Aus einer Hand Italienische Erfolgsgeschichte: Molteni

Eine italienische Erfolgsgeschichte: Aus Molteni, einem soliden Handwerksbetrieb im Norden Mailands, wird gemeinsam mit Designern ein Unternehmen für Italian Style in puncto Wohnen, Küche und Büro.

Das Jahr ’68 brachte den Umsturz. „Damals schlossen wir das Bündnis mit dem Design“, erklärt Carlo Molteni den bis heute wichtigsten Umbruch in der Firmengeschichte seines Unternehmens Molteni&C. Eine Neuorientierung, die er selbst maßgeblich mitgestaltete. 1934 gründete sein Vater Angelo Molteni in Giussano in der Brianza seinen Handwerksbetrieb. Da sich das Gebiet nördlich von Mailand nicht für Landwirtschaft eignete, siedelten sich viele Möbelunternehmen an, von denen einige heute weltbekannt sind. Die Landschaft bot Platz für die expandierenden Firmen, die von der Nähe zum anspruchsvollen Publikum aus Mailand und der Lombardei profitierten. Auch Molteni setzte in der Nachkriegszeit mit ihrem rasch wachsenden Bedarf an Einrichtungsgegenständen auf eine industrielle Möbelfertigung. Produziert wurden zunächst konventionelle Schlafzimmer und Stilmöbel. Erst mit dem Jahr 1968 begann die konsequente Hinwendung zum Design.

Aus dem Handwerksbetrieb formte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Carlo Molteni ab Ende der 1960er-Jahre den international tätigen Industriekonzern, der auf allen relevanten Feldern der Möbelproduktion zu Hause ist. Inzwischen äußerst ungewöhnlich: Molteni ist ein Hersteller, der von der Entwicklung bis zur Endmontage alle Stufen der Fertigung im eigenen Haus erledigt. Ende der 1960er-Jahre beginnt die Phase planvoller Zukäufe. 1969 wird die Firma Citterio, spezialisiert auf Raumteiler, übernommen, 1970 folgt der Büromöbelhersteller Unifor, 1979 der Küchenproduzent Dada.

„Der Teil ist im Ganzen, und das Ganze ist im Teil“, sagt der französische Philosoph Edgar Morin. Das Zitat stellt die Molteni Group ihrem Unternehmensprofil voran. Es passt auf die Firma und ihre Struktur, die von vier italienischen Fertigungsstandorten aus die Märkte aller Kontinente beliefert, ebenso aber auf die einzelnen Entwürfe, die sich modischen, weil kurzfristigen Trends widersetzen – und deren Qualität sich im Zusammenspiel von Konzept, Form und Detail erweist. Als Art-Direktor wirkte lange Jahre Luca Meda (1936–1998). Er entwarf Wohn-, Büro- und Küchenmöbel – Objekte für jeden Raum im Haus. Er schuf Systeme wie das Anbauprogramm „505“, das 1972 entstand und bis heute evolutionär weiterentwickelt wird. Mit „7volte7“ wurde 1988 ein neuer Schranktypus mit Schwungtüren kreiert. Auch mit den Küchen „Vela“ (1986) und „Banca“ (1994) oder mit dem Büromöbel „Misura“ (1984) beeinflusste Meda die Entwicklung von Molteni – und damit der gesamten Einrichtungsbranche.

In den 1990er-Jahren intensivierte die Gruppe, die heute in über 60 Ländern vertreten ist, den weltweiten Vertrieb. Ausgereifte technische Finessen, die dem Nutzer dienen, ohne sich aufzudrängen, sind noch immer eine Spezialität. Designer wie Patricia Urquiola, Arik Levy, Ron Gilad und Rodolfo Dordoni stehen heute für die Marke Molteni, aber auch Architekten wie Jean Nouvel, Norman Foster – und Gio Ponti, dessen neu aufgelegte historische Entwürfe einen überzeugenden Kontrast zu den heutigen Produktlinien bilden. Auch bei individuellen Aufträgen für die Schiffsausstattung oder begehrte Immobilienprojekte ist Molteni&C mit im Spiel – in Kooperation mit Architekten und Designern. So ist die Marke auf Kreuzfahrtschiffen, in Hotels und den Cartier-Boutiquen ebenso präsent wie in den feinsten Hotels in aller Welt – und sogar bei der Bürogestaltung der „New York Times“.