Design Hersteller und Designer von A-B

Hersteller und Designer mit A

Casablanca von Abet Laminati

„Casablanca“ mit „Bacterio“-Decor, Ettore Sottsass (Memphis)

ABET LAMINATI

Es beginnt als reiner Zulieferbetrieb – doch das Unternehmen aus dem piemontesischen Bra entwickelt sich ab 1957 mit seinen Schichtstoffplatten zu einem interessanten Partner für Architekten. In den 60er-Jahren wirbt Gio Ponti für Laminat als bisher unterschätztes Gestaltungsmaterial und so entwerfen auch Mario Bellini, Joe Colombo und Enzo Mari bald Laminat-Möbel für das Kaufhaus La Rinascente. Der große, auch internationale Durchbruch gelingt Abet mit den Avantgarde-Designgruppen Alchimia und Memphis, die Laminat-Beschichtungen großflächig wie nie verwenden. „Bacterio“ heißt das provokante Muster, das Ettore Sottsass 1978 mit dem Unternehmen entwickelt und es später z. B. über sein Sideboard „Casablanca“ zum Signet der Memphis-Bewegung macht. abet.de

„Vieques“ von Patricia Urquiola

„Vieques“ , Patricia Urquiola

„Woodline“, Benedini Associati

„Woodline“, Benedini Associati

AGAPE

Bis heute ist der 1973 von den Brüdern Giampaolo und Emanuele Benedini gegründete Badausstatter in Familienhand. Showrooms in aller Welt sorgen für den Großteil des Umsatzes, doch alle Entscheidungen werden am Firmensitz in Mantua getroffen. Die Produkte von Agape, oft noch von den Inhabern selbst designt, lieben den starken visuellen Auftritt – und nichts eignet sich dafür besser als große frei stehende Badewannen. „Woodline“ aus Schichtholz etwa gibt sich in der Außenansicht grafisch streng, überrascht dann aber mit einem ergonomischen Inlay, elegant wie eine Chaiselongue. Ebenso ikonisch wirkt „Vieques“ von Patricia Urquiola, eine stählerne Reminiszenz an den historischen Badezuber. Komfort und Ästhetik sollen nach den Vorstellungen von Agape das Bad zu einem stimulierenden Ort machen. Ein Anspruch, der im Concept-Store in der Mailänder City immer neu interpretiert wird – seit Kurzem auch mit klassischen Möbelobjekten des 2012 verstorbenen Designers Angelo Mangiarotti, die dem neuen Label Agape Casa einen viel beachteten Start im Wohnbereich bescheren. agapedesign.it

„Apocalisse“, Pepe Tanzi

„Apocalisse“, Pepe Tanzi

ALBUM

Sein Credo ist simpel und eindeutig: Bringe das Licht dorthin, wo du es wirklich brauchst; was er daraus macht, ist vielschichtig: Der Designer Pepe Tanzi gründet 1987 gemeinsam mit Geschäftspartner Giuliano Cavana das Unternehmen Album in der Nähe von Monza, um seine Vorstellung von technisch sinnvollen, aber immer dekorativen Leuchten umzusetzen. Der bildhafte Firmenname ist durchaus wörtlich gemeint; die Album-Kreationen reichen von Hängeleuchten, die an Gestirne erinnern, über Nachtlichter mit einem strahlenden Herz in einer Flasche bis zu Vasen, die einen leuchtenden Blumenstrauß beherbergen. Die meisten Leuchten sind aus mundgeblasenem Glas gefertigt, sodass jedes Stück ein Unikat ist. Ganz neu im Programm sind Leuchten für den Outdoorbereich. album.it

„Togo Roma“ in Alcantara, Michel Ducaroy (Ligne Roset)

„Togo Roma“ in Alcantara, Michel Ducaroy (Ligne Roset)

