Die Garden Route Ein Paradies in Afrika

Die Garden Route: der Inbegriff des Gartens Eden. Gut möglich, dass die Geschichte von Adam und Eva hier ihren Ursprung nahm. Seit einem Jahr lockt das Fünf-Sterne-Boutiquehotel Fancourt Manor House ins südafrikanische Golfer-Dorado bei George – ein Paradies, in dem man am liebsten ewig verweilte.

Anton kredenzt die Wäsche. Der Inhalt des am Vortag vollgestopften „Laundry“-Sacks kommt 24 Stunden später im antiken Lederkoffer zurück – fein gefaltet, in Seidenpapier eingeschlagen und mit einem Lavendelsträußchen beduftet. Anton ist einer von vier ausgebildeten Butlern, die im Fancourt Manor House rund um die Uhr für die Gäste in den 18 Suiten sorgen: „Darf ich Ihnen beim Einräumen behilflich sein, Madam?“ Er, wie Nestor, Raoul oder Miles, würde auch um fünf in der Früh einen Early-Morning-Tea servieren, die tagesaktuell ausgedruckte „FAZ“ bügeln, das Schaumbad einlassen, „Jenseits von Afrika“ als DVD in Deutsch beschaffen oder einem eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen – „wenn das Ihr Wunsch wäre, Ma’am … Aber bitte eine in Englisch!“.

Dieses Herrenhaus, das der britische Kolonialbeamte Henry Fancourt White 1859 im südafrikanischen George im Stil eines Cotswold-Landsitzes hatte erbauen lassen, steckt selbst voller Geschichte und Geschichten. White leitete den Bau der Eisenbahnlinie über den Outeniqua- Pass, auf der bis zu einem Bergrutsch vor einigen Jahren der legendäre Outeniqua Choo-Tjoe Dampf spuckend mit Touristen hinunter zur Gartenroute zuckelte.White, der wirtschaftlich ruiniert starb, soll in seinem später zum National Monument erklärten ehemaligen Zuhause zuweilen herumgeistern. Jedenfalls behauptet das eine Familie, die in der 155 Quadratmeter großen Master-Suite im Obergeschoss logierte und des Nachts unheimliche Schritte über sich gehört haben will. Für umgerechnet um die tausend Euro pro Tag (die kleinen Luxury-Suiten mit 60 Quadratmetern kosten die Hälfte) wird natürlich jeder Gast ernst genommen.

Aber auch ein Koch des Manor-House-Restaurants, das nach Henry White benannt ist, will in der Nachtschicht auf seinen Geist getroffen sein – und flüchtete vor lauter Angst. Aus dem Wunsch nach einem Very Late Supper wäre in dieser Nacht wohl nichts geworden.

Offensichtlich eine glücklichere Hand in Finanzdingen als Henry Fancourt White hat der deutsche Unternehmer Hasso Plattner. Der Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzende des IT-Riesen SAP und seine Ehefrau Sabine erwarben 1994 das 550 Hektar große Stück Land, das nach White einige Nachfolgebesitzer hatte. Sie machten daraus ein Paradies für Golfer, mit einer Hotelanlage im adretten, holländischen Kolonialbaustil und inzwischen drei der besten Plätze Südafrikas: der spektakuläre The Links, die älteren Outeniqua und Montegu. Sie sind alle vom berühmten Golfprofi Gary Player gestaltet – und doch verschieden.

Längst bietet das Resort auch Real Estate Investments. Auf dem stetig zugekauften Land, heute gut 620 Hektar, stehen traumhafte Häuser. Viele Deutsche und Engländer besitzen hier ein Winterquartier, neben Ferienhäusern wohlhabender Familien aus Kapstadt und Johannesburg – auch Schwarzer. Südafrika entwickelt sich langsam, aber sicher in die von Nelson Mandela angestrebte Zukunft ohne Rassenschranken.

Die Plattners genießen in Südafrika wegen ihres sozialen Engagements und ihrer vielen Millionen-Euro-Spenden für wohltätige Zwecke, Bildung und Aids-Programme höchste Wertschätzung. In George sind sie der größte Arbeitgeber.

Das Fancourt Manor House bot bis zu seiner gründlichen Modernisierung 35 Hotelzimmer im leicht verstaubten Stil. Die Veredelung zu dem im letzten Frühjahr wieder eröffneten Fünf-Sterne-Bou - tiquehotel übernahm das Kreativbüro 360 Degrees aus Kapstadt: „Wir wollten den eleganten Komfort und die Eigenart des britischen Kolonialstils mit einem ‚charming twist‘ des Ambientes einfangen. Deshalb die überbreiten und überhohen Sessel. Und die Idee mit der Wäsche im Koffer, die der Butler serviert.“ Oder die, die großen Flachbildschirme hinter Glas in goldene Rahmen zu hängen wie die Schwarz-Weiß-Bilder des Fotografen Justin Aitken, der von Kapstadt die Gartenroute entlang bis zum Tsitsikamma Nationalpark Motive einfing. Auch Briefkästen mit Hausnummern, die nun die 18 Suiten kennzeichnen. Kurioserweise gibt es eine Nummer 19, dafür fehlt die böse 13.

„Uns war wichtig, die Tradition des Manor House in zeitgemäßes Interior Design zu übersetzen“, so die Gestalter. Alle Möbel sind von ihnen entworfen und vonregionalen Betrieben produziert, mit nachhaltigem Qualitätsanspruch. Leider machen die opulenten Boxspring-Betten es Early Birds unter den Golfern schwer, die Tee-off-Zeit um 8 Uhr einzuhalten.

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Autor:
Barbara Friedrich
Fotograf:
Ron Gaunt