Happy Birthday! 50 Jahre Porsche 911

Der Porsche 911 feiert einen runden Geburtstag. Seit 50 Jahren erzählt er die Geschichte einer Form und eines Konzepts, die offensichtlich nicht zu verbessern sind. Seine Botschaft lautet: So baut man den perfekten Sportwagen.
Porsche 911

Beim Debüt war er nur eine Nummer: Als „Sportwagen Typ 901“ wurde er im Herbst 1963 auf der Automobilmesse IAA in Frankfurt vorgestellt; bald darauf kam er unter dem Namen Porsche 911 auf den Markt. Ein Klassiker vom ersten Tag an.

Porsche 911 Heck

Muskulöse, doch elegante Linien, fließendes Heck und lange Überstände: Die Form des Porsche 911 setzt seit 50 Jahren Maßstäbe.

Zum unverwechselbaren Porsche-Gefühl gehört der Eindruck von Beschleunigung. Der anfangs luftgekühlte Heckmotor hatte 6 Zylinder, 2 Liter Hubraum und 130 PS (beim aktuellen Modell 991 GT3 sind es 475 PS). Doch damit schaffte der Wagen damals schon 210 Stundenkilometer – und drückte jeden Insassen mit Macht in die Sitze. Der Sound kommt hinzu, heiser, röhrend, typisch Porsche. Spezialisierte Ingenieure sorgen dafür, dass der Fahrer auch nach Gehör weiß, in welchem Auto er sitzt. Was bleibt, ist auch die Silhouette: unantastbar. Allenfalls evolutionäre Eingriffe sind erlaubt. Die aufrechten Scheinwerfer etwa, zunächst dem Käfer-Gesicht entlehnt, durften sich im Lauf der Zeit flacher in den Wind legen; das Gesicht wurde dynamischer. Doch der sanfte, zugleich muskulöse Linienverlauf und das fließende, sich verjüngende Heck gehören zur charakteristischen, klaren Form, die den 911er bis heute von allen anderen Autos unterscheidet.

Sportwagen Porsche 911

Verändert wurden seither nur Details, etwa die Neigung der Scheinwerfer. Während an Technik und Konstruktion beständig gefeilt wird, verfolgen Puristen jede Veränderung an der Urform des 911ers mit Argusaugen.

Auch seinen gutmütigen Blick behielt der Sportwagen. Obwohl das dem Trend widerspricht. Andere Autobauer machen mit vordergründig inszenierten Emotionen, einem aggressiven Gesicht, einem grimmigen Kühlergrill, Umsatz. „Aber die Kunden merken schnell“, sagt Lutz Fügener, Professor für Auto-Design in Pforzheim, „wenn Autos wie Kampfhunde aussehen und doch nur Einkaufswagen sind.“ Der 911er kommt ohne billige Effekte aus. Seine Fahreigenschaften sind es, die ihn zum Maßstab machen: nicht leicht in den Griff zu bekommen, aber wer das Biest erst einmal gezähmt hat, erlebt ein umso satteres Vergnügen.

Porsche vor dem 911er war ein Familienunternehmen, das ab 1948 mit dem Sportwagen 356 eine Ikone der Wirtschaftswunderjahre herstellte. Zugleich war und ist Porsche eine Ingenieurfirma, die sogar Konkurrenten in Konstruktions- und Entwicklungsfragen berät. Auf den Firmengründer Ferdinand Porsche (1875–1951), selbst Konstrukteur, folgten sein Sohn Ferdinand (genannt Ferry, 1909–1998) und der Enkel Ferdinand Alexander, genannt Eff-A (1935–2012). Ihm gelang das Meisterstück, den Nachfolger des 356ers zu entwickeln. Aufgewachsen war Eff-A in den Porsche-Werkstätten in Gmünd und Zuffenhausen, hatte 1957 die Grundlehre an der Hochschule für Gestaltung in Ulm ausprobiert, aber nicht beendet, ging zunächst in die Konstruktionsabteilung von Bosch und arbeitete ab 1960 im väterlichen Unternehmen.

Dort gehörte Ferdinand Alexander Porsche bald zu einem Team von Konstrukteuren und Designern, die an dem Porsche der Zukunft arbeiteten. Der Motorjournalist Jürgen Lewandowski dokumentiert in seinem Buch „Porsche 901. Die Wurzeln einer Legende“ die vielen zähen Kämpfe der Entwickler – bis zum triumphalen Erfolg: „Eff-A gelang die Linie, die einfach nur als perfekt bezeichnet werden kann.“

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Autor:
Thomas Edelmann