ALCANTARA

Alcantara ist ein eingetragenes Markenprodukt; die gleichnamige Firma sitzt in Mailand. Der in den 70er-Jahren entwickelte Mikrofaservliesstoff Alcantara basiert auf Polyester und Polyurethan und erinnert haptisch an Veloursleder, sein Trumpf ist die hohe Strapazierfähigkeit und die Multifunktionalität. Pflegeleicht, elastisch und allergieneutral zeigt er sich ideal als Bezugsstoff für Möbel, Autositze und für die Raumgestaltung – und einzigartig in diesem Mix von Sinneserfahrung, Ästhetik und Funktionalität. Produziert wird im umbrischen Nera Montoro, wo sich das Unternehmen engagiert der Nachhaltigkeit verpflichtet hat. Hier forscht ein Entwicklungszentrum nach Lösungen für Kundenwünsche und individuelle Anwendungsbereiche; dazu werden auch Designerstars wie Paola Navone zu Neu-Interpretationen des Materials eingeladen. alcantara.com

Zitruspresse „Juicy Salif“, Philippe Starck

Zitruspresse „Juicy Salif“, Philippe Starck

Besteckserie „Mu“, Toyo Ito

Besteckserie „Mu“, Toyo Ito

ALESSI

Kaum ein Unternehmen hat vom Boom des italienische Designs so profitiert wie Alessi – gerade weil es ihn mutig angetrieben und sich mit ihm von der Metallmanufaktur zur gewitzten Ideenfabrik gewandelt hat. Die Wurzeln des heute globalen Unternehmens liegen in Crusinallo/Omegna am Ortasee im nördlichen Piemont. Die Bewohner dieses Ortes beherrschen noch heute die traditionellen Fertigkeiten des Holz- und Metallhandwerks. Hier gründet Giovanni Alessi 1921 einen kleinen Metallbetrieb. Sein Sohn Carlo entwirft in den 30er- und 40er-Jahren die Produkte wie Töpfe und Bestecke selbst, bis er Anfang der 50er-Jahre die Leitung der Firma übernimmt und erste externe Designer mit Entwürfen betraut. 1970 steigt mit Alberto Alessi die dritte Generation ins Unternehmen ein und beginnt einige Jahre später die Zusammenarbeit mit Alessandro Mendini als Berater und Netzwerker, der der Firma immer wieder neue, ganz unterschiedliche Gestalter zuführt. So wird besonders die Ära der Postmoderne zur goldenen Wachstumsphase von Alessi, als prominente Architekten aus aller Welt Kleinobjekte für den Tisch entwerfen; Wasserkessel von Michael Graves oder Richard Sapper werden ebenso zu Bestsellern wie Espressokannen von Aldo Rossi, Flaschenöffner von Mendini oder Comic-Gewürzobjekte von Stefano Giovannoni. Neben Küchen- und Tisch-Accessoires stellt Alessi auch andere Haushaltsgegenstände her, etwa Uhren, Stühle und seit Kurzem auch Leuchten. Sehr erfolgreich ist ein Sanitär-Programm zusammen mit Laufen und Oras: „Il Bagno Alessi“. alessi.it

„Spaghetti-Chair“, Giandomenico Belotti

„Spaghetti-Chair“, Giandomenico Belotti

ALIAS

Ihr Debüt feiert die Firma 1979 mit dem berühmten „Spaghetti-Chair“ von Giandomenico Belotti – eine absolute Ikone und unendlich oft kopiert. Das revolutionäre Leichtgewicht aus dünnen Kunststoffschnüren, die ein Metallgerüst umspannen, wird in die ständige Sammlung des New Yorker MoMA aufgenommen und steht programmatisch für alle Entwürfe, die die Firma seitdem auf den Markt bringt: keine gefälligen, austauschbaren Möbel, vielmehr Objekte mit Charakter, gerne mal sperrig und spröde, immer aber richtungsweisend innovativ. Designern wie Alberto Meda, Riccardo Blumer, Michele De Lucchi und Alfredo Häberli, 2009 „A&W-Designer des Jahres“, bietet Alias so die ideale Spielwiese, ihre kreativen Material- und Formexperimente zur Marktreife zu bringen. Diese anhaltende Neugier wird nicht nur kommerziell belohnt, sondern mit vielen prestigeträchtigen Auszeichnungen – etwa dem „Design Preis Schweiz“ und dem „Compasso d’Oro“. aliasdesign.it

