Paris Königliche Wohnkultur im Shangri-La-Hotel

Napoleonischer Glanz umhüllt die Gäste der Metropole: Im früheren Stadtpalais des Roland Bonaparte hat die Shangri-La-Gruppe ein intimes Luxushotel eröffnet.

Das Bett steht vis-à-vis vom Eiffelturm. Solange die Augen offen gehalten werden können, heften sie sich auf den eisernen Gitter-Obelisken. Kann man in Paris schöner schlafen? Das Shangri-La-Hotel steht auf einer Erhöhung am Seine-Ufer, mit dem Panorama von Paris direkt gegenüber.

Der Postkartenblick reizte sicher Robert Kuok, den Zuckerkönig, Milliardär und malaysischen Gründer der Luxushotel-Kette Shangri-La, als er sich auf die Suche nach der ersten Dependance in Europa machte. Doch den Ausschlag für die Wahl gab der napoleonische Glanz, der über dem Gebäude in der Avenue d’Iéna liegt, keine fünf Spazierminuten vom Trocadero entfernt. Roland Bonaparte, ein direkter Nachkomme des aus der Revolution hervorgewachsenen Kaisers, hatte sich „nach eigenen Zeichnungen“ das Stadthaus gebaut, „eine der kunstvollsten Residenzen der Zeit“, wie die Presse damals schrieb.

Rund zehn Jahre nach dem Bau des Eiffelturms ließ er sich, durch Heirat an ein märchenhaftes Vermögen gekommen, das marmorglänzende Louis-seize-Reich errichten, um es mit Folianten, Karten, Dokumenten und Herbarien – gut eine Million Spezies – zu füllen. Napoleons Großneffe war Allroundwissenschaftler. Lappländer, Surinamesen und Farne interessierten ihn gleichermaßen.

Heute beherbergt das Stadtpalais statt der Utensilien des Gelehrten alle Werkzeuge höchster Gastlichkeit. Robert Kuok sparte nicht an Blattgold und feinstem Pinselwerk, nicht an Samt und Seide, um Wände und Fenster zu bekleiden. Innenarchitekt Pierre-Yves Rochon, Spezialist für filmreife Inszenierungen von Hotel-Ambientes, injizierte dem wiedererstandenen Fin-de-Siècle-Prunk mit Lackarbeiten und türkisfarbenen Vogelwelten fernöstliche Zartheit. Und während in drei Feinschmecker-Restaurants, darunter der kantonesische „Shang Palace“, hauchdünn geschnittener Wolfsbarsch oder köstlich gefüllte Dim-Sum-Dampfbeutelchen auf den Tisch gelangen, schafft es Chef-Concierge Tony, einen Nachtbesuch im Louvre zu organisieren.

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Elke von Radziewsky