Mentorpreis by A&W 2008 Doshi Levien (Designer-Duo)

Doshi Levien überzeugten Tom Dixon mit ihrer kulturell aufmerksamen, narrativen Herangehensweise an Design. Er nominierte sie für den A&W-Mentorpreis 2008. Der erste gemeinsame Auftrag des Designerpaares kam auch von ihrem Mentor: Besteckserien für Habitat.

Tenter Ground, London E1: eine winzige Straße, drei Häuser auf jeder Seite. Die Nummer 5 ist ein Backsteinbau, Jahrhundertwende, eine ehemalige Druckerei. Farbreste blättern von den alten Holztüren, die Schlösser knarren und quietschen. Die Lage könnte kaum symbolischer sein: Im kreativen Osten Londons, ziemlich genau auf halbem Weg zwischen dem geschäftigen Büroviertel an der Liverpool Street mit vielen Anzugträgern in Dunkelblau und der bunten quirligen Brick Lane, in der es von indischen und pakistanischen Einwanderern sowie ihren Shops und Restaurants wimmelt, haben die 37-jährige Inderin Nipa Doshi und der ein Jahr jüngere Schotte Jonathan Levien ihr gemeinsames Studio eröffnet.

Zwischen den Kulturen pendelt auch das Design des Duos: Als Doshi Levien erproben sie die Verbindung europäischer Gestaltungsprinzipien mit asiatischer Tradition und Dekorationskunst. Rund 100 Quadratmeter auf zwei Stockwerken reichen dem Paar zum Wohnen und Arbeiten. Noch. Oben in der Wohnung steht das Objekt, mit dem Doshi Levien im letzten Jahr schlagartig in der Designwelt bekannt geworden sind: das Daybed „Charpoy“ (das Wort für ein traditionelles indisches Bett, wörtlich übersetzt: vier Beine), ein Möbel, das Sinnbild ihres Schaffens sein könnte. Es ist ein funktionales Objekt, stellt sich aber auch dekorativ zur Schau, wurde in feinster Handarbeit gefertigt, ist aber alles andere als ein traditionelles Handwerksstück. Für das Paar ist es auch das Bett für die Nacht.

„Unsere Arbeit hat etwas Schizophrenes, man erkennt die beiden Persönlichkeiten“, sagt Nipa. Jonathan bemüht sich um eine Erklärung: „Ich habe einen europäischen Zugang zum Design, ich versuche die Dinge auf ihr Wesentliches, auf ein Minimum zu reduzieren. Und Nipa …“, „… ich“, übernimmt sie das Wort, „ich nähere mich den Projekten eher grafisch, ich liebe die dekorative Komponente. Aber eigentlich habe ich selbst zwei Seelen in meiner Brust.“

 

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Robert Fischer