„Alabastro Oniciato“

„Alabastro Oniciato“

ANTOLINI

„Blue Notte“, „Irish Green“, „Black Cosmic“ – nein, das sind keine Drinks, auch keine Parfüms, es sind Produkte des Naturstein-Spezialisten Antolini. Das familiengeführte Unternehmen, das seit über 90 Jahren aktiv ist, hat seinen Sitz in Verona und produziert in Sega di Cavaion in der Nähe der Etsch. Hier lagern Marmor, Granit, Onyx, Travertin oder Kalkstein aus allen Teilen der Welt, um mit ihren oft frappierenden Farben und Zeichnungen Privathäuser und Büros, Lounges oder Showrooms zu schmücken. In der Luxury Collection locken schillernde Sorten mit Gold-, Silber- oder Perlmuttglanz, und besondere Steine können auch mit Swarovski-Kristallkreationen veredelt werden. Mit patentierten Techniken kann Antolini Steine sogar mit Textil-Strukturen, dekorativen Natur-Motiven, Parkettoder Backstein-Mustern verfremden. antolini.com

„Al Tuba“, Carlo Colombo

„Al Tuba“, Carlo Colombo

ANTONIOLUPI

Mit der Produktion von Spiegeln und Glas-Accessoires startet 1950 der damals erst 18-jährige Antonio Lupi sein Unternehmen, eine wagemutige Idee – jedenfalls für die Gegend, in der seine Firma angesiedelt ist. Das Örtchen Stabbia ist wie die übrige Provinz Florenz traditionell eher für das Gerber- und Schuhmacher-Handwerk bekannt. Aber Antonio Lupi hat Erfolg mit seinem Plan und produziert künstlerische Spiegel, Leuchten und Regale für den Badbereich. Nach und nach erweitert er das Programm um Wannen, Waschbecken und andere Sanitärprodukte. Inzwischen haben seine vier Kinder das operative Geschäft unter Führung von Patrizia Lupi übernommen und namhafte Gestalter wie Carlo Colombo entwerfen für das Familienunternehmen. Mit neuen eleganten Kamin-Designs entwickelt sich der Anbieter für Badeinrichtungen immer weiter in Richtung Wohnraum. antoniolupi.it

„Convivium“, Antonio Citterio

„Convivium“, Antonio Citterio

ARCLINEA

Rund um eine Schreinerei, deren Wurzeln bis 1816 zurückreichen, gründet Silvio Fortuna im venezianischen Örtchen Caldogno 1925 einen Betrieb unter seinem Namen und legt damit den Grundstein für die heutige Firma. 1960 wird das Unternehmen in Arclinea umbenannt – und der Name zum Programm. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Schreiner- zum Serienmöbel und dann schnell zur Küche im Baukastensystem. Schon 1963 präsentiert Arclinea in Mailand die erste Einbauküche mit integrierten Elektrogeräten, und der Marke gelingt es, italienische Lebensart mit hohem Anspruch an Funktionalität, Ergonomie und innovativer Technologie zusammenzubringen. In den 1980er- und 1990er-Jahren ist Antonio Citterio Chefdesigner und etabliert nach und nach die Profiküche als Leitbild, später setzt er Trends wie die immer offener werdende Küche und schafft einen fließenden Übergang zum Wohnraum. Das Unternehmen, heute von den drei Enkeln des Firmengründers geleitet, ist inzwischen in über 30 Ländern vertreten. arclinea.it

„Marenco“, Mario Marenco

„Marenco“, Mario Marenco

„Katrin“, Carlo Colombo

„Katrin“, Carlo Colombo

ARFLEX

Die Geschichte der Mailänder Firma Arflex beginnt 1947, als der Architekt Marco Zanuso im Auftrag von Pirelli mit ein paar Technikern versucht, Möbel aus Schaumstoff und Gummigurten zu kreieren. Auf der Triennale in Mailand 1951 werden Arflex-Produkte dann erstmals vorgestellt. Die Lust am Experimentieren bleibt und Zanusos Erfolgsstücke werden Kult; mit beschwingten Formen und poppigen Farben trägt Arflex in den 50ern bis 70ern ein gutes Stück dazu bei, italienisches Design weltweit populär zu machen. Zu den Entwerfern der Sofas, Stühle, Betten und Tische, die das Werk in Giussano in der Brianza verlassen, zählen neben Zanuso im Laufe der Jahre auch Franco Albini, Cini Boeri, Burkhard Vogtherr, Carlo Colombo, Claesson Koivisto Rune oder Vincent van Duysen. Arflex-Meilensteine stehen heute in vielen Design-Museen: von der Triennale in Mailand bis zum MoMa in New York. arflex.it

