 Tokujin Yoshioka

Er entwirft Möbel - unsichtbar wie Luft, Sessel wie Bienenwaben, Installationen wie ein Wolkengebilde: Die Arbeiten des Japaners sind inspiriert von Naturphänomenen. Tokujin Yoshioka ist der A&W-Designer des Jahres 2011

The Material Boy nannten wir den von Ross Lovegrove, dem A&W-Designer des Jahres 2001, als Nachwuchstalent auserkorenen jungen Japaner – weil er mit neuen Materialien experimentierte und in Anspielung auf Madonnas Hit. Der 1967 in Saga geborene Tokujin Yoshioka (der Familienname steht vor dem Rufnamen) war damals in Deutschland – und weitgehend in Europa – unbekannt.

Der Absolvent des renommierten Kuwasawa Design Institutes arbeitete nach dem Studium ein Jahr beim legendären Shiro Kuramata (1934–1991), bevor der ihn 1988 dem nicht minder berühmten Modemacher Issey Miyake empfahl. In dessen Atelier blieb Yoshioka vier Jahre lang und gestaltete nicht nur Modeaccessoires, sondern versuchte sich bereits an raffinierten Schaufenster-Dekorationen und aufsehenerregender Ausstellungsarchitektur. Dabei entwickelte er früh die Kunst der Inszenierung, die er wie kaum ein zweiter Gestalter beherrscht; und für die er tief eintaucht in die Welt neuer Materialien und moderner Technologie, handwerklicher Techniken und naturbedingter Phänomene, die seine Phantasie beflügeln – und seine sehr besonderen Designideen erst ermöglichen.

Den Interpreten der Natur nennen wir Tokujin-san anlässlich seiner Wahl zum A&W-Designer des Jahres 2011, zehn Jahre nachdem er den Mentorpreis erhielt. In seinen Entwürfen, ob Möbel oder Ausstellung, verquickt er Natur mit Kunst und Kultur und lotet die Wirkung seiner Kreationen auf die Sinne aus. „Design ist doch nicht nur die Gestaltung von Gegenständen“, erklärt er, „es geht mir vor allem um das Gefühl beim Benutzen und Betrachten der Dinge.“ 2001 stellt er einen Sessel aus Papier vor, der dem Honigwabenprinzip der Bienen nachempfunden ist und wie eine Kinderlaterne entfaltet wird. Sich auf den „Honey-Pop Chair“ zu setzen heißt, ein archaisches Vorurteil zu überwinden. Yoshioka freut sich über das zögerliche Herantasten und die freudige Überraschung des Platznehmenden, wenn er realisiert, dass die Papierstruktur trägt.

 

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Autor:
Barbara Friedrich, Jan van Rossem
Fotograf:
Giovanni Castell