Ausstellung Kunst-Triennale „Beaufort“ 04

Heiter und frei zeigt sich die Kunst an der flandrischen Küste, manchmal ein wenig naiv, dann wieder herrlich ironisch – es wartet der schönste Strandspaziergang des Sommers.

I can hear it von Ivars Drulle

Modified Social Benches von Jeppe Hein

Schwanken und Spaß haben Die „Modified Social Benches“ von Jeppe Hein bringen kalkulierte Irritation in die Ordnung des Seebades De Haan-Wenduine

Wenn es stürmisch wird, bitte, dann setzt man sich eben in die Straßenbahn und fährt ein paar Stationen weiter. Immerhin ist die „Kusttram“ entlang der Küste von Knokke bis De Panne eine der spektakulärsten Linien der Welt: 68 Kilometer lang und immerzu Sandstrand und Wasser.

Und Kunst. Dann vor allem, wenn die belgischen Seebäder sich zur Kunst-Triennale „Beaufort“ zusammentun, in diesem Jahr zum vierten Mal. An 30 Stationen lohnt sich das Aussteigen, um zu bestaunen, was Skulpturen- und Installationskünstler da in den Sand gesetzt haben. Der Österreicher Erwin Wurm nimmt die steife Kleiderordnung aufs Korn, die am Strand natürlich völlig daneben ist, der Lette Ivars Drulle fängt das Rauschen des Meeres mit riesigen Hörrohren ein. Der Bulgare Nedko Solakov verwandelt mit hingekritzelten Sprüchen an den Wänden eine leer stehende Strandvilla in so etwas wie eine skurrile Geisterbahn. Und der Finne Marco Casagrande zeigt mit seinem 45 Meter langen, begehbaren „Sandwurm“ aus Weidengeflecht, dass eine Küstenarchitektur nicht kahl, hässlich und aus Beton sein muss. Sie kann sogar verzaubern.

Ein Touristenspaß? Ja, auch. Aber so simpel ist das alles nicht. Große Namen sind vertreten, Jannis Kounellis etwa, Wim Delvoye und Jaume Plensa. Und in der Kargheit der Umgebung liegt eine Herausforderung, an der man auch scheitern könnte. Spannende Begegnungen also. Nach Sir Francis Beaufort, das sollte noch gesagt sein, ist die Skala der Windgeschwindigkeiten benannt. beaufort04.be

Schlagworte:
Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Jimmy Kets