Monica Armani

Monica Armani

„Tred“ (Moroso)

„Tred“ (Moroso)

ARMANI, MONICA

Sie will ihre Welt und die ihrer Kunden aufräumen, von unnötigem Ballast befreien. Und dafür entwirft Monica Armani, 1964 als Tochter eines Architekten geboren, in ihren Studios in Trient und Mailand streng geometrische Möbel, die so wenig wie möglich Raum und Aufmerksamkeit beanspruchen, dabei aber so viel wie möglich Funktionalität und Lebensqualität bieten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Luca Dallabetta, der sich meist um die technischen Details der Projekte kümmert, bringt sie seit Jahren erfolgreiche Möbelkollektionen auf den Markt, mit denen man ein Haus komplett einrichten könnte: Küchenzeilen, Bäder-Interieurs, Wohnzimmer-, Arbeits- und Esstische, Regale, Stühle – alle Modelle sprechen die gleiche reduzierte, aber nicht dogmatisch minimalistische Formensprache. Und immer achtet sie dabei auf den Einsatz hochwertiger Materialien und eine perfekte Verarbeitung, Details, die ihre Auftraggeber aus der höchsten Liga zu schätzen wissen: Monica Armanis Werke findet man inzwischen in den Kollektionen von B&B Italia, Boffi, Moroso, Gallotti & Radice oder Poliform. monica-armani.com

 „Catifa“, Lievore Altherr Molina

„Tred“ (Moroso)

ARPER

Dem größten Erfolg, dem Modell „Catifa“ des spanischen Designerteams Lievore Altherr Molina begegnet man in zahlreichen Variationen inzwischen auf der ganzen Welt. Dabei bedeutet der grazile Stuhl mit der extrem schlanken Polypropylen-Schale für das Unternehmen aus der Provinz Treviso zunächst technologisches Neuland. Denn als Luigi Feltrin mit seinen Söhnen Claudio und Mauro die Firma 1989 gründet, verfügt die Familie vor allem über Know-how in der Lederverarbeitung. Der internationale Durchbruch gelingt dank der Zusammenarbeit mit dem Designstudio Lievore Altherr Molina, denen gleich mehrere neue Klassiker glücken. Rodolfo Dordoni, Jean-Marie Massaud, Ichiro Iwasaki, Simon Pengelly und zuletzt James Irvine liefern immer neue, überraschende Stuhl- und Sessel-Interpretationen. „Unsere Stärke sind technologische Experimentierfreude und das Wissen um Nachhaltigkeit“, sagt CEO Claudio Feltrin. arper.com

„Tolomeo“, Michele De Lucchi

„Tolomeo“, Michele De Lucchi

ARTEMIDE

1960 von Ernesto Gismondi und Sergio Mazza in Mailand gegründet, versucht Artemide sein Glück anfangs auch mit Möbeln und dann in den euphorischen Memphis-Jahren noch einmal. Seinen Weltruf aber erarbeitet sich das Unternehmen mit brillanten Leuchten. Die ersten zeichnet Gismondi, eigentlich ein Raumfahrtingenieur, unter dem Pseudonym Örni Halloween noch selbst, hat dann aber die Königsidee. „Ich hab’ einfach“, erinnert er sich selbstironisch, „jeden Architekten, der gerade in Mailand baute, angerufen, ob er nicht Lust hätte, sich an einer Leuchte zu probieren.“ Mit den Jahren kommt so ein beachtlicher Katalog zusammen und immer wieder gelingt es, den Zeitgeist punktgenau aufleuchten zu lassen. In den coolen 80er-Jahren wird Richard Sappers Halogen-Galgen „Tizio“ zum Kultobjekt, eine Dekade später Michele De Lucchis „Tolomeo“ zum Symbol einer neuen Bescheidenheit – Bestseller sind beide bis heute. Was Artemide die Gelassenheit gibt, den Wandel zu neuen Lichttechnologien mit Stars wie Ross Lovegrove bis zu Herzog & de Meuron formal beherzt anzugehen. Auch Inhaber Gismondi und seine Frau Carlotta de Bevilacqua entwerfen wieder mit – längst aber unter eigenen Namen. artemide.de

