imm Cologne Louise im Wunderland

Mit ihrer Inszenierung eines Hauses auf der imm Cologne 2014 will die Dänin Louise Campbell zeigen, dass Romantik und Moderne kein Widerspruch sein müssen.

Louise Campbell

„Das Haus“
"Das Haus"

Auch Träume brauchen einen Rahmen. „Das Haus“, das Louise Campbell baut, ist erst einmal ein Ständerwerk mit viel Freifläche.

Wände haben Augen, die Böden schwanken, Türen werden beim Näherkommen immer kleiner. So soll man wohnen? Nein, aber solche Märchenbilder wie aus „Alice im Wunderland“ hat Louise Campbell im Kopf, wenn sie an ihr bisher ehrgeizigstes Projekt denkt. Nach dem britisch-indischen Designerpaar Doshie/Levien und dem Italiener Luca Nichetto wird die 43-jährige Dänin die Dritte sein, die auf der imm Cologne ein Konzepthaus präsentieren darf – ein fotogenes Statement und Fixpunkt einer ganzen Messehalle.

Der "Facetten-Spiegel"
Der "Facettenspiegel"

Bin ich schön? Frag den Facetten-Spiegel (ein frühes Modell).

Sie empfängt in ihrem Dachatelier zur Vorstellung ihrer Ideen. In ein paar Tagen muss sie die Pläne abgeben, festgelegt hat sie sich bisher aber nur für den äußeren Rahmen; wie’s drinnen aussieht, will sie sich bis zum letzten Moment offenhalten: „Ich bin nicht jemand, der schnell skizziert und sagt: Fertig! Ich muss immer den langen Weg gehen.“ Davon erzählen, gewollt wie ungewollt, Stapel von Skizzen, Collagen und Materialproben um sie herum. Vieles sehr dekorativ; andere Designer würden damit zehn Projekte bespielen. Sie sieht sie nur als Zwischenstation, Dokumente des Suchens. Sie hält ein Hausmodell hoch, im Grundriss irgendetwas zwischen V und X. „Zwei Menschen treffen sich, lieben sich, beide sind anders und suchen Gemeinsamkeiten. Wäre es nicht toll, man würde all dieses auch in ihrem Haus sehen – beide haben eigene Bereiche, die sich irgendwo berühren und überschneiden?“ Weil sie in Köln aber eher ein Interior- als ein Architekturzeichen setzen soll, hat sie die sich überkreuzende Form verworfen. Wie auch ihr anderes Konzept, einen begehbaren, zum Haus aufgeblasenen Riesensessel. Davon übrig geblieben ist, dass ihr Kölner Haus nur zwei feste Möbel haben soll, die Essenz des Wohnens sozusagen: ein Tisch für 40 Personen und eine Bettenlandschaft – beides XXL.

Offene Holzräume
Offene Holzräume

Platz für Ideen: offene Holzräume, abgeteilt durch Stoffbahnen.

Sie mag das Spiel mit den Dimensionen, mit Erwartungen und Verfremdungen, die meisten ihrer Arbeiten haben so einen Twist. Die Porzellanmarke Royal Copenhagen befreite sie aus dem Zwang zum Immergleichen, indem sie statt des traditionellen Blaus frisches Rot, Orange, Grün verwenden konnte. Für Louis Poulsen übersetzte sie das Gefühl eines sonnigen Tages im Wald in Schattenspiele für eine Leuchte. Ideen, die verzaubern, aber auch verstören können. Was Louise Campbell durchaus gewohnt ist. Ihre Offenheit dem Dekor gegenüber, geprägt in England, macht sie in der homogenen skandinavischen Designszene zu einer Abweichlerin. So gesehen ist die imm kein schlechter Platz für sie und sie auch eine clevere Wahl der Messemacher. Denn Köln und ein dänischer Designer haben sich schon einmal gegenseitig Glück gebracht. Der ehrenwerte Verner Panton zeigte hier 1970 seine Rauminstallation „Visiona“ – auch das war eine Wohnlandschaft, wie man sie bis dahin noch nie gesehen hatte.

„Das Haus“, imm Cologne, „Pure“-Halle 11,
vom 13.–19.1.2014, Publikumstage 17.–19.1.2014.

Autor:
Rolf Mecke