Hersteller und Designer mit B

„Grande Papilio“, Naoto Fukasawa

„Grande Papilio“, Naoto Fukasawa

„J.J.“, Antonio Citterio

„J.J.“, Antonio Citterio

B&B Italia

Mit einem mutigen Geniestreich gründen Cesare Cassina und Piero Ambrogio Busnelli 1966 ihre gemeinsame Firma, die anfangs noch nach ihren Inhabern „C&B“ heißt – sie glauben früh und konsequent wie niemand sonst an die neue Technologie kaltgeschäumten Polyurethans. Mit gewagten, optimistischen Entwürfen katapultiert sich das Unternehmen an die Weltspitze der Schaumstoffmöbel-Hersteller. Die legendäre Serie „Up“ von Gaetano Pesce wird zum Pop-Symbol der 60er-Jahre und steht heute in jedem Designmuseum der Welt. 1973 scheidet Cesare Cassina aus und „C&B“ wird zu „B&B Italia“. Zwischen Mailand und Como entsteht das legendäre technologische Forschungszentrum, gebaut von Richard Rogers und Renzo Piano, immer wieder werden große Designernamen in den Firmenkatalog aufgenommen: Mario Bellini, Jeffrey Bernett, Vico Magistretti, Naoto Fukasawa, Paolo Piva, Afra und Tobia Scarpa. Vor allem aber: Antonio Citterio und Patricia Urquiola – im Firmen-Designanspruch zwischen Innovation und Noblesse sind sie es, die Kontinuität garantieren. Erfolgreich sind die Kollektionserweiterungen Richtung Outdoor-Möbel, während die klassische Linie Maxalto, für die ausschließlich Citterio entwirft, für Möbel mit handwerklichem Touch steht. bebitalia.it

„Manhattan“, Alessandro Piva

„Manhattan“, Alessandro Piva

BAROVIER&TOSO

Dekorative Leuchten aus Murano-Glas sind das glänzende Geschäft von Barovier&Toso, einem der ältesten Familienunternehmen der Welt – denn die Geschichte der Barovier lässt sich bis 1295 zurückverfolgen; Toso, ebenfalls eine alte Murano-Familie, kommt 1939 hinzu. Aus dieser Geschichte schöpft das Unternehmen sein Selbstverständnis: perfektes Kunsthandwerk, nobelstes Image. Neben Kollektionen von Kronleuchtern, Wand-, Decken- und Tisch-Leuchten in klassischer, aber auch junger Eleganz fertigt es auch exklusive Unikate für Showrooms und Hotelhallen; zur First-Class-Klientel gehören Louis Vuitton, Dolce&Gabbana, Cartier, Hyatt oder Ritz-Carlton. Neue Formideen kommen u. a. von Matteo Thun, Daniela Puppa, Franco Raggi, Rodolfo Dordoni und Marc Sadler. Ihre Produkte sind in Showrooms in Murano und Mailand zu bestaunen, antike im Barovier&Toso-Museum in Venedig. barovier.com

„Chester Moon“, Paola Navone

„Chester Moon“, Paola Navone

BAXTER

Die Lederverarbeitung ist in der Möbelindustrie bis heute am wenigsten automatisiert – ein Glück für Baxter, denn genau von diesem Handwerk verstehen sie eine ganze Menge. Seinem Faible für englische Möbel folgend gründet Luigi Bestetti das Unternehmen 1987, Neffe Paolo ist heute CEO. Leder steht nach wie vor im Zentrum der Kollektionen, beste Qualitäten werden mit manueller Raffinesse zu hochwertigen Polsterstücken verarbeitet. Aus dieser Tradition und der Zusammenarbeit mit bekannten Designern wie Paola Navone, Matteo Thun und Antonio Rodriguez, Piero Lissoni und Roberto Lazzeroni entstehen Sofas, Sessel und Betten, aber auch Tische und Beistellmöbel mit immer wieder neuen Interpretationen des Bewährten. So verleiht Paola Navone mit dem Sofa „Chester Moon“ alleine schon durch die XXL-Dimensionen der historischen Chesterfield-Optik einen jungen, frischen Look und ihr Programm „Rimini“ hat ganz neue Einsatzorte im Blick: Die Liegen aus Kupferrohr wagen sich mit wetterfester Lederbespannung ins Outdoorsegment. baxter.it

Mario Bellini

Mario Bellini

„Le Bambole 07“ (B&B Italia)

„Le Bambole 07“ (B&B Italia)

BELLINI, MARIO

Können Büromaschinen sexy sein? Spätestens seit Mario Bellini (*1935) sind sie es. Unter seiner Art Direction bekommen Olivetti-Rechenmaschinen in den 1960er-Jahren bunt laszive Gummihäute übergezogen; ein Effekt, der zu Bellinis Markenzeichen wird, auch als er Möbel entwirft. Sein „La Bambole“-Sofa für B&B Italia ist Anfang der 70er-Jahre nicht nur ein fröhlich-pralles Optimismus-Statement, sondern gibt sich doppelt neu. Es hat keine Beine, dafür aber eine durchgestaltete Rückseite und kann damit frei im Raum stehen. Noch oft spielt Bellini mit der Hülle als Gestaltungselement und schafft es mit dem blau bezogenen „Figura“-Sessel für Vitra bis in den Berliner Reichstag. Neben Arbeiten für Cassina, Driade oder Poltrona Frau wendet er sich seit den 80er-Jahren verstärkt der Architektur zu, verantwortet z. B. in Frankfurt am Main den ökologischen Umbau der Deutsche-Bank-Bürotürme, entwirft aber auch viel gelobte Ausstellungsarchitekturen zu Renaissance- oder Barock-Themen. Nach einigen gemeinsamen Projekten hat sich 2006 Sohn Claudio Bellini (*1963) mit eigenem Büro – aber durchaus vergleichbarem Talent und Kundenkreis – selbstständig gemacht. bellini.it

Francesco Binfaré

Francesco Binfaré

„Flap“ (Edra)

1 „Flap“ (Edra)

BINFARÉ, FRANCESCO

Francesco Binfaré, 1939 in Mailand geboren, erweitert das Möbeldesign nicht nur um künstlerische Elemente, sondern vor allem um technische Finessen. Lange ist er Entwicklungs-Direktor des Forschungszentrums, noch länger Art Director von Cassina, bis er sich mit eigener Beratungsfirma selbstständig macht. Er wird immer dann um Rat gefragt, wenn es schwierig wird. So ist er es, der Toshiyuki Kitas verstellbaren Liegesessel „Wink“ oder Gaetano Pesces Filz-Objekt „I Feltri“ zur Serienfertigung bringt. Er lehrt an der Mailänder Domus Academy und am Londoner Royal College of Art und entwirft seit 2000 auch in eigenem Namen Möbel. Etwa für Magis und für Edra, wofür seine berühmtesten Stücke entstehen – meist sind es raumgreifende und -bestimmende Lounge-Sofas wie „Flap“, eine vielfach klapp- und verstellbare Couch mit spektakulärem asymmetrischen Swing. francescobinfare.it

 Fondazione Bisazza, Vicenza

Fondazione Bisazza, Vicenza

BISAZZA

Die edel schimmernden gläsernen Mosaiksteinchen finden sich in Nobelrestaurants und Wellnesshotels genauso wie in Museen und Moscheen, in Bahnhöfen, Bars oder auf Kreuzfahrtschiffen. Die Firma wird 1956 in Alte, nahe Vicenza, gegründet und zählt heute fast 1000 Mitarbeiter. Seit den 1990er-Jahren engagiert Bisazza für die Entwurfsarbeit zahlreiche Künstler und Designer mit bewusst unterschiedlichen Handschriften, darunter Größen wie Sandro Chia, Romeo Gigli, Michael Graves, Fabio Novembre, Fabrizio Plessi, Andrée Putman, Ettore Sottsass oder Marcel Wanders. Neben der Bewahrung traditioneller Herstellungsmethoden von Glasmosaiken experimentiert Bisazza aber immer mit neuen Technologien und Effekten, vom historisierenden Zitat bis zum sphärischen Großbild. Um ihre Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, eröffnen die Geschwister Rossella und Piero Bisazza im Sommer 2012 die beeindruckende „Fondazione Bisazza“ in Montecchio Maggiore vor den Toren Vicenzas. bisazza.de

Cini Boeri

Cini Boeri

„Ghost“ (Fiam)

„Ghost“ (Fiam)

CINI BOERI

Die Mailänderin Cini Boeri, Jahrgang 1924, ist heute als Grande Dame des italienischen Designs noch genauso eine Ausnahmerscheinung wie in ihren jungen Jahren. Sie studiert am Polytechnikum und wird dort später selbst Professorin, arbeitet ab 1952 im Studio von Marco Zanuso, bis sie 1963 ihr eigenes Büro gründet. Ihre Entwürfe vereinen Rationalität, Sinnlichkeit und ästhetische Spannung; typisch sind reduzierte Grundformen und besondere Materialien – gern auch zunächst noch fremde wie Kunstschaum, Glas oder Polyurethan. Die Skala ihrer Entwürfe reicht vom Türbeschlag bis zum Sofa und von der Stehleuchte bis zum Regalsystem, sie arbeitet für Artemide, Arflex, Fiam, Knoll und Magis. Berühmt werden ihr Tisch „Lunario“ (Knoll), ihr Sofa „Strips“ (Arflex) und ihr leicht wirkender, in Wirklichkeit aber massiver Glas-Sessel „Ghost“ für Fiam.

„K20“ in Corian, Norbert Wangen

„K20“ in Corian, Norbert Wangen

„Iceland“, Piero Lissoni

„Iceland“, Piero Lissoni

BOFFI

Die Benchmark für italienische Luxusküchen wird von Boffi gesetzt. Dino, Pier Ugo und Paolo Boffi treten 1947 in die Firma des Vaters Piero ein und trimmen die Fabrik für Küchenmöbel technisch zunehmend in Richtung Systemmöbel, optisch aber zum singulären Auftritt. Bis heute werden alle Boffi-Produkte am Firmensitz Lentate sul Seveso nördlich von Mailand gefertigt; neben der Küche kümmert sich Boffi mit gleicher Leidenschaft auch ums Bad, ergänzt durch Kleiderschränke, Regale und Accessoires. Immer gilt als Klammer die Suche nach dem Besonderen, nach innovativen Lösungen, die bei aller geometrischen Strenge eine lässige, italienische Lebensart vermitteln. Nirgendwo wird das so deutlich wie bei den Küchen, die unter der Leitung des externen Art Directors Piero Lissoni entwickelt werden. Faszinierend ist jedes Jahr zu beobachten, wie trotz strikter Firmen-DNA immer wieder neue Designer-Handschriften wie etwa die von Norbert Wangen oder von Monica Armani in den Boffi-Katalog integriert werden. boffi.com

„Eos“, Mario Mazzer

„Eos“, Mario Mazzer

Sofatische „Voilà“, Max Piva

Sofatische „Voilà“, Max Piva

BONALDO

Alles beginnt mit Betten und ihren Stahlrahmen. Das 1936 von Giovanni Vittorio Bonaldo noch als Manufaktur gegründete Unternehmen baut sich über die Jahre eine Metallkompetenz ohnegleichen auf, entwickelt daraus immer aufwendigere Tische und Stühle und setzt seit seinem ersten Auftritt auf der Mailänder Möbelmesse 1971 zunehmend auf den Export. Heute werden für die Möbelentwürfe auch immer mehr Kunststoffe erforscht, neue Legierungen getestet und die Einsatzmöglichkeiten von druckgegossenem Aluminium im Wohnbereich ausgelotet. Dass hinter den ehrgeizigen technologischen Ansprüchen die Formensprache nicht zurückfällt, dafür sorgen Designerstars wie Ron Arad, Toshiyuki Kita, Massimo Iosa Ghini, Luca Nichetto oder Denis Santachiara; gelegentlich lädt Firmenchef Albino Bonaldo auch bewusst Exzentriker wie Karim Rashid zu Entwürfen ein. Der Produktkatalog umfasst inzwischen vom Esstisch bis zum Doppelbett und vom Sofa bis zum Regal die ganze Welt des Wohnens mit dem Focus auf intelligente, platzsparende und multifunktionale Entwürfe. Stolz der Firma ist seit 2001 der 6000 qm-Showroom von Mauro Lipparini am Gründungssitz in Borgoricco bei Padua. bonaldo.it

Andrea Branzi

Andrea Branzi

„Trees“ (Carpenters Workshop Gallery)

„Trees“ (Carpenters Workshop Gallery)

BRANZI, ANDREA

Der Begriff des Radical Design, mit dem sich italienische Architekten und Gestalter von der Tradition des Bel Design der unmittelbaren Nachkriegszeit absetzen, wird vor allem von Andrea Branzi mit Leben gefüllt, ihm widmet er bis heute Produkte, Projekte und Theorien. Branzi, 1938 in Florenz geboren, ist außerdem Gründungsmitglied der Gruppe Archizoom, die den Begriff des Anti-Design populär macht. Von 1966 bis zur Auflösung 1974 gehört Branzi der radikalen Avantgardegruppe an, die Designklassikern und modernem Städtebau ihre ironischen Entwürfe entgegenstellt. Mit Archizoom entsteht 1969 der programmatische Sessel „Mies“ – ein scharfkantiger Liegestuhl mit einer Sitzfläche aus gespanntem Latex. 1973 zieht Andrea Branzi nach Mailand und eröffnet dort sein eigenes Designbüro und ist an der Gruppe Alchimia mit ihrer ironischen Bau-Haus-Kollektion ebenso beteiligt wie an der Gruppe Memphis. 1983 ruft Branzi die Domus Academy ins Leben, eine experimentelle Ausbildungs- und Forschungsinstitution, die er bis 1987 leitet. Mit seinem Büro entwickelt er Projekte für zahlreiche Firmen von Alessi bis Zanotta. Zu Andrea Branzis jüngeren, künstlerischen Arbeiten gehört die Installation „Trees“, bei der er Birkenstämme als halb tragende, halb dekorative Elemente in Regalen und Schränken nutzt. andreabranzi.it

Gabriele Buratti

Gabriele Buratti

Oscar Buratti

Oscar Buratti

BURATTI, GABRIELE + OSCAR

Sie gehören zu den eher verborgenen Namen der italienischen Designszene, was angesichts ihrer Schaffenskraft ziemlich überraschend ist. Nicht nur dass die Brüder Gabriele (*1962) und Oscar (*1967) Buratti gemeinsam mit dem Büropartner Ivano Battiston zahlreiche Wohnhäuser, Firmenzentralen und Shopkonzepte z. B. für die Dessousfirma La Perla oder für Lamborghini und Ducati gestaltet haben, sie finden sich auch mit Möbelentwürfen in den Kollektionen prominenter Hersteller. Zu ihren wichtigsten Kunden zählen Poltrona Frau, B&B Italia, Poliform und Tecno, für die sie Stühle, Tische und Regale in auffallend klarer, gradliniger Formensprache mit durchdachten Details gestalten, die oft erst auf den zweiten Blick oder beim Benutzen positiv auffallen – dezent wie ihre Erschaffer. burattibattiston.it

„Igloo“, Enrico Cesana

„Igloo“, Enrico Cesana

BUSNELLI

Ein bauchiges B als Label markiert die Produkte des Unternehmens Busnelli, seit einem halben Jahrhundert aktiv und seit 1972 in Misinto bei Brianza zu Hause. Dort stehen Polstermöbel im Mittelpunkt, ergänzt von kleinen Tischen, Regalen und Leuchten; frühe Stücke aus den 70er-Jahren bringen es bis ins MoMA in New York. Bekannt und international erfolgreich wird das „B“ durch übergroß-dimensionierte Couchen und Sessel, manchmal dekorativ, überwiegend aber formal klar und immer wertig und repräsentativ – italienisch vom Feinsten. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Sofa-Solitäre ganz in Weiß. Neue Produkte entstehen im firmeneigenen Entwicklungsstudio, das auch Designer-Entwürfe produktionsfähig macht – etwa die von Tito Agnoli, Enrico Cesana, Castello Lagravinese, Marc Sadler, Christophe Pillet oder Claesson Koivisto Rune. busnelli